„Fischaufstiege zeigen Wirkung“
GARSTEN. Großflächige Umgrabungen bestimmen seit einigen Monaten die Umgebung des Garstnerbaches: Die Ennskraftwerke AG mit Sitz in Steyr baut eine Wanderhilfe für Wasserorganismen. Tips sprach mit Projektleiter Josef Lettner.

Tips: Der Fischaufstiegsbau beim Wasserkraftwerk ist voll im Gange. Wie schreitet das Projekt voran?
Josef Lettner: Wir liegen voll im Zeitplan. Aktuell ist bereits der Einstieg im Unterwasser links des Kraftwerkes in Arbeit.
Zuletzt musste der Oldtimermarkt aufgrund baulicher Zeitverzögerungen abgesagt werden.
Es gab eine kurzfristige Verzögerung, weil wir im mittleren Abschnitt auf einen problematischen Untergrund stießen. Beim Aushub zeigte sich, dass das Bodenmaterial wesentlich schlechter war als bei der Vorerkundung festgestellt. Der Boden musste ausgewechselt und es mussten Pfähle gesetzt werden.
Der Fischaufstieg wird aus technischen und natürlichen Bereichen aufgebaut sein. Welchen Anteil haben die Abschnitte jeweils?
Das Projekt umfasst drei technische Abschnitte, mit denen wir die Höhenunterschiede überwinden: Einer befindet sich beim unterwasserseitigen Einstieg, ein weiterer im mittleren Bereich und noch einer beim Ausstieg im Oberwasser. In diesen Projektteilen finden sich jeweils 30 bis 35 kleine Becken. Zwischen den technischen Abschnitten liegen Naturpassagen. Der rund einen Kilometer lange Garstnerbach wird eingebunden und im Oberwasser gibt es ebenso einen naturnahen Abschnitt.
Beim Garstnerbach wurde intensiv abgeholzt, wie wird dieser Bereich einmal aussehen?
Der Garstnerbach wird nach ökologischen Kriterien neu ausgestaltet und renaturiert. In Abstimmung mit Experten werden breitere und schmälere bzw. tiefere Passagen geschaffen – nach dem Vorbild der Natur. Die Erdarbeiten beginnen nächste Woche.
Die Ennskraftwerke investieren rund vier Millionen Euro in das Projekt in Garsten. Anlass sollen EU-Richtlinien sein.
Die EU-Wasserrahmenrichtlinien sind der ursächliche Grund. Diese wurden in Österreich in nationales Recht übergeführt. Der nationale Gewässerbewirtschaftungsplan sieht vor, dass Querbauwerke für Wasserorganismen – nicht nur die Fische – passierbar zu machen sind.
Welche Kraftwerke kommen als Nächstes an die Reihe?
Nächstes in der Projektierungsschleife ist das Kraftwerk Staning (Haidershofen). Ende Oktober sollen die Pläne zur Genehmigung bei der Wasserrechtsbehörde eingereicht werden. Kommendes Jahr könnten dann die Bauarbeiten beginnen. Eine Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) reiht die Wichtigkeit der Durchgängigkeit der jeweiligen Kraftwerke nach ökologischen Aspekten. Dem folgend, gehören zu den nächsten Projekten an der Enns auch noch die Kraftwerke Schönau, Weyer und Rosenau. Die Kraftwerke Ternberg und Großraming mit Losenstein dazwischen sind vorerst aufgeschoben. Hier gibt es noch keine vernünftige Lösung, eine Durchgängigkeit zu schaffen.
Es gibt schon Ennskraftwerke mit Aufstiegshilfen. Was sind die Ergebnisse zur Wirksamkeit?
An der Unteren Enns – bei den KWs Enns, Thurnsdorf und Mühlrading – wurden bereits Fischaufstiege nachgerüstet. Alle drei sind nach dem gleichen Konzept errichtet, also mit natürlichen und technischen Abschnitten. Die dreijährigen Monitorings zeigen äußerst zufriedenstellende Ergebnisse. Der Huchen etwa nutzt die Aufstiegswege zu Laichgebieten im Oberlauf, im KW Thurnsdorf laicht er sogar im Naturgelände des Fischaufstiegs.
Sind sonstige ökologisierende Maßnahmen an der Enns geplant?
Besagte Studie der Boku sieht auch Uferstrukturierungsmaßnahmen vor, etwa für den Stauraum des KW Garsten und den Stauraum des KW Großraming, also im Pechgraben/Neustiftgraben. Es geht hier beispielsweise um die Schaffung von Flächen für Laich- und Jungfischhabitate. Gerade der Neustiftgraben ist ökologisch besonders wertvoll, hier ist die Nase sehr verbreitet.
Wie hoch ist das gesamte Investitionsvolumen für die Vorhaben?
Für die in den kommenden Jahren umzusetzenden Stufen – Großraming, Ternberg und Losenstein nicht mitgerechnet – liegen wir im Bereich von 25 Millionen Euro.
Gibt es dafür Förderungen?
Es gibt von der EU keine Unterstützung für diese Maßnahmen, der Fördertopf in Österreich ist aktuell leer. Bleibt abzuwarten, wie sich die Lage mit der neuen Regierung entwickelt.
Wann wird die Organismenwanderhilfe in Garsten fertig sein?
Bis Ende April 2020 soll das Projekt funktionsfähig in Betrieb gehen. Dann beginnt auch hier das Monitoring über drei Jahre.


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