Pregarten: Härteausgleich, Projekt Wasserversorgung und Klimainsel
PREGARTEN. Bürgermeister Fritz Robeischl erzählt im Tips-Interview von aktuellen Projekten und finanziellen Herausforderungen.

Tips: Viele Gemeinden in OÖ können ihren Haushalt nicht mehr ausgleichen. Wie geht man in der Stadt mit den aktuellen Herausforderungen um?
Bgm. Fritz Robeischl: Auch die Stadtgemeinde Pregarten befindet sich in einer herausfordernden finanziellen Lage. Anders als noch 2022 können wir aktuell unseren Haushalt nicht mehr ausgleichen. Als Härteausgleichsgemeinde sind wir somit auf die Zuteilung von Bedarfszuweisungsmitteln angewiesen. Diese Finanzsituation bedeutet, dass wir investive Projekte sowie die Instandhaltung der Gebäude und der Infrastruktur gut priorisieren müssen. Neue Vorhaben können nur in Angriff genommen werden, wenn ausreichend Eigenmittel zur Verfügung stehen. Da diese Mittel jedoch nur in sehr begrenztem Umfang angespart werden können, schränkt das unseren Handlungsspielraum deutlich ein. Wie schon bei der Stadtplatzgestaltung nutzen wir alle Fördermöglichkeiten, die sich bieten.
Tips: Welche Projekte stehen aktuell und in nächster Zeit auf dem Programm?
Bgm. Robeischl: Wir schließen gerade ein großes Infrastrukturprojekt ab. In den vergangenen Jahren haben wir sehr stark in die Wasserversorgung, insbesondere in unsere Zonenmessung investiert. Das Gemeindegebiet ist nun in zehn Messzonen mit 14 Messstandorten aufgeteilt. Dadurch können wir Wasserverluste in kürzester Zeit feststellen und lokalisieren. Erfreulicherweise haben wir die Wasserverluste mit rund vier Prozent aktuell sehr gut im Griff. Zusätzlich erneuern wir aktuell auch die Transportwasserleitung von unserem Hochbehälter ins Siedlungsgebiet. Im neuen Haidfeld und am Sonnberg sind die Straßenbauarbeiten nach umfangreichen Leitungssanierungen voll im Gange und in Silberbach Ost schließen wir heuer die Straßenbauarbeiten ab.
Die 60 Jahre alten Fenster des Stadtamts werden heuer durch zeitgemäße Fenster ersetzt. Dadurch erwarten wir uns deutliche Energieeinsparungen. Wir setzen dazu Mittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm ein. Bei der „Klimainsel Riesenederpark“ werden wir heuer eine 2.400 m² große Fläche als Parkanlage gestalten. Dazu wird die Fläche entsiegelt und bepflanzt. Zusätzlich leiten wir Dachwässer aus dem angrenzenden Wohngebäude auf das Grundstück. Dieses wird von einem wasserhaltenden Substrat für längere Zeiträume gespeichert und den Bäumen und Sträuchern zur Verfügung gestellt. Positiver Nebeneffekt ist, dass wir dadurch den öffentlichen Mischwasserkanal deutlich entlasten und für eine Kühlung der Umgebung sorgen. Für das Projekt haben beim Klima- und Energiefonds um eine Förderung angesucht.
Der Neubau der Kinderbildungs-und-betreuungseinrichtung in Grünbichl ist abgeschlossen und die Kinder haben sich bereits wunderbar eingelebt. Durch den stark ansteigenden Bedarf an Krabbelstubenplätzen, wird die geplante Kindergartengruppe zu einer Krabbelstubengruppe umgebaut. Somit werden die Krabbelstuben in Pregarten von vier auf sechs Gruppen ausgebaut. Die Dienststelle des Roten Kreuzes wird in diesem Sommer fertiggestellt und im Herbst mit einem großen Fest und einem Wettbewerb feierlich eröffnet. Bei der Feuerwehr Pregartsdorf besteht Bedarf nach einer Erweiterung des aktuellen Feuerwehrhauses. Gespräche für einen Grundkauf, der für die Erweiterung notwendig ist, werden bereits geführt. Aufgrund der finanziellen Situation kann jedoch noch kein genauer Termin für die Umsetzung des Neubaus genannt werden. Das geplante Katastrophenschutzmittellager bei der Freiwilligen Feuerwehr Pregarten soll noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden. Die hochbautechnische Prüfung befindet sich derzeit in Bearbeitung. Die finale Entscheidung über den Finanzierungsplan soll im Juni vom Gemeinderat beschlossen werden.
Tips: Wie sieht es derzeit mit Bauland und verfügbaren Wohnungen in der Stadt aus?
Bgm. Robeischl: In der Stadtgemeinde Pregarten gibt es eine hohe Nachfrage an Bauland. Wir legen Wert darauf, dass es ein kontrolliertes Bevölkerungswachstum gibt. Aktuell werden einige Bauvorhaben umgesetzt, wobei diese Grundstücke schon seit längerer Zeit gewidmet waren. Neue Baulandwidmungen können nur mit einer besonderen Begründung und unter der Bedingung vergeben werden, dass die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Grundsätzlich hat die Gemeinde das räumliche Leitbild für die weitere Ausrichtung der Entwicklung der Stadt voriges Jahr beschlossen und die Überarbeitung des örtlichen Entwicklungskonzepts und des Flächenwidmungsplans befindet sich im Finale. Damit sind die Grenzen der Siedlungsentwicklung vorerst abgesteckt und man will sich in Pregarten nicht unbegrenzt ins Grünland hinaus entwickeln. Wir wollen eine Siedlungsentwicklung mit „Maß und Ziel“ und unsere Grünräume schützen. Dazu haben wir in der Region Untere Feldaist mit unseren engsten Nachbargemeinden auch eine Freiflächenstrategie entwickelt, die die wichtigsten Grünräume definiert und wo sich die Gemeinden der Region verpflichtet haben, diese von Bebauung freizuhalten, um auch regionale Wanderströme von Tieren zu respektieren und Grüngürtel zur Sicherung der Naherholung zu garantieren.
Tips: Gibt es aktuelle Maßnahmen zum Klimaschutz bzw. um den Energieverbrauch zu reduzieren?
Bgm. Robeischl: Die bestehende Photovoltaikanlage beim Altstoffsammelzentrum wird um zusätzliche Module um ungefähr 30 kWp erweitert. Im heurigen Jahr wurden zahlreiche Bäume und Sträucher in Pregarten gepflanzt. Teilweise handelte es sich um Ersatzpflanzungen, weil die alten Bäume kaputt waren. Es wurden aber auch zahlreiche neue Bäume gepflanzt (etwa im Haidfeld und im Freibad).
Tips: Wie sehen die aktuellen Planungen zur Möglichkeit eines Betonmischwerks in Pregarten aus?
Bgm. Robeischl: Das Projekt der Firma Asamer befindet sich zur bau- und gewerberechtlichen Vorprüfung bei der Bezirkshauptmannschaft Freistadt, welche auch für die Abwicklung der Bewilligungsverfahren zuständig ist. Sobald ein Projekt eingereicht wird und es zu einem Verfahren kommt, werden wir die Interessen der Bevölkerung und der Stadtgemeinde bestmöglich vertreten.


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