BAD ISCHL/GMUNDEN. Der Wiener Historiker Walter Sauer hat sich für einen speziellen Reiseführer auf die Suche nach afrikanischen Spuren in Österreich gemacht. Dabei stieß er auch im Salzkammergut auf interessante Zeugnisse.
Sauer hat sein Buch „Expeditionen ins afrikanische Österreich“ nach Reiserouten aufgebaut – eine davon führt auch ins Salzkammergut und beginnt in Vorchdorf. Ein Spross der ehemaligen Schloss Eggenberg-Besitzer Fernberger wurde nämlich als erster – unfreiwilliger – österreichischer Weltumsegler bekannt. Salzkammergütler als Weltumsegler oder Arzt in Afrika Als Hilfskoch lief Christoph Carl mit einem Schiff in der Nähe der Kapverden 1622 in einem Sturm auf einen Felsen auf. Auf einem holländischen Frachter, der ihn rettete gelangte er zunächst nach Ostasien und erreichte als erster Österreicher im Jänner 1628 das Kap der Guten Hoffnung. Sein „Reißbüchlein“ über seine Erlebnisse ist heute für die moderne Völkerkunde ein wertvolles Dokument. Die Reise durchs „afrikanische“ Salzkammergut führt auch in die Stadtpfarrkirche Gmunden. In der prunkvollen Statuengruppe der „Epiphanie“ mit den Weisen aus dem Morgenland von Thomas Schwanthaler scheint der schwarze König mit seiner Stellung im Vordergrund und seinem selbstbewussten Gestus speziell hervorgehoben zu sein. Auch die Traunkirchner Pfarrkirche beinhaltet afrikanische Spuren. Die berühmte „Fischerkanzel“ (1753) zeigt unter anderem den predigenden Franz Xaver, der von mehreren charakteristisch gestalteten „edlen Wilden“ umgeben ist. „Ohne Zweifel eine der künstlerisch hochwertigsten Darstellungen des Motivs in Österreich“, so Sauer. Ein Spruchband weist auf die Anzahl der von Franz Xaver angeblich getauften 120.000 „Heiden“ hin. „Die Mission in Afrika wurde hier auch im Zuge der Gegenreformation als mehr oder weniger verschlüsselte Botschaft verwendet, um Protestanten zu rekatholisieren“, erklärt Sauer. Die Traunkirchner Spitz-Villa gehörte einst den Schwestern von Rudolf Slatin, der ab 1900 als Generalinspekteur des britischen Sudan diente und im Zeitgeschichte Museum Ebensee zeigt ein Foto mit der Bezeichnung „Gefangene Afrikaner“ französische Kriegsgefangene. „Ob sich auch im KZ Ebensee Menschen afrikanischer Herkunft befanden, wurde bisher noch nicht erhoben, aber schon eine erste Stichprobe erfasste zwei französische Staatsbürger mit Geburtsort Oran (Algerien), sodass auch hier von einer bisher unberücksichtigten afrikanischen Gruppe unter den Häftlingen auszugehen ist“, sagt Sauer. Im Gasthaus „In der Kreh“ lebte von 1858 bis 1864 der Arzt August Ritter von Genczik, genannt „Krehbader“, der einst als Amtsarzt in Khartoum für die Pockenimpfungen der ägyptischen Soldaten und Beamten zuständig war. Was die Kaiservilla und das Museum der Stadt Bad Ischl an „Afrikanischem“ zu bieten haben, ist in Sauers Buch, das im Mandelbaum-Verlag erschienen ist, ebenfalls nachzulesen.
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