Bauernkammerobmann Josef "Pepi" Mühlbachler mit stehenden Ovationen verabschiedet
HAGENBERG/LIEBENAU/BAD ZELL. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Ortsbauernobmänner des Bezirks Freistadt bei ihrer konstituierenden Konferenz im ABZ Hagenberg Josef „Pepi“ Mühlbachler. Der Liebenauer hatte fast 20 Jahre lang die Funktion des Bezirksbauernkammerobmannes bekleidet. Einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt wurde Martin Moser (51) aus Bad Zell. Seine Stellvertreterin wird Andrea Rauch aus Neumarkt sein.

„Pepi Mühlbachler hat seit seiner Wahl am 28. Juni 2002 fast zwei Jahrzehnte die Kammerarbeit und eine ganze Funktionärsgeneration geprägt“, würdigte der neugewählte Obmann der Bezirksbauernkammer Freistadt seinen Vorgänger. Mühlbachler, der damals dem „Kellerbauer“ Herbert Köppl nachfolgte, ließ in seiner Abschiedsrede seine Funktionszeit Revue passieren. „Kurz nach meiner Wahl ist schon das Hochwasser im August 2002 gekommen - wir sind nicht zu Hause geblieben, wir waren draußen unterwegs - das haben die Leute geschätzt.“ Ein Jahr darauf beschäftigte bereits wieder eine Dürre den Bauernkammerobmann, es folgten die ungeliebten Natura 2000-Bestimmungen und die Gasleitung von Rainbach nach Bad Leonfelden. Weitere Meilensteine der Kammerarbeit waren der Bau der S 10 und der 110 KV-Leitung - und natürlich die sehr erfolgreiche Tätigkeit für die Leader-Region Mühlviertler Alm, in deren Rahmen viele Fördermittel abgeholt worden sind. Besonders freut den Molkereifunktionär Mühlbachler heute noch, dass es ihm und seinen Mitstreitern gelungen ist, den Negativtrend in der Milchviehhaltung umzukehren. „Es ist uns im Bezirk durch gute Beratung gelungen, die Milchproduktion wieder anzukurbeln.“
Kammerfusion ein Erfolgsprojekt
Stolz zeigte sich der scheidende Obmann auf die gelungene Zusammenlegung der Bezirksbauernkammern (BBK) Freistadt und Perg am Standort Hagenberg. „Die Basis dafür haben auch unsere guten Mitarbeiter gelegt“, lobte der Liebenauer. „Viele Bauern waren zuerst skeptisch, aber ich wollte unbedingt verhindern, dass unsere Leute nach Linz zur Beratung fahren müssen. Jetzt wird die BBK in Hagenberg sensationell gut angenommen.“ Froh ist Mühlbachler auch über die Synergieeffekte mit dem Agrarbildungszentrum Hagenberg. Zum Abschluss bedankte er sich bei seiner Frau Regina für die Unterstützung (“Du hast mir all die Jahre den Rücken freigehalten!“) und bei allen bäuerlichen Funktionären: „Es kommen immer wieder herausfordernde Jahre auf die Landwirtschaft zu. Gehen wir den Weg gemeinsam, behalten wir uns die Wertschätzung füreinander. Danke an alle, die sich für die Bauern einbringen. Ihr werdet gehört!“
Erfahrener Funktionär
Der neue Kammerobmann Martin Moser blickt bereits auf etliche Jahre als Funktionär in bäuerlichen und politischen Ämtern zurück. Er ist Vizebürgermeister von Bad Zell, Obmann des Naturparks Mühlviertel und war seit Oktober 2020 auch Pepi Mühlbachlers Stellvertreter an der Spitze der Bezirksbauernkammer. Der 51-jährige gelernte Maschinenschlosser ist seit 30 Jahren mit Sabina Moser, der Obfrau der Mühlviertler Alm Bauern, verheiratet. Gemeinsam haben sie drei erwachsene Söhne. Auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb liegt der Schwerpunkt auf Stiermast und Ackerbau.
„Bauern sind systemrelevant“
„Ich bin kein Lauter, aber ich stehe für Entschlossenheit und Willensstärke“, so Moser nach seiner Wahl. „Als Mensch, aber auch als Politiker sind mir Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und Handschlagqualität besonders wichtig“, sagt der neue BBK-Obmann. „Ich setze auf Kommunikation. Für mich stehen wertschätzende Gespräche, Verhandlungen und Kompromissbereitschaft im Vordergrund.“ Als Schwerpunkte seiner Arbeit nannte Martin Moser unter anderem die Rolle der Bauern als Unternehmer, den Naturschutz und die durch die Pandemie ohnehin schon gestiegene Bedeutung von regionalen Lebensmitteln. „Wir Bauern sind systemrelevant, und die Konsumenten entdecken immer mehr die Bedeutung der Regionalität.“
Vermarktungs-Plattformen
Viele Hofläden, Broschüren, Vermarktungsplattformen und Apps – wie beispielsweise die App der Mühlviertler Kernlandbauern – im Netz seien in der Corona-Zeit entstanden. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Freistadt hat die Bezirksbauernkammer die Initiative regionleben.at entwickelt. Der neue BBK-Obmann forderte in diesem Zusammenhang ich die rasche Umsetzung der Herkunftskennzeichnung bei den Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier. Auch für die extensive Rinderhaltung, wie die im Bezirk Freistadt häufig betriebene Mutterkuhhaltung, forderte Moser Unterstützung und einen Schulterschluss der Bauernschaft mit Handel und Gastronomie. Mehr Tierwohl sei im Sinne der Bauern, ohne Gegenleistung durch die Gesellschaft könne es dieses jedoch nicht geben.
Lösungen für Naturschutz und Tourismus
Lösungen forderte Moser im Bereich Naturschutz nicht nur für den Umgang mit Wölfen und Bibern. „Diese dürfen Entnahmen nicht ausschließen.“ Er plädierte auch dafür, Naturschutzmaßnahmen nur im Einvernehmen mit den Grundbesitzern durchzuführen. Das gleiche gilt auch für den Tourismus: „Es kann nicht sein, dass wir Bauern unseren Grund für Sport- und Freizeitaktivitäten zur Verfügung stellen müssen.“ Als Ziel für seine zukünftige Arbeit nannte Martin Moser, sich für alle Betriebs- und Wirtschaftsformen gleichermaßen einzusetzen. „Es soll für alle Bauern möglich sein, ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften.“


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