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„Alle haben ein Handy, nur ich nicht!“: Experte der Polizei Freistadt gibt Eltern Tipps

Mag. Susanne Überegger, 17.12.2019 16:21

FREISTADT. Eltern kennen die Leier: „Alle in meiner Klasse haben ein Smartphone, nur ich nicht!“ Rainer Gattringer, Präventionsbeamter bei der Polizei Freistadt, sprach mit Tips über mögliche Gefahren digitaler Medien: „Sie sind Segen und Fluch zugleich!“

  1 / 2   Für viele Kinder liegt am 24. Dezember ein Smartphone unterm Christbaum. Foto: Shutterstock.com/Lifestyle Discover

Tips: Weihnachten steht vor der Tür und viele Kinder wünschen sich ihr erstes Handy. Was raten Sie den Eltern vor dem Kauf?

Rainer Gattringer:Ganz wichtig ist hier das vor dem Kauf. Als Eltern sollte man zuerst hinterfragen, ob man das Smartphone nur auf Druck des Kindes kauft, nach der Leier „Alle haben eines, nur ich nicht!“. Der soziale Druck auf die Kinder ist oft immens. Per se ist ein Smartphone ja nichts Schlechtes, aber man eröffnet den Kindern damit eine Welt, in der sie noch nie allein unterwegs waren. Es muss den Eltern schon bewusst sein, dass die Kinder via Internet Zugang zu jeglichen Inhalten, zu sämtlichen Informationen, Meinungen, Bildern und Videos, die im Netz kursieren, haben – wenn man das nicht filtert. Man muss sich fragen, kann mein Kind damit umgehen, ist es reif genug, das Smartphone ohne Gefahr zu nutzen? Die digitale Welt ist wichtig und toll – wer als Mutter oder Vater dem Kind ein Handy schenkt, übernimmt aber damit gleichzeitig die Verantwortung, die Tochter oder den Sohn im Umgang damit anzuleiten.

Tips:Welche Rolle spielen da die Erwachsenen als Vorbilder?

Rainer Gattringer: Da kann jeder für sich selbst hinterfragen, was lebe ich den Kindern vor? Wer geht denn heute schon noch ohne sein Handy aus dem Haus? Wichtig ist es, vor dem Kauf eines Smartphones für das Kind Regeln aufzustellen – und diese dann als Erwachsene auch vorzuleben. Gerade der Advent eignet sich sehr gut für ein familieninternes Verzichtsprojekt. Man kann einen – machbaren – Zeitraum festlegen, in dem in der Familie alle bewusst auf jegliche Bildschirme verzichten. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Spiel oder anderen Familienaktivitäten in der gewonnenen Zeit?

Tips:Was halten Sie von dem Argument, Kinder verlieren den Anschluss an die digitale Welt, wenn sie kein Smartphone nutzen oder besitzen?

Rainer Gattringer: Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Den technischen Umgang lernen die Kinder überaus rasch.

Tips:Welche negativen Seiten kann WhatsApp haben?

Rainer Gattringer: Der Nachteil ist, dass man nicht entscheiden kann, wer einem was schickt. Und dass sich Nachrichten, Bilder und Videos rasend schnell verbreiten lassen. Wir hatten zum Beispiel im Vorjahr im Bezirk Freistadt einen Fall, bei dem plötzlich in einer Klassen-WhatsApp-Gruppe strafrechtlich relevante Fotos kursierten. Eine schockierte Mutter kam damit zu uns auf die Polizeiinspektion und zeigte uns die entsprechenden Dateien auf ihrem Handy – welches wir dann beschlagnahmen mussten.

Es gab auch schon mehrere Sexting-Fälle im Bezirk. Beispiel: Da schickt ein Mädchen ihrem Freund Nacktbilder von sich, nach zwei Wochen ist die Beziehung beendet und der Bursch leitet die Nacktfotos der Ex an alle möglichen Leute weiter. Den Kindern und Jugendlichen ist leider oft nicht bewusst, dass der Besitz von bestimmten Bildern und Videos auf dem Handy sowie das Weiterleiten derselbigen strafbar ist. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder auch auf diese Gefahr besonders hinweisen.

Tips:In Ihren Vorträgen weisen Sie auch auf die Gefahren im Internet hin.

Rainer Gattringer: In der virtuellen Welt gibt es genauso Kriminelle wie in der realen Welt. Cybercrime gibt es bis in den letzten Winkel der Welt und wir alle sind angreifbar. Einerseits ist da der technische Aspekt, ist mein PC sicher genug? Andererseits der menschliche Faktor: Ob Gier, Einsamkeit, Gutgläubigkeit oder Sexualität – fast ein jeder ist mit irgendetwas zu fangen. Wichtig ist, misstrauisch zu bleiben und sich auf seinen gesunden Hausverstand zu verlassen. Und sich als Eltern beispielsweise fragen, will ich, dass sich mein Kind beim Computerspielen mit wildfremden Leuten auf der ganzen Welt vernetzt und unterhält?

Tips:Wie mache ich das Smartphone kindersicher?

Rainer Gattringer:Stets die Allgemeinen Geschäftsbedingungen lesen, Privatsphäre-Einstellungen einrichten, Mehrwertnummern sperren. Sehr gute Tipps mit praktischen Anleitungen sind auf www.saferinternet.at zu finden. Es gibt auch Apps, mit deren Hilfe man alles mitverfolgen kann, was das Kind auf seinem Smartphone so macht – darüber sollte man das Kind aber auf alle Fälle im Vorfeld informieren. Ab einem gewissen Alter würde ich das aber nicht mehr machen, weil dies doch ein relativ großer Eingriff in die Privatsphäre des Kindes ist. Das ist, als ob man das Tagebuch der Tochter oder des Sohnes lesen würden.


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