Wildökologe: Wölfe nur in Kernzonen zur Gänze schützen
SANDL. Das Thema Wolf hat Sprengkraft – davon ist der Wildökologe, Forst- und Landwirt Stefan Fellinger überzeugt. Gegenüber Tips schildert er seine Überlegungen in Sachen Rückkehr der Wölfe in unsere Region.

„Auf der einen Seite sind jene, die in der Rückkehr des Wolfes ein Stück verloren gegangenes Paradies herbei sehen, auf der anderen Seite die Naturnutzer, welche mit massiven Schwierigkeiten rechnen. Persönlich bin ich, auch als Hundefreund, fasziniert vom Wildtier Wolf. Von seiner hohen Intelligenz, seinem Sozialverhalten und der Fähigkeit gemeinsam große Beute zu machen, die für ein Einzeltier unmöglich wäre, wie ausgewachsene Bisons.
Mehr Wölfe, mehr Probleme
Auf der anderen Seite sind die Probleme eindeutig, die auf uns durch einen hohen Wolfbesatz zukommen werden. Man braucht nur die Erfahrungen der Nachbarstaaten beachten, z. B. einen Blick auf die Internetseite www.vwl-ost.ch werfen. Beeindruckend auch, wie die Meinung der geerdeten ländlichen Bevölkerung, speziell mit bäuerlichem Hintergrund, auf jene einer Natur entfremdeten städtischen Bevölkerung prallt. Die Städter machen den Wolf zum „Tier des Jahres 2017“, kämpfen für das Tierwohl um jeden Quadratmeter Stallfläche und regen an, überhaupt auf Fleischkonsum zu verzichten. Das „nicht tierfreundliche“ Töten von Haustieren durch Wölfe und den darauf folgenden dauerhaften Stress der überlebendenden Tiere nehmen sie gerne in Kauf.
Beweidung wird schwierig
Mit großen Problemen werden die naturnahen extensiven Tierhalter mit Sicherheit konfrontiert werden, wenn die Wölfe mehr werden. Viele Bauern, besonders in waldreichen Gebieten, werden die Beweidung aufgeben müssen und die Landschaft wird weiter zuwachsen. Das Bellen der Hütehunde, die bei geringstem Verdacht Laut geben und Attacken dieser Hunde auch auf Menschen, um „ihre“ Herden zu verteidigen, werden auch der übrigen Bevölkerung nicht gleich sein.
Tourismus und Zäune
Mit Behinderungen durch massiv geladene Elektrozäune zum Schutz der Herden entlang der Gebirgskämme (dort müssten sie errichtet werden) werden auch die Touristen keine Freude haben. Speziell im alpinen Gelände wird die naturnahe extensive Tierhaltung bei Vorhandensein des Wolfes mit vertretbarem Aufwand nicht mehr möglich sein. Einen Ausweg würde die wildökologische Raumplanung bieten, welche für das Management großer Wirbeltiere vielerorts notwendig und bewährt ist.
Wölfe in Kernzonen
Auch für Wölfe kann man Kernzonen ausscheiden, am besten sehr große Nationalparks, und sie dort uneingeschränkt schützen. Aber auch Randzonen, in denen der Wolf bejagbar ist und Schäden an Weidevieh einfach und großzügig abgegolten werden, (z. B. Umkehr der Beweislast). In Freizonen sollten die Wölfe keinen Schutz erfahren (außer Mütter während der Säugezeit). Österreich ist vor Jahrzehnten aus der Nutzung der Atomenergie ausgestiegen, noch bevor es eingestiegen ist. Inzwischen verzichten mehr und mehr Staaten auf die Nutzung der gefährlichen Atomenergie. Hoffentlich können wir auch bei einer unreflektierten Willkommenskultur für den Wolf noch aussteigen, bevor er sich zu stark verbreitet und viel Schaden anrichtet.“


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