"Wir müssen Lehrlinge in der Region halten"
BEZIRK FREISTADT. Trotz Arbeitslosigkeitszahlen, die unter dem Österreich-Durchschnitt liegen, macht der Wirtschaftskammer (WKO) Freistadt der Berufsnachwuchs Sorgen. Eine Reihe von Maßnahmen sowie Aufklärungsarbeit soll Lehrlinge in der Region halten.

Allein im vergangenen Jahr haben 20 Betriebe die Lehrausbildung aufgegeben beziehungsweise mussten sie aufgeben. Das entspricht einem Rückgang von 7,5 Prozent bei den Ausbildungsbetrieben. Um mehr als das Doppelte reduzierte sich mit 15,5 Prozent allerdings die Zahl der Lehrlinge im Bezirk. Warum die Auszubildenden nicht gerne einen Ausbildungsbetrieb in der Region suchen, hat Melanie Pirklbauer in einer Umfrage untersucht. Überraschend war dabei das Ergebnis, dass viele Lehrlinge angaben, keinen passenden Lehrbetrieb im Bezirk gefunden zu haben. Dass die Mühlviertler nach wie vor pendler-resistent sind, zeigte eine andere Fragestellung. 42 Prozent der Befragten gaben an, eine einmalige Wegstrecke von 40 bis 59 Kilometer täglich zu absolvieren. Dabei sind 65 Prozent auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Hier zeige sich ein gravierendes Problem, sprechen WKO-Obfrau Gabriele Lackner-Strauss und WKO-Leiter Dietmar Wolfsegger an: „Die Busverbindungen nach Linz sind meistens sehr gut ausgebaut, aber wenn ein Grünbacher Lehrling in St. Leonhard seinen Lehrbetrieb hat, wird sich keine öffentliche Verbindung finden.“ Das bestätigte auch die Umfrage, in der 38 Prozent der Befragten sagten, dass kürzere Arbeitswege und bessere Verkehrsanbindungen den Bezirk als Arbeitsraum attraktiver machen würden.
Die Wirtschaftskammer setzt deswegen seit vielen Jahren Schwerpunkte zum Thema Schule&Beruf. Die Job Tour Freistadt feiert heuer das zehnjährige Jubiläum, eine Info-Messe, Impulsvorträge und die neue JOB/UP Lehrlingsakademie Mühlviertel soll die Auszubildenden noch besser über Berufschancen in der Region informieren.
Die Ergebnisse der Lehrlingsbefragung geben zahlreiche Anhaltspunkte für neue Schwerpunktaktivitäten, die in Hinkunft die Region Freistadt für Jugendliche bei ihrer beruflichen Weichenstellung interessanter gestalten soll. Dietmar Wolfsegger denkt hier an ein sehr breites Spektrum an Maßnahmen: Die hohe Lebensqualität in der Region muss stärker bewusst gemacht werden. Allfällige Lücken im Freizeitangebot müssen erforscht werden. Schlechte öffentliche Verkehrsverbindungen stellen häufig einen Hinderungsgrund dar, dass regional Lehrverhältnisse zustande kommen. Oft wären nur etwa zehn Kilometer vom Wohnort zum Lehrplatz zu überwinden — aber wie soll der Weg bewältigt werden? Da nimmt man dann eher täglich zwei Stunden im Bus nach Linz und retour in Kauf. Die regionale Mobilitätsangebote sind also zu verbessern. Das Angebot an regionalen Lehrstellen und die Karriere-möglichkeiten sind noch immer zu wenig bekannt, vor al-lem auch bei den Eltern. Warum soll eine Lehre in einem Großbetrieb interessanter sein? Die Vorteile einer Lehre in einem Klein- oder Mittel-betrieb müssen also den jungen Leuten und ihren Angehörigen noch deutlich stärker kommuniziert werden. Auch wenn Mühlviertler offenbar schon als geduldige Pendler geboren werden, müssen ihnen de Nachteile des Pendelns noch stärker bewusst gemacht werden. Den Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplatz in der Nähe zu haben, verspricht mehr persönliche Freizeit statt Fahrzeit. Weniger Fahrkosten und Ausgaben für den Weg zur Arbeit bedeu-ten auch mehr finanziellen Spielraum für jeden einzelnen. Betriebserkundungen durch Schulklassen in regionalen Unternehmen sollen forciert werden. Regionale Lehrbetriebe müssen ihr Employer Branding verstärken und sie müssen in der Lehrlingsakquisition noch schneller und effizienter werden.


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