Sabina Moser: Guten Platz in der Männerwelt erarbeitet
BAD ZELL. Wäre sie ein Mann, würde man sie wohl als Hansdampf in allen Gassen bezeichnen. Sabina Moser ist aber vor allem eines: eine Powerfrau, die ihre Energie und Kreativität in viele Projekte steckt. Ein Porträt über die Obfrau der Mühlviertler Alm-Bauern anlässlich des Weltfrauentages.

Als Mutter von drei (mittlerweile erwachsenen) Buben und Bäuerin wäre die gebürtige Aisthofenerin, Jahrgang 1969, arbeitstechnisch schon gut ausgelastet gewesen. „Eigentlich war Landwirtschaft gar nicht auf meinem Plan“, erzählt Sabina Moser. Doch Lebenspläne ändern sich und 1991 heiratete sie Martin Moser, Landwirt am Fuchsebner-Hof in Bad Zell. Von Milch- stellte die Familie auf Mutterkühe um. „Gleitzeit im Stall ist immer schon Lebensqualität gewesen, zumal Martin ja damals noch arbeiten gegangen ist“, schmunzelt sie. Auch der elterliche Hof in Aisthofen wurde übernommen.
Hineingerutscht
Um als Zugezogene in Bad Zell Fuß zu fassen, gründete Sabina Moser eine Mütterrunde – rückblickend der Auftakt für eine Fülle von Funktionen und Aufgaben. Schon 2002 wurde sie Ortsbäuerin. „Unser Jüngster, Benjamin, ist erst 1998 auf die Welt gekommen, das hatte ich gar nicht auf der Agenda. Ich bin quasi hineingerutscht, wie so oft in meinem Leben. Und meinen Platz habe ich mir hart erarbeiten müssen, vor allem in der Männerwelt“, blickt sie zurück. Dank Ehrgeiz und Know-how ist ihr das in zwei Funktionsperioden auch gut gelungen. Parallel dazu gelang es Moser, die Ausbildung zur Entspannungstrainerin, zur Mental- und Motivationstrainerin zu absolvieren, Kurse im Kreativbereich anzubieten und sogar mit einer Freundin ein Modelabel zu gründen. „Kreativität brauche ich einfach als Ausgleich“, meint sie achselzuckend. Kreativ sein und gestalten konnte sie auch als Vorstandsmitglied im Regionalverband Mühlviertler Alm. Als eines Tages Almbauern-Obmann Pepi Mühlbachler aus Liebenau bei ihr anklopfte, war dies der Auftakt von Sabina Mosers leidenschaftlichem Engagement für die Almbauern. „Der Pepi hat damals einen Stellvertreter gebraucht, ich habe ihm gleich gesagt, ich mache es, aber ich will niemals ganz vorne stehen.“ Ein frommer Wunsch, denn 2020 stand sie tatsächlich ganz vorne – als erste Obfrau der Almbauern, die am Ursprung der Regionalentwicklung standen.
Das Jahr der Mosers
„Landesrat Max Hiegelsberger hat damals gesagt, 2020 ist das Jahr der Mosers, denn mein Mann, der damals schon Bürgermeister von Bad Zell war, ist Obmann der Bezirksbauernkammer geworden. Mit Martin als Kammerobmann konnte ich es mir vorstellen, Almbauern-Obfrau zu werden, aber ich habe mich selten für etwas so schwer entschieden“, erinnert sich Sabina. Bereut hat sie ihre Zusage aber nie. „Schon bevor ich Obfrau geworden bin, haben wir so viel umsetzen können“, nennt sie nur das Almkistl mit regionalen Produkten als Beispiel. Mittlerweile hat sich die Arbeit für die Region ein wenig geändert. „Gegründet wurden die Almbauern aus der Not heraus in einer benachteiligten Region. Die Lebensqualität ist heute hoch, die Bildung wird immer wichtiger, genauso wie der Austausch zwischen den Ortsbauernschaften. Ich habe lernen dürfen, dass Regionsarbeit anders als Ortsarbeit ist und bin geduldiger geworden.“ Bei der Neuwahl, die heuer ansteht, stellt sich Sabina Moser noch einmal als Obfrau zur Verfügung. Quasi zum Drüberstreuen ist sie begeisterte Obfrau der Gesunden Gemeindein Bad Zell und Vorstandsmitglied im Verein Immanuel.
Ah ja, und da war ja noch der Abstecher in die Gastronomieszene: Von 2015 bis 2020 führte Sabina, zuerst mit Freunden, dann alleine, das Pub Moma’s am Bad Zeller Marktplatz. „Das hat mir viel Spaß gemacht, während Corona aber auch viel Kraft gekostet. Dadurch ist das Aufhören ein wenig leichter geworden.“ Bedeutet ihr Frauensolidarität bei all ihrem Engagement etwas? „Natürlich, Frauen arbeiten anders als Männer, ich habe mir ein gutes Netzwerk aufgebaut. Aber die Seite der Männer ist mir auch wichtig!“


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