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Leserartikel Online Redaktion, 13.03.2016 13:03

BEZIRK. Im Dezember 2015 erschien das Buch „Leben oder Überleben – Menschen im Waldviertel 1945“. Die Autorin Brigitte Kaiser hat Zeitzeugen im Waldviertel besucht und ihre Erinnerungen aufgeschrieben. Ein interessantes und berührendes Buch ist entstanden.
von ERICH SCHACHERL

Im März 2015 hat der im oberösterreichischen Ranshofen ansässige Verlag „edition ennsalz“ verlautbart, für ein Buchprojekt Zeitzeugen aus dem Waldviertel zu suchen (Tips berichtete). „Es soll ein außergewöhnliches und sehr persönlich gestaltetes Buch werden“, meinte Verlagsleiter Wolfgang Maylmoser damals. Ein Jahr später ist das Werk mit dem Titel „Leben oder Überleben – Menschen im Waldviertel 1945“ fertig. Das Vorhaben ist gelungen, denn die 31 Personen, deren Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges und die folgende Besatzungszeit die 360 Seiten des Buches füllen, sind sehr persönlich.

„Die Geschichte lebt von Geschichten, wird dadurch erst verständlich und nachvollziehbar“, schreibt Autorin Brigitte Kaiser im Vorwort und drückt damit den besonderen Wert des Bandes aus. Denn die Erzählungen der befragten Personen gewinnen mehr und mehr an Bedeutung, je länger die Zeit zurückliegt, um die es geht. Im konkreten Fall sind das 70 Jahre.

Aus dem Bezirk Gmünd haben sich sieben Zeitzeugen gemeldet, fünf Männer und zwei Frauen. Vieles von dem, was sie schildern, ist aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar, wie beispielsweise die dramatischen Erfahrungen von Erika Achatz aus Litschau in ihren ersten Lebensjahren. Als Dreijährige verlor sie 1945 ihre Eltern. Der Großvater als einziger Verwandter nahm sie auf. Der ärmliche Hof in Althütten wurde ihnen kurz darauf von den Tschechen weggenommen, sie flohen nach Österreich, wo Erika Achatz schließlich bei einer Adoptivfamilie unterkam. Leopold Koller aus Litschau wurde 1943 als 16-Jähriger zum Militär eingezogen und landete an der Ostfront, wurde verwundet und schaffte Ende 1946 die Rückkehr in die Heimat. Abgemagert und wegen Wundbrand todkrank rettete ihm schließlich ein Arzt in Wien das Leben. „Mich hat der Krieg geprägt“, erzählt Oskar Jungbauer aus Josefsthal. Er erlebte als Kind schlimme Szenen bei Deportationen gefangener Soldaten nach Sibirien oder dem gnadenlosen Umgang mit Deserteuren.


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