„Ich habe auch schon im Baumarkt Fliesen auf ihren Klang hin getestet“

Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 12.07.2019 11:20 Uhr

GMUNDEN. Im Rahmen der Festwochen-Reihe „Rising Stars“ kommt am 17. August der Multipercussionist Christoph Sietzen mit dem „Wave Quartet“ in den Toscana Congress. Tips hat mit dem Ausnahmetalent gesprochen.

Tips: Das Schlagwerk wird oft als reine Begleitung wahrgenommen – warum haben Sie sich gerade dafür entschieden?

Christoph Sietzen: Ich bin über das Schlagwerk zur Musik gekommen – über das Xylophonspielen im Kindergarten. Das hat mir großen Spaß gemacht, und mein Großvater hat dann einen tollen Lehrer gefunden. Für mich war immer klar, dass es das ist, was ich machen will – und es gab ja auch durchaus schon Vorbilder im Bereich Schlagwerk. Aber insgesamt geht es bei einer solchen Entscheidung einfach mehr um die Leidenschaft als ums Geld.

Tips: Sie haben unter anderem bei Martin Grubinger senior gelernt. Dessen gleichnamiger Sohn zählt, wie Sie, zu den bekannten jungen Schlagwerkern. Wie würden Sie die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten im Stil beschreiben?

Sietzen: Martin hat in den letzten Jahren unglaublich viel für unser Instrument geleistet. Er hat dafür gesorgt, dass es eine größere Beachtung gefunden hat, und große Komponisten Stücke dafür geschrieben haben. Ich war immer schon stark an der Melodie orientiert: Zuerst vom Xylophon kommend, dann auf der Marimba. Ich finde es spannend, auf dem Schlagwerk Melodie zu spielen, also aus dem eigentlich „Ungestimmten“ das Melodiöse herauszuholen.

Tips: Sie verwenden oft auch „schräge“ Instrumente wie etwa Pfannen. Was war hier das Ungewöhnlichste?

Sietzen: Es gibt bei den Komponisten immer wieder ausgefallene Ideen, die gestimmten Fliesen waren aber bisher sicher das Ungewöhnlichste. Da bin ich dann in den Baumarkt gegangen und habe Fliesen auf ihren Klang hin getestet.

Tips: In Gmunden sind Sie mit dem Wave Quartet zu hören – und auch zu sehen, denn Ihre Auftritte mit dem Marimba-Quartett wirken fast wie ein Tanz. Wie entsteht eine so feine Abstimmung in der Bewegung?

Sietzen: Das ist nicht inszeniert im Hinblick auf eine schöne Bewegung. Aber für uns ist es wichtig, gemeinsam zu atmen, um gemeinsam die Musik aufbauen zu können. Die Atmung ist stark mit der Bewegung verbunden – und beim Schlagwerk wiederum hängt die Bewegung sehr unmittelbar mit dem Klang zusammen. Bei der Marimba heben wir die Hand und lassen sie fallen: Der Ton soll mit dem Eigengewicht entstehen. Das muss aber genau abgestimmt werden – und das wirkt dann wie eine Choreographie.

Tips: Eine Besonderheit Ihres Konzerts ist auch das vielfältige Programm, das von Piazzolla bis Ed Sheeran reicht. Was ist Ihre persönliche Lieblingsmusik?

Sietzen: Ich bin da unglaublich flexibel, Musik muss einfach etwas aussagen, mich berühren. Und es ist nicht immer die komplexeste Musik die beste: Mozart zaubert oft aus einfachen Motiven etwas ganz Besonderes – und das gilt auch für Pop.

Karten: Festwochen (www.festwochen-gmunden.at, 07612/7063012, karten@festwochen-gmunden.at) und Tourismusverband Traunsee-Almtal

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