„So war’s beim Wirt“: Geschichten aus ehemaligen Dorfwirtshäusern
WINDHAAG. In den Windhaager Wirtshäusern wurde nicht nur gegessen, gelacht und gelebt, sondern es wurden auch Zähne gezogen, Haare geschnitten oder der Baumsetzertanz durchgeführt. Diesen Erinnerungen widmet sich die Sonderausstellung „So war’s beim Wirt“ im Green Belt Center.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, alte Wirtshausgeschichten aufzuschreiben? Die Antwort ist so einfach wie passend: beim Stammtisch. Genau dort entstand der Impuls für die neue Sonderausstellung „So war’s beim Wirt“, die ab 1. Mai im Green Belt Center Windhaag zu sehen ist.
Mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement machten sich drei Frauen daran, die Wirtshauskultur der Region lebendig werden zu lassen. Leopoldine Traxler führte zahlreiche Interviews und gestaltete die Texte mit großer Leidenschaft. Johanna Leonhartsberger widmete sich intensiv der Geschichte der Brauereien, die einst eng mit den Wirtshäusern verbunden waren. Für das Zusammenführen der gesammelten Texte und Bilder zeichnete Birgit Lauss verantwortlich. Beim Aufbau der Ausstellung erhielten die drei tatkräftige Unterstützung.
Lebendige Erinnerungen
Über ein Jahr hinweg – vom ersten Besuch eines ehemaligen Wirtshauses bis zuletzt im April 2026 – wurden unzählige Gespräche mit Wirtsleuten, deren Angehörigen, Nachbarn und Gästen geführt. Dabei zeigte sich schnell, wie lebendig die Erinnerungen noch sind. „Die Idee wurde überall begeistert aufgenommen und schon bald sprudelten die Geschichten“, sagt Leopoldine Traxler.
Zwischen 1964 und 2024 haben in den Dörfern und im Markt Windhaag insgesamt zwölf Wirtshäuser geschlossen. Die Ausstellung greift deren Geschichte auf und präsentiert sie auf liebevoll gestalteten Schautafeln. Neben kurzen Hauschroniken finden sich dort persönliche Erzählungen und zahlreiche Fotos, die die damalige Zeit eindrucksvoll widerspiegeln. Ergänzt wird das Ganze durch eine detailreich nachgestellte Wirtshausszene, die Besucher dazu einlädt, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen.
Tänze und besondere Gäste
Die Bedeutung der Wirtshäuser für das gesellschaftliche Leben wird dabei besonders deutlich. „Sie waren Treffpunkt, Nachrichtenbörse und Veranstaltungsort zugleich. Hier wurde über Viehpreise diskutiert, Vereinsleben organisiert, gefeiert – und in manchen Fällen sogar improvisiert geholfen. So berichteten Zeitzeugen etwa von einem vielseitigen Gast, der in der Stube sowohl Zähne zog als auch Haare schnitt. Auch Bräuche wie der Baumsetzertanz oder der Stefanitanz mit „Steffeln“, bei dem Haferkörner geworfen wurden, sind Teil der lebendigen Erinnerungen“, erzählen Leopoldine Traxler und Birgit Lauss.
Brautradition
Ein Schwerpunkt liegt auf der Brautradition. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts existierten im Gemeindegebiet acht Brauereien, von denen sieben direkt mit einer Gastwirtschaft verbunden waren, haben die drei Frauen herausgefunden. Historische Aufzeichnungen über Biermengen und Abgaben geben spannende Einblicke in die damalige Wirtschaft. „Besonders bemerkenswert ist der Fall von Justine Krakowitzer, die Ende des 18. Jahrhunderts im späteren Gasthaus Wieser als Braumeisterin tätig war. Sie braute 1.171 Eimer Bier, für die sie 356 Gulden und 43 Kreuzer Aufschlag bezahlte“, sagt Johanna Leonhartsberger.
Überraschend war die große Anzahl an erhaltenen Fotografien, die von den Zeitzeugen zur Verfügung gestellt wurden. Sie verleihen der Ausstellung eine besondere Authentizität. Begleitend zur Ausstellung wird im Shop des Green Belt Centers eine Broschüre erhältlich sein, die alle Wirte und Brauereien zusammenfasst. Die Ausstellung wird offiziell am Sonntag, 3. Mai, um 14 Uhr, eröffnet – musikalisch umrahmt von den Minis der Feuerwehr-Musik Windhaag. Besichtigt werden kann sie vom 1. bis 31. Mai zu den Öffnungszeiten (Sonntag und Feiertag 9.30 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr).


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