Aufnahmestopp im Tierheim Freistadt: „Wir stoßen an unsere Grenzen“
FREISTADT. Ausgesetzte und verwahrloste Hunde und kranke Kätzchen werden in der Tierschutzstelle Freistadt wieder aufgepäppelt. Aktuell sind es so viele, dass es einen Aufnahmestopp gibt.

„Unser Tierheim ist voll, wir stoßen an unsere Grenzen und können derzeit keine Hunde und Katzen mehr aufnehmen“, sagt Leiterin Karin Binder. Mit ihren beiden Töchtern Lisa und Tamara betreut sie derzeit 250 Tiere. Gerade erst wurden innerhalb einer Woche fünf ausgesetzte Hunde aufgenommen.
Verwahrlost und ängstlich
„Zwei ausgesetzte Hunde wurden in Oberrauchenödt entdeckt, sie wurden immer wieder entlang der Straße gesichtet und reagierten panisch auf Menschen“, so Binder. „Beide Hunde hatten total verfilztes Fell und waren sehr verängstigt.“ Drei Junghunde wurden in St. Oswald entdeckt, sie wurden mit Futterfallen eingefangen. „Bei so verängstigten Tieren ist das Einfangen nicht so einfach, es hat zwei Tage gedauert, bis wir alle hatten“, schildert die Tierheim-Leiterin. „Da es natürlich Zeit braucht, bis verwahrloste Tiere wieder Vertrauen finden und wieder gesund gepflegt sind, werden sie einige Zeit bei uns bleiben. Daher wird es auch dauern, bis wir wieder Platz für neue Hunde und Katzen haben“, erklärt Binder und verweist auch auf die zahlreichen Kätzchen, die in der Tierschutzstelle abgegeben werden. „Meist werden die jungen Katzen abgegeben oder ausgesetzt, wenn sie krank sind. Da kommt dann einiges an Tierarzt-Kosten zusammen, bis alle wieder ganz gesund sind.“ Neben der Tierschutzstelle ist Familie Binder regelmäßig als Tierrettung im Einsatz und bei behördlichen Abnahmen von Tieren dabei. „Leider geht es allen Tierheimen in Oberösterreich gleich und sie sind so gut wie voll. Den Hund von der letzten Abnahme mussten wir nach Niederösterreich bringen.“
„Gut überlegen, ob man Zeit für ein Tier hat“
„Manche Besitzer können sich die Haltung der Tiere nicht mehr leisten oder merken, dass der Alltag mit einem Haustier nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt haben“, erklärt die engagierte Tierheim-Leiterin. „Gerade in der Corona-Zeit wurden Hunde und Katzen, oftmals aus dem Ausland importiert, angeschafft. Im normalen Arbeitsalltag sind die Besitzer dann aber oft überfordert. Es ist wichtig, sich gut zu überlegen, ob man überhaupt Zeit für ein Tier hat, vor allem Hunde brauchen auch Auslauf und müssen richtig abgerichtet werden“, sagt Binder. Das Tierheim Freistadt freut sich auch über Futter- und Geldspenden für die Tiere (Spendenkonto: Tierheim/Tierschutzstelle Freistadt; IBAN: AT23 3411 0000 0210 6144).
453 Verwaltungsstrafen
Auch der Tätigkeitsbericht 2023 der Tierschutzombudsstelle OÖ zeigt steigende Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren: 649 Anfragen zu Tierschutzfragen, 276 Hinweise zu möglichen Missständen, 453 eingeleitete Verwaltungsstrafverfahren. Großteils betreffen die Anfragen die Themen Zucht/Qualzucht, Hundehaltung oder Streunerkatzen. Ein steigender Trend ist bei Hinweisen auf mögliche Übertretungen des Tierschutzgesetzes zu sehen. Nach Prüfung seien 62 Hinweise an die Behörden weitergegeben worden. Die schärfste Strafsanktion, das Verbot der Tierhaltung, wurde 2023 neunmal ausgesprochen. Durch das neue Oö. Hundehaltegesetz rechnen sowohl Landesrat Michael Lindner als auch Karin Binder mit einem Anstieg von in Tierheimen abgegebenen Hunden.


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