Bestes Kino Europas: Wolfgang Steininger räumt "Oscar" der Kinobetreiber ab
FREISTADT. Über die Auszeichnung „Bestes Kino Europas“ freut sich der Freistädter Wolfgang Steininger für das Moviemento und das CityKino in Linz. Im Tips-Interview erzählt er, wie ihm das Kino buchstäblich in die Wiege gelegt wurde und spricht über sein persönliches Film-Highlight.

Tips:Was für die Schauspieler der Oscar ist, ist für Kinobetreiber die Auszeichnung „Bestes Kino Europas“. Kam die Auszeichnung überraschend?
Steininger: Ich habe gewusst, dass wir schon länger auf dem Radar des Kinonetzwerks Europas stehen. Diesmal hat es geklappt, wir wurden für unsere vorbildliche Jugendarbeit ausgezeichnet – und das bei 1037 Kinos aus 41 Ländern. Darüber waren wir schon erstaunt. Eigentlich interessant, dass ich mit 60 Jahren Jugend-Europameister geworden bin.
Tips:Wie sprechen Sie die Jugend in Ihren Linzer Kinos an?
Steininger: Wir geben sehr viele Schulvorstellungen, wobei wir die Originalfassungen zeigen, auch für kleine Gruppen. Außerdem gastiert das Internationale Kinderfilmfestival im Moviemento und im CityKino und Kunstuni-Studenten können ihre Musikvideos kostenfrei oder zu besonders günstigen Konditionen vorführen.
Im Kino der Eltern geboren
Tips:Seit wann sind Sie im Kino-Business?
Steininger: Naja, ich bin sogar im Kino geboren worden. Meine Eltern haben hatten in Taufkirchen an der Pram quasi das Monoplex der 50er/60er-Jahre mit Wirtshaus, Leinwand, Kegelbahn, Jukebox und Wuzzler. In den 70er-Jahren hat mein Vater – er war übrigens als „Kino-Ferdl“ bekannt – das Kino in Freistadt übernommen und es 1984 in der Salzgasse 25 mit der Local-Bühne neu aufgebaut. Ich habe Wirtschaftspädagogik studiert, aber das Kino hat immer eine große Rolle gespielt.
Tips:Wie viele Mitarbeiter haben Sie in Freistadt und Linz?
Steininger: Fünfzehn. Mein Sohn Benedikt arbeitet derzeit bei der Wiener Künstleragentur Hoanzl. Seine guten Kontakte kommen uns in Freistadt zugute, immer Spitzen-Kabarettisten unserer Einladung nach Freistadt nach. Meine Tochter Lisa ist zwar Lehrerin, aber bei den Nachmittagsvorstellungen am 24. Dezember zum Beispiel sind wir ein reiner Familienbetrieb. Ich verkaufe die Karten, Lisa sorgt für das Buffet und Benedikt führt vor. Und meine Frau trifft zuhause in aller Ruhe die letzten Vorbereitungen.
Tips:Erinnern Sie sich, welcher Film der absolute Kassenschlager in Ihren Kinos war?
Steininger: In Freistadt „Der Schuh des Manitu“ und in Linz „Wie im Himmel“, auf schwedisch mit deutschen Untertiteln. Den haben 14.000 Besucher gesehen. In Freistadt leben wir übrigens von den Kindern und den Frauen. Die Männer zieht es eher in die Großen Kinos, die wollen „Star Wars“ in 3D und auf einer Riesenleinwand sehen. Mich freut, dass wir bei anspruchsvollen deutschen Komödien wie „Willkommen bei den Hartmanns“ oft am ersten Spielwochenende österreichweit auf dem ersten Platz liegen. In Moviemento und CityKino haben wir übrigens jedes Jahr rund 150.000 Besucher, in Freistadt etwa 40.000.
„Die zwei schönsten Abschiedsszenen der Filmgeschichte“
Tips:Gehen Sie selbst auch noch gerne ins Kino?
Steininger: In meine Kinos nicht, da würde mir ständig die Arbeit durch den Kopf gehen. Ab und zu fahre ich am Vormittag mit dem Zug nach Wien, schaue mir zwei Pressevorführungen an und fahre wieder heim. Außerdem sehe ich mir jedes Jahr die Berlinale an. Gerade habe ich einen Film gesehen, der mir richtig getaugt hat: „Nocturnal Animals“ von Tom Ford. Der Designer macht jetzt Filme.
Tips:Ihr persönliches Film-Highlight?
Steininger: „Die Regenschirme von Cherbourg“ ist für mich einer der schönsten Filme. Vor allem wegen der zwei für mich schönsten Abschiedsszenen der Filmgeschichte.


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