Zukunft des Schibetriebs in Sandl wird vor Gericht entschieden
SANDL. Generationen von Schifahrern weit über die Region hinaus haben ihre ersten Schwünge auf dem Viehberg in den Schnee gezogen. Der Rechtsstreit zwischen dem Verpächter der Liftanlagen, der Infrastruktur Sandl GmbH, und einem Grundbesitzer-Ehepaar könnte dem Schivergnügen im schlimmsten Fall ein Ende bereiten.

Zur Vorgeschichte: Seit rund 50 Jahren werden Schifahrer per Lift auf den Viehberg befördert. Die Grundfläche für Schipisten und Lifte wurden stets in den Wintermonaten von den Grundbesitzern gepachtet. Die Infrastruktur Sandl GmbH, eine 100 Prozent-Tochter der Gemeinde Sandl, hat die Schilifte Sandl GesmbH übernommen und ist der Betrieb, der die Liftanlagen und die Viehberghütte an den Liftbetreiber, die Viehberglifte Sandl GmbH, verpachtet. Und genau jene Infrastruktur Sandl GmbH sieht sich nun mit einer Klage auf Räumung der rund 20.000 Quadratmeter großen Wiesenflächen der Besitzer Monika und Heinz Biebl aus Wartberg ob der Aist konfrontiert. Am kommenden Montag ist ein erster Termin der Anwälte am Bezirksgericht Freistadt anberaumt.
Abtragung von Gebäuden und Lift gefordert
Die Kläger fordern die Abtragung des Antriebshauses, die Entfernung des E-Liftes sowie der Werkstätte und Garage und die anschließende Rekultivierung der Fläche, heißt es in der Sandler Gemeinde-Information. „Wenn diese Klage durchgeht, kann das der Todesstoß für den Schilift sein“, sagt Sandls Amtsleiter Alois Quass, Geschäftsführer der Infrastruktur Sandl GmbH. „Die Gebäude müssten übersiedelt bzw. neu errichtet werden, neue Installationen und Erdkabel müssten verlegt werden, was eine Rieseninvestition bedeuten würde, und auch eine Verkürzung des Liftes, wenn er nicht zur Gänze entfernt werden soll, ist unrealistisch - wer steigt schon mitten am Berg in einen Lift ein?“ schildert Quass die Perspektive des Schibetriebes in düsteren Farben.
Fehlender Pachtvertrag
Das Problem, das dem Rechtsstreit zugrunde liegt, ist die fehlende Einigung der Grundeigentümer mit der Infrastruktur Sandl GmbH über einen neuen Pachtvertrag. Monika und Heinz Biebl, die Haus und Grundfläche von Biebls Tante auf Leibrente übernommen hatten, kündigten den geltenden Vertrag im September 2015. „Der Grund dafür war, dass wir nicht mehr gewusst haben, wer der Eigentümer oder Betreiber des Liftes ist“, berichtet Heinz Biebl im Tips-Gespräch. Seither gab es mehrere Vertragsentwürfe. Die darin enthaltenen Bedingungen waren für die Infrastruktur Sandl GmbH jedoch nicht akzeptabel. „Ein vernünftiger Mensch kann so etwas einfach nicht unterschreiben“, spricht Geschäftsführer Quass von Forderungen nach persönlichen Haftungen, etwa für ganzjährige Verunreinigungen der Grundfläche.
„Wollen nicht, dass der Lift abgerissen wird“
Das sieht Heinz Biebl naturgemäß anders: „Wir haben nie etwas Unrealistisches verlangt, nicht einmal mehr Pacht, nur eine zeitgemäße Anpassung. Es gibt keinen Grund, warum unsere Vorschläge nicht annehmbar gewesen wären“, sieht er den schwarzen Peter bei der Infrastruktur GmbH. Er, Biebl, habe sich vor Jahren sogar für einen Speicherteich und eine Beschneiungsanlage für den Viehberg stark gemacht und hätte sogar das Wasser dafür zur Verfügung stellen wollen. „Wir hätten ja durch den Pachtentgang selbst einen Schaden, zumal ich ja in Sandl investieren möchte, und uns liegt sicher nichts daran, dass der Schilift abgerissen wird, aber es ist uns nichts anderes übrig geblieben, als Räumungsklage einzubringen, um unsere Rechte auf unserem eigenen Grund und Boden zu wahren.“
Schon mehr Geschirr zerschlagen
Dem Vernehmen nach war im Vorfeld der Räumungsklage von beiden Seiten bereits mehr persönliches und juristisches Geschirr zerschlagen worden. Trotzdem will Heinz Biebl die Tür nicht zugeschlagen wissen: „Es liegt am Infrastrukturverein, wie es am Viehberg weitergeht.“ Dort wird ein Ende der Konkurrenzfähigkeit als nahegelegenes Schigebiet befürchtet, wenn der Klage stattgegeben wird. „Besonders an den Wochenenden ist es notwendig, mit einem zweiten Lift den Wintersportlern eine möglichst kurze Wartezeit zu bieten“, formuliert Alois Quass in der Gemeindezeitung. Er befürchtet nicht nur ein Ende des beliebten Rennbetriebes, da die betroffenen Grundflächen den Schlusshang und das Zielgelände betreffen. Auch Umsatzeinbußen bei Gastronomie und Beherbergung seien die Folge, ganz zu schweigen vom touristischen Imageverlust. “Für mich ist an dieser Klage einfach nichts logisch“, hofft Geschäftsführer Alois Quass noch auf eine versöhnliche Einigung.


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