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Online Redaktion, 02.09.2022 17:33

BEZIRK FREISTADT. Die INKOBA und die Mühlviertler Schnellstraße S 10 haben sich als Turbo für die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung im Bezirk Freistadt erwiesen. Jetzt steht man vor der Herausforderung, für Gründer und erweiterungswillige Unternehmen im Bezirk noch einigermaßen Betriebsbauflächen zu finden

Josef Naderer, Josef Lindner, Günter Lorenz und Christian Naderer (Foto: WKO Freistadt)
Josef Naderer, Josef Lindner, Günter Lorenz und Christian Naderer (Foto: WKO Freistadt)

Die WKO Freistadt und die Bürgermeister im Bezirk sind sich klar, dass es da zeitnah Lösungen braucht, um nicht wirtschaftlich eine Bremsung hinzulegen. „Leider nein. Diese Antwort hören investitionsbereite Personen immer öfter auf ihre Frage nach einem geeigneten Betriebsbaugrund“, bedauert WKO-Obmann Christian Naderer die Absagen an interessierte Holzverarbeiter, Erdbaubetriebe, Kfz-Werkstätten, Lebensmittelproduzenten, Bauhandwerksbetriebe, Händler mit Spezialprodukten und vieles mehr.

Gutau: Erweiterungen gescheitert

Diese Beispiele für gescheiterte Betriebserweiterungen und -neugründungen mangels Baugrunds erfüllen nicht nur die Wirtschaftsvertretung mit Sorge. Auch die Bürgermeister sind betroffen. So scheiterte beispielsweise der Gutauer Bürgermeister in seinem Bemühen, in seiner Gemeinde für Unternehmen Erweiterungs- bzw. neue Betriebsbauflächen anzubieten, immer wieder an der Raumordnung, deren engen gesetzlichen Bestimmungen oder der Auslegung.

Kritik an Landschaftsschutz

WKO-Obmann Naderer kritisiert nicht nachvollziehbare negative Sachverständigen-Begutachtungen und überstrapazierten Landschaftsschutz: „Dadurch werden Investoren in andere Regionen vertrieben und die wirtschaftlichen Perspektiven im Bezirk Freistadt gefährdet.“ Die WKO hat sich deshalb mit einem Team aus den Reihen der Bürgermeister zu dieser prekären Situation beraten, und man ist sich einig: Da muss sich etwas ändern. Vor allem muss und will man in der Region in vertretbarem Ausmaß neue Flächen für betriebliche Erweiterungen und Gründungen mit Regionalbezug anbieten können.

Aktuellen Erhebungen der WKO Freistadt bei den Gemeinden zufolge weist der Bezirk Freistadt mit zirka 245 Hektar Betriebsbaugebiet nur einen Oberösterreich-Anteil von 2,9 Prozent auf. Bei den Reserven, also unbebautem Betriebsbaugebiet, liegt der Anteil gar nur bei 1,3 Prozent der landesweiten Reserven. „Diese Werte liegen leider weit unter jenem Anteil, der der Wirtschaftskraft des Bezirks von knapp 5 Prozent entsprechen würde“, stellt Naderer in Relation. „Wenn manchmal argumentiert wird, Brachflächen, also leerstende Betriebsgebäude, sollten vorrangig verwertet werden, so muss auch dazu klargestellt werden: Erstens existieren im Bezirk Freistadt nur wenige solcher Betriebsgebäude. Zweitens sind sie meist relativ klein und liegen in Ortszentren. Damit sind sie für moderne Produktionsbetriebe so gut wie nie geeignet“, heißt es von der WKO.

„Mehr Spielraum für neue Betriebsbauflächen“

Für die WKO Freistadt und die Gemeinden steht fest: „Wir müssen bei der Raumordnung mehr Spielraum für neue Betriebsbauflächen schaffen. Ziel ist nicht die Bereitstellung von Hunderten Hektar, sondern ein maßvolles und nachhaltiges Planen, Sichern und Ermöglichen von künftigen betrieblichen Bebauungen. Das sind wir auch unseren Kindern schuldig, die auch künftig in einem wirtschaftlich erfolgreichen Raum leben können sollen“, fasst Christian Naderer zusammen.

Gemeinden und die WKO haben deshalb unter Einbeziehung des Verbands INKOBA Region Freistadt eine Steuerungsgruppe beauftragt, ein Konzept zur Lösung des Engpasses für die nächsten 15 Jahre, aber auch Langfristperspektiven auszuarbeiten. Zu klären ist dabei unter anderem, wie viele und welche Flächen im Bezirk überhaupt noch für Betriebsbaugebiete geeignet sind, wie viele neue Betriebsbauflächen für welche Branchen benötigt werden und wie diese aktiviert und langfristig gesichert werden können. Auch Kriterien für die nachhaltige Entwicklung neuer Betriebsbauflächen sind ein Thema. Entscheidend ist für alle Beteiligten, einen wirtschaftlichen Stillstand am Land und eine totale Konzentration von Unternehmen auf zentrale Räume mit massiven Auswirkungen für den ländlichen Raum zu verhindern. Bei allem Bekenntnis zum Schutz der Natur darf nicht passieren, dass die Region Freistadt zur ökologischen Ausgleichsfläche für große Betriebsbauflächen im Zentralraum und anderen oö. Bezirken wird.

Bürgermeister Josef Lindner, Gutau: „In der Gemeinde Gutau gibt es engagierte Klein- und Mittelbetriebe. Die Flächenwidmung ermöglicht bei zwei Betrieben konkret keine Erweiterung, die dringend nötig ist. Das Ziel ist es daher, die regionalen Arbeitsplätze zu sichern und die Betriebe im Inkobagebiet zu halten. Inkoba ist eine Erfolgsgeschichte und zusätzlich wird ein Beitrag zur CO2-Vermeidung durch reduzierte Pendlerwege geschaffen. Durch die Schaffung gemeinsamer Infrastrukturen für Betriebsbaugebiete kommt es zu einem reduzierten Flächenverbrauch. Somit eine Win-Winsituation für Betriebsentwicklung, Arbeitsplatzsicherheit und Klimaschutz.“

Bürgermeister Günter Lorenz, Rainbach i. Mkr., Obmann der INKOBA Region Freistadt: „Damit unser Bezirk für alle Betriebsgrößen attraktiv bleibt ist es wichtig auch kleinere Betriebsflächen anbieten zu können. Nur so können wir auch den eingesessenen Betrieben die Möglichkeiten geben ihre Unternehmen in eine gute Zukunft führen zu können. Arbeitsplätze in der Region werden immer beliebter und wir sind froh über die vielen tüchtigen Unternehmer in der gesamten Region.“

Josef Naderer, Bürgermeister Tragwein: „Gerne möchten wir in den Gemeinden unseren Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten bieten, dadurch auch gleichzeitig beitragen, dass Pendlerstrecken für die Arbeitnehmer kurz gehalten werden. Seit der Gründung der INKOBA wird im gesamten Bezirk Freistadt auf gute regionale Lösungen gesetzt. Was mit großen Flächen bereits funktioniert, soll auch für kleinere und mittlere Betriebsbaugebiete möglich werden. Hier braucht es auch die Mithilfe der Raumordnung und das Bekenntnis zu betrieblichen Entwicklungen im ländlichen Raum.“


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