Vielen Unternehmen im Bezirk Freistadt fehlen Arbeitskräfte und Lehrlinge
BEZIRK FREISTADT. „Vertriebene aus der Ukraine beeinflussen zwar die Arbeitslosenquote, ändern aber nichts am Arbeitskräftemangel“, sagt Freistadts AMS-Chef Alois Rudlstorfer. Hunderte Stellen im Bezirk Freistadt sind offen.

Seit Mitte April haben Vertriebene aus der Ukraine freien Zugang zum Österreichischen Arbeitsmarkt und brauchen daher keinerlei Bewilligung mehr, um in Österreich legal zu arbeiten. Ab diesem Zeitpunkt zählen sie auch in der Arbeitslosen-Statistik. „Derzeit sind 120 aus der Ukraine vertriebene Personen bei uns vorgemerkt. 49 von ihnen besuchen gerade einen Deutschkurs, um danach bessere Chancen auf dem Österreichischen Arbeitsmarkt zu haben“, sagt AMS Freistadt-Leiter Alois Rudlstorfer.
Freistadt hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten Österreichs
Insgesamt sind Ende April 706 Personen (341 Frauen/365 Männer) beim AMS Freistadt arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 90 Personen gegenüber April 2022. „Die Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent ist trotzdem noch immer eine der niedrigsten in ganz Österreich. Der extreme Arbeitskräftemangel wird uns daher weiterhin begleiten“, sagt Rudlstorfer.
Arbeitskräftebedarf ist hoch: fast 700 offene Stellen
Auch, wenn die Anzahl der offenen Stellen im Jahresvergleich zurückgeht, ist der Bedarf an Arbeitskräften in den Freistädter Unternehmen weiterhin sehr groß. Die Freistädter Unternehmen suchen derzeit für 692 offene Stellen passende Arbeitskräfte.
„Wir tun alles dafür, möglichst rasch passende Personen, für diese Arbeitsplätze zu finden,“ sagt Rudlstorfer. Da optimal passende Mitarbeiter unter den Arbeitsuchenden derzeit nur eingeschränkt vorhanden sind, werde das immer schwieriger.
„Unternehmen sollten daher ihren Blick auch auf Arbeitsuchende richten, die auf den ersten Blick nicht gleich passend erscheinen. Unternehmen die überprüfen wollen, in wie weit eine Person ins Unternehmen passt bzw. entsprechende Kenntnisse mitbringt, unterstützt das AMS mit der Möglichkeit einer Arbeitserprobung. Fehlen wichtige Qualifikationen, können wir die Ausbildungskosten übernehmen oder auch eine Arbeitsplatznahe Qualifizierung im Unternehmen finanziell unterstützen“, sagt Freistadts AMS Chef.
Die meisten offenen Stellen gibt es in technischen Berufen
Die meisten offenen Stellen gibt es derzeit in technischen Berufen (101), im Handel (88), in Metall- und Elektroberufen (82), in Büroberufen (78), in den Gesundheitsberufen (58), in den Fremdenverkehrsberufen (55), in den Bauberufen (43), in den Verkehrsberufen (35), für Reinigungsarbeiten (30) und in den Holzverarbeitenden Berufen (25
Lehrstellenmarkt
204 offen Lehrstellen sind derzeit von den Freistädter Unternehmen beim AMS gemeldet. 50 davon sind ab sofort besetzbar, die restlichen ab dem kommenden Sommer. Dem gegenüber stehen 97 Lehrstellensuchende – 78 davon besuchen derzeit noch das letzte Jahr der Pflichtschule und können daher frühestens ab Juli eine Lehrausbildung beginnen.
Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, wie gefragt Jugendliche, die eine Lehrausbildung machen wollen, derzeit sind. „Klar ist schon jetzt, dass auch heuer kaum ein Unternehmen Lehrlinge in der gewünschten Anzahl bekommen wird. Die Tatsache, dass gut die Hälfte der Lehrlinge erfahrungsgemäß ihre Ausbildung außerhalb des Bezirks starten, verschärft die Situation zusätzlich“, so Rudlstorfer.
Eltern sind gefragt
„Ich appelliere alle Jugendlichen und ihre Eltern, die ja auch maßgeblich für die Wahl des Lehrplatzes verantwortliche sind, sich immer zuerst das Lehrplatzangebot im Bezirk anzusehen. Lange Pendelzeiten in den Zentralraum und die Fahrtkosten können so auf Dauer eingespart werden“, rät Rudlstorfer
Aber auch Unternehmen fordert er auf, das gesamte Potential der Lehrstellensuchenden im Auge zu behalten. Auch Jugendliche mit gesundheitlichen Einschränkungen oder schulischen Schwächen können in der Ausbildung bzw. im Beruf erfolgreich sein. „Bei der Aufnahme von, auf dem Arbeitsmarkt benachteiligten Lehrlingen (gesundheitliche Einschränkung, schlechtes Zeugnis) unterstützen wir gerne mit einer Lehrstellenförderung“, sagt Rudlstorfer.
Lehrlingsbedarf in Fremdenverkehrsberufen besonders hoch
Die meisten offenen Lehrstellen gibt es momentan in den Fremdenverkehrsberufen (47), im Handel (41), in den Metall- und Elektroberufen (37), in den Bauberufen (23), in den holzverarbeitenden Berufen (16) und in den Büroberufen (12).


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