Der gute Geist vom Hedwigsbründl
BAD ZELL. Jeden Tag zwischen halb acht und acht Uhr Früh schaut er beim Cella Hedwigsbründl nach dem Rechten: Fritz Oyrer, Mesner und „guter Geist“ der Kapelle, in der die uralte Quelle in ein steinernes Becken fließt.

Laub wegkehren, Müll entsorgen, frische Gedenkkerzen nachfüllen: „Ich wohne nicht weit weg und halte halt ein wenig Ordnung beim Hedwigsbründl“, sagt der rüstige Pensionist, der auf den 80. Geburtstag schon eine gute Weile zurückblickt. Bis 1999 war der gebürtige Gutauer, den das Schicksal 1966 nach Bad Zell geführt hat, bei der Straßenmeisterei Pregarten beschäftigt.
Kein Ruhestand in Pension
An Ruhestand war nach dem Pensionsantritt jedoch nicht zu denken: Bis die neue Hedwigskapelle Ende Oktober 1999 eingeweiht wurde, galt es für Fritz Oyrer, kräftig anzupacken. Er erledigte gemeinsam mit vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern Maurerarbeiten und verlegte Pflastersteine. „Der Kastl Richard und ich haben bei der Außengestaltung zusammengeholfen“, erinnert er sich. Das ehrenamtliche Engagement für das Hedwigsbründl ist Fritz Oyrer geblieben, auch, weil er und seine Familie – mit Gattin Maria hat er vier Kinder, der älteste Sohn ist bereits verstorben – gläubige Menschen sind. „Meine Tochter macht oft Gestecke für die Kapelle, mein Sohn hilft mir, wenn ein besonderer Anlass bevorsteht, die Heiligenfiguren abstauben und das Glas saubermachen oder weißeln“, erzählt Oyrer. Dabei packen meist auch Färberwirt-Senior Franz Pleimer und Hans Hinterreiter vom Tourismus- und Kulturforum kräftig mit an. „Mir gefällt’s halt auch, wenn es schön beim Bründl ist“, fügt er hinzu. Der Lohn für sein Tun sind schöne Ausflüge mit dem Hedwigsausschuss. „In Polen und in Deutschland waren wir schon.“
Von weither kommen manchmal auch die Besucher des Hedwigsbründls, die in kleinen und großen Gebinden das radonhältige Wasser mitnehmen. „Einmal ist sogar ein Bauer mit einem großen Tank gekommen, er hat das Hedwigswasser zum Schnapsbrennen verwendet“, erzählt Oyrer schmunzelnd. Natürlich trinkt auch seine Familie gerne das besondere Wasser aus der Hedwigsquelle. „Bei uns gibt es kein Mineralwasser mehr.“
Gerne unter den Leuten
Und wenn beim Hedwigsbründl dann alles auf Schuss ist, wird Fritz Oyrer von vielen weiteren Vereinen und Organisationen, wie dem Seniorenbund oder dem landwirtschaftlichen Brandschadenverein, gebraucht. Bei Letzterem war er 48 Jahre lang als Kassier und zwölf Jahre als Obmann im Einsatz.
Daneben ruft man ihn zum Sensendengeln, Besenreiserzusammenholen, Weidenspalten für die Palmbesen, am Friedhof oder beim Gehsteigreinigen. „Überall halt, wo es Arbeit gibt. Ich kann einfach nicht nein sagen. Aber ich bin halt auch gerne unter den Leuten“, sagt der Tausendsassa. Nur am Sonntagabend, zwischen 17 und 19 Uhr, da kann ihn niemand zur Arbeit einteilen. „Da bin ich mit meinen Freunden am Stammtisch beim Färberwirt. Den lasse ich mir nicht nehmen.“


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