Heimatgemeinde ade: Wenn die Jungen sich in die Stadt flüchten
BEZIRK FREISTADT. In Oberösterreich gibt es viele starke Gemeinden und Regionen. Doch gerade im Bezirk Freistadt ist Landflucht ein großes Thema. 14 der insgesamt 27 Gemeinden haben mit der Abwanderung ihrer Bürger zu kämpfen – manche mehr, manche weniger. Aber es gibt auch Gemeinden, die deutlich gewachsen sind.

Das bessere Job-, Bildungs- und Infrastrukturangebot zieht viele Leute vom Land in die Stadt. Trauriger Spitzenreiter in punkto Abwanderung ist die Gemeinde Liebenau – und das schon seit vielen Jahren. Um 126 Einwohner ist die Gemeinde in den Jahren zwischen 2010 und 2016 geschrumpft (kumuliert, siehe Grafik auf Seite 3, Anm.). Im Jahr 1934 hatte Liebenau noch 2496 Einwohner, 2017 waren es um 904 Gemeindebürger weniger.
Bürgermeister in Rage
Wenn es um das Thema „Landflucht“ geht, kann sich Liebenaus Bürgermeister Erich Punz (SP) richtig in Rage reden: „Die Verantwortlichen des Landes Oberösterreich reden immer davon, dass der ländliche Raum unterstützt werden muss. Aber mit Maßnahmen wie der Finanzierung neu erreicht man das Gegenteil, der ländliche Raum wird noch weiter ausgedünnt.“
„Finanzierung neu belastet“
Punz nennt auch Beispiele: „Wenn etwa im Güterwegebaubereich weniger Mittel zur Verfügung stehen, wirkt sich das auf die Erschließung der Objekte aus. Ode: Durch die Finanzierung neu werden wir gezwungen, im Winterdienst zu sparen. Wenn der erste Bus um halb fünf in der Früh fährt, der Winterdienst aber erst um sechs Uhr ausrücken darf – das ist doch wider jede Vernunft! Den Nachteil haben die Liebenauer.“
Punz übt Kritik
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Wohnbauförderung: „Wie soll ich einem Liebenauer mit der durchschnittlichen Kaufkraft von 80 Prozent erklären, dass ein Quadratmeter Nutzfläche im sozialen Wohnbau in unserer Gemeinde dasselbe kostet wie im Steyrer Raum, wo die durchschnittliche Kaufkraft bei 140 Prozent liegt? Und dass er zusätzlich noch pendeln muss?“, wundert es Erich Punz nicht, dass viele Liebenauer ihren Wohnsitz in den Zentralraum verlegen.
„Die jungen Leute in der Gemeinde halten, dass würde gelingen, wenn Liebenau mehr Arbeitsplätze hätte und die Voraussetzungen in punkto Wohnraum und Infrastruktur besser wären“, nimmt Punz die Landesregierung in die Pflicht.
Pregarten: Das Glück der guten geografischen Lage
Sorgen dieser Art hat Bürgermeister-Kollege Anton Scheuwimmer (VP) aus Pregarten nicht. Seine Gemeinde zählt gleich nach Freistadt zu den Zuwanderungs-Gewinnern. Um 235 Einwohner ist die Gemeinde in den Jahren zwischen 2010 und 2016 gewachsen und hat aktuell 5320 Bürger (Hauptwohnsitze).
Bürgermeister Scheuwimmer führt die beachtliche Zuwanderung auf die Summe aus „der glücklichen geografischen Lage und das vorausschauende Arbeiten an der Infrastruktur“ zurück.
„Wir haben das große Glück, nahe am Zentralraum zu liegen und trotzdem eine ländliche Gemeinde zu sein. Von den guten Verkehrsanbindungen, ob Schiene oder Straße, profitiert die Gemeinde natürlich ebenfalls.“
Infrastruktur zählt
„Andererseits haben wir eine sehr gute Infrastrukur in Pregarten geschaffen, angefangen bei verschiedenen Kinderbetreuungseinrichtungen bis hin zu unterschiedlichen Wohnformen für Senioren.“Sehr gute Infrastruktur „Wir haben das Kulturzentrum Bruckmühle, drei große Sportvereine, ein Hallen- und ein Freibad, viele Ärzte verschiedener Fachrichtungen im Zentrum, eine Apotheke und – trotz einiger Leerstände – einen guten Branchenmix bei den Geschäften am und rund um den Stadtplatz.“
Dazu kommt, dass „Pregarten bis Mitte 2020 rund 230 Wohnungen in den letzten drei Jahren übergeben haben wird. Der genossenschaftliche Wohnbau boomt“, weiß Scheuwimmer.
Eine Besonderheit ist, dass Pregarten selbst nicht mit übermäßig vielen Arbeitsplätzen gesegnet ist, aber trotzdem viele Einwohner hat. Denn der Großteil pendelt ins nahe Linz aus.
Bedauern für die nördlichen Gemeinden
Die dezentralen nördlichen Gemeinden im Bezirk, die mit der Anwanderung zu kämpfen haben, bedauert Scheuwimmer: „Die sind tüchtig, bemühen sich alle und es gelingt trotzdem nicht, die Leute zu halten.“
„Ein gutes Kinderbetreuungsangebot ist das Um und Auf“
Die Gemeinde Rainbach sticht in der Zu- und Abwanderungsstatistik – obwohl nördlich von Freistadt gelegen – ebenfalls positiv hervor.
Bürgermeister Friedrich Stockinger, er ist auch Obmann der Inkoba Region Freistadt, führt dies auf Folgendes zurück: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr bemüht, attraktive Baugründe für Jungfamilien zu schaffen. Auch von der Nähe zu Freistadt, der guten Verkehrsanbindung durch die S10 und die Betriebe im Inkoba-Gebiet profitiert unsere Gemeinde.“
Außerdem würden die Familien das umfangreiche Kinderbetreuungsangebot in Rainbach zu schätzen wissen. „Eine gute Kinderbetreuung ist das Um und Auf. Als 3000-Einwohner-Gemeinde können wir uns diese aber auch leisten.“ In Rainbach sind von 1. Jänner 2017 bis Ende Februar 2018 45 Kinder geboren worden.


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