Platz sieben in der WRC3 bei der Rallye Monte Carlo für Pregartner Johannes Keferböck

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Mag. Susanne  Überegger Online Redaktion, 26.01.2021 07:11 Uhr

PREGARTEN/MONTE CARLO. Schon vor der Besichtigung der Monte-Prüfungen hatte das Gawooni Racing Team immer wieder Sorgen und Rückschläge hinzunehmen: Johannes Keferböck - mit Ilka Minor auf Platz sieben der WRC3 - blickt zurück auf eine Rallye, die ganz schön viele Nerven kostete. 

Diese Rallye Monte Carlo 2021, inmitten einer kontinental tobenden Pandemie, wird vielen in Erinnerung bleiben. Schmerzlich das Fehlen des Publikums, bitter die Streichung der „Nacht der langen Messer“, und natürlich musste auch die Distanz erheblich reduziert werden. Und dennoch schwärmte Johannes Keferböck, nach 2015 zum zweiten Mal bei der Kultrallye am Start, schon am ersten der vier Wettbewerbstage: „Die Stimmung hier ist einfach einzigartig - ich kann nur jedem empfehlen, hier einmal an den Start zu gehen.“ Im vom tschechischen Keane Motorsport Team eingesetzten brandneuen Škoda Fabia Rally2 evo saß wie gewohnt Ilka Minor auf dem „heißen Sitz“.

Steiniger Weg zur Monte

Der Weg zur Monte war allerdings steinig: Weil Johannes Keferböck streng genommen vor einem Jahr, bei der Jännerrallye 2020 zuletzt „so richtig im Renntempo unterwegs“ war, wie er erklärt, war im Vorfeld der Rallye Monte Carlo ein zweitägiger Test vorgesehen. Die Covid19-Verordnungen erschwerten das Vorhaben quasi von Beginn an. So musste Oberösterreich schnell wieder abgehakt werden, weil dort ein Test unmöglich war. Doch auch Niederösterreich und Tschechien mussten schließlich „begraben“ werden, weil in jeder der angedachten Möglichkeiten sich jemand vom Team in Quarantäne hätte begeben müssen. Das Gawooni Racing Team beschloss daher, am offiziellen Test am Sonntag vor der Rallye teilzunehmen.

Schulterschluss für Fixstern Ilka Minor

Doch schon am Freitag vor diesem Test kam die nächste „Keule“: Ilka Minor wurde nach einem bei einer Auslandsreise verpflichtenden PCR-Test ein positives Testergebnis zugerechnet. Jedoch verspürte sie keinerlei Symptome, weshalb sie sich ordnungsgemäß in Selbstisolation begab und via 1450 um einen weiteren Test bat. Diese Hoffnung wurde aber gleich wieder von einem dunklen Schatten verdeckt: Selbst wenn der zweite Test negativ ausfällt, könnten die Behörden auf eine zehntägige Quarantäne bestehen, wie Ilka in Erfahrung brachte. In der Folge wandte sich Österreichs Fixstern am Himmel der Rallye-Weltmeisterschaft an Michael Fehlmann, den Generalseketär der AMF, der heimischen Motorsportbehörde Austria Motorsport - es folgte eine gemeinsame Bemühung, der sich auch das Bezirksgesundheitsamt Favoriten nicht verschließen wollte. Mit Erfolg. Ilka Minor: „Ich möchte mich noch einmal bei Michael Fehlmann und dem Bezirksgesundheitsamt sehr herzlich bedanken - da mein zweiter Test tatsächlich negativ war, konnte ich später als geplant, doch noch die Reise nach Monaco antreten.“

Gleich nach der ersten Minor„schen Coronavirushiobsbotschaft musste das Gawooni Racing Team eine Lösung finden, um auch für den drohenden Worst Case gerüstet zu sein. Johannes Keferböck erinnert sich: “Zunächst habe ich mit dem Gedanken gespielt, aufzugeben - doch das Keane Motorsports Team hat mir Mut zugesprochen, zumal es eine Lösung bei uns im Team gab.„

Denn das Team hat Franz Wittmann junior und Christina Ettel für die gerade bei der Monte so wichtige Aufgabe der “Eisspione„ engagieren können - da Christina Ettel spontan statt Ilka mit Johannes Keferböck nach Monaco fuhr, konnte sie den Test mit Johannes und auch die ersten beiden Besichtigungstage absolvieren. Johannes: “Ich möchte mich bei Christina und allen anderen im Team für ihre flexible und unkomplizierte Unterstützung bedanken.„

So konnte Johannes Keferböck zumindest 40 Testkilometer mit dem brandneuen Škoda Fabia Rally2 evo bestreiten - Ilka Minor fuhr am Dienstagmorgen mit Franz Wittmann junior nach Monaco, um dort am Abend, im Hotelzimmer, mit Christina Ettel den von ihr notierten Aufschrieb durchzuarbeiten.

Monte 2021 ganz besonders schwierig

Am Donnerstag wurde die Rallye Monte Carlo mit einem vollzähligen Gawooni Racing Team eingeläutet. Nach allem, was man schon vor dem Start der Kultrallye miterleben durfte, war es dann kein großes Drama, dass Keferböck/Minor auf beiden Prüfungen von einem angeschlagenen Konkurrenzfahrzeug aufgehalten wurden, zudem war die Strecke immer wieder vereist, weshalb Vorsicht angesagt war,

Am Freitag zeigte sich die Monte 2021 in ihrer ganzen Farbenpracht: Fünf Prüfungen über insgesamt 100 SP-Kilometer, welche quasi sämtliche möglichen Streckenbedingungen aufwiesen, die Strecken selbst zudem höchst anspruchsvoll. Selbst die erfahrene Ilka Minor musste zugeben: “Auf diese Art, mit ihren schwierigen und unberechenbaren Bedingungen habe ich die Monte nicht in Erinnerung.„ Auch der “Wettergott„ schien Johannes Keferböck “prüfen„ zu wollen, gleich am Start der SP3: “Wir konnten unserem Vordermann über die 250 Meter bis zum Abzweig zuschauen - als wir drankamen, hast du den Abzweig vom Start aus nicht mehr sehen können.„ Nach einem Beinahe-Mäuerchen-Kuss besinnt sich Johannes Keferböck - er fährt an diesem Tag ganz einfach noch nicht in seiner “Komfortzone„, muss sich nach einem Jahr Abszenz erst wieder an das Renntempo gewöhnen.

Schnee und zerfetzte Reifen 

Immer wieder hatte sich Johannes an den Tagen zuvor “richtigen Schnee„ gewünscht, wie er ihn als jahrzehntelanger “Jännerrallye only„-Pilot kennt und vor allem schätzt. Als er am Samstagmorgen hatte es tatsächlich. geschneit. Prompt gelingt dem Oberösterreicher auf der morgendlichen SP8 die fünftschnellste WRC3-Zeit. doch die drauffolgende SP10 sei noch viel mehr nach seinem Geschmack gewesen, weiß “Kefer„. Doch ausgerechnet auf dieser SP treffen Keferböck/Minor nach nur 600 Metern im einem Cut auf einen spitzen Stein, der ihnen umgehend beide Reifen der linken Fahrzeughälfte zerstört. “Zum Glück hatten wir auf zwei Ersatzräder an Bord gesetzt, sonst wäre es vorbei gewesen.„

Am letzten Tag der Rallye riskieren nur noch jene Teams, die um wichtige Platzierungen bei geringen Zeitrückständen kämpfen. Keferböck/Minor haben sich längst auf Platz sieben der WRC3 eingependelt, der Rückstand auf den Sechstplatzierten ist aus eigener Kraft heraus nicht mehr gutzumachen - weshalb man sich recht schnell dazu entschließt, den Škoda Fabia Rally2 evo sicher über die vier SP und dann die Verbindungsetappe nach Monaco zur Siegerzeremonie zu pilotieren.

Franz Wittmann junior: “Eisspion-Job ist eine Challenge„

Mit Franz Wittmann junior und Copilotin Christina Ettel hatte Johannes Keferböck prominente “Eisspione„. Diese fahren Stunden vor der Prüfung über die Strecke und notieren deren Zustand, um dann gemeinsam eine Reifenentscheidung zu treffen. Für Wittmann bedeutete das, an drei Tagen bereits um zwei Uhr das Haus zu verlassen - Franz lacht: “Ich glaube, jetzt werde ich zum Nachtmenschen. Im Ernst: Es war ein schwieriger Job, denn es war wichtig, dass Johannes in punkto Reifen immer auf der sicheren Seite fährt und er sich auf sein eigenes Fahren konzentrieren kann.„

“Am letzten Tag war das extrem schwierig. Vor allem dann, wenn sich die Strecke nach unserer Besichtigung noch daramatisch verändert hat. Aber es hat gut geklappt und ich freue mich, dass Johannes es so gut umsetzen konnte.„ Für den zweimaligen Monaco-Teilnehmer war es “die schwierigste Monte, die ich gesehen habe - bei dermaßen extremen Bedingungen bekomme ich sogar einen kleinen Comeback-Impuls, den ich sogleich mit einem Paragleiterflug abbauen werde.„

“Man konnte das Flair einatmen„

Alles in allem blickt Johannes Keferböck auf eine ihn bereits Wochen davor “prüfende„ Rallye Monte Carlo 2021 zurück: “Der abgesagte Zweitagestest hat uns zwei Tage gekostet, die ich letztendlich im Bewerb benötigt habe, um mich wieder warmzufahren. Auf das Zeitenservice mussten wir gar nicht mehr schauen - es ging uns darum, das Auto sicher ins Ziel zu bringen. Es war wegen der Pandemie eine ganz besondere Ausgabe der Monte - auf den Strecken hatten wir fast keine Zuseher, was mir sehr leid für die Fans dieses großartigen Sports tut. Auf den Verbindungsetappen konnte man das Flair dieser weltberühmten Rallye förmlich einatmen, Polizisten haben die Autos fotografiert. Ich möchte mich bei all unseren Sponsoren bedanken und auch meiner Familie mit den zwei Kindern, sowie speziell meiner Frau dafür danken, dass sie mir immer wieder den Rücken frei hält. Ein ganz spezieller Dank ergeht an Christina, die einstweilen eingesprungen ist, als noch nicht klar war, ob Ilka nachkommen wird können. Ilka und ich sind schon ein dermaßen gut eingespieltes Team, dass ich nur schwer auf sie verzichten könnte. Ihr möchte ich an dieser Stelle meinen ganz besonderen Dank aussprechen.„

 

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