"Crystal Meth ist bei uns nicht das Problem"
GMUNDEN. Auch wenn derzeit viel von Crystal Meth die Rede ist: Bei den Drogenberatungsstellen in Gmunden und Bad Ischl fallen nur wenige Meth-Süchtige auf. Insgesamt sind Drogen aber „kein abnehmendes Problem“, betont man auch beim Bezirkspolizeikommando.

„Der von den Medien vorhergesagte Hype rund um Crystal Meth hat sich bei uns nicht gezeigt““, erklärt Andreas Stix, Teamleiter der promente Drogenberatungsstellen Gmunden und Bad Ischl, auf Tips-Nachfrage. Man habe wenige massive Konsumenten, allerdings werde die Droge von „nicht wenigen“ Klienten „zusätzlich“ konsumiert. Auch Chefinspektor Kurt Slupetzky vom Bezirkspolizeikommando bestätigt, dass es im Bezirk mit Crystal Meth weniger Probleme gibt. Die Erklärung: „Wir sind von der Grenze Richtung Tschechien doch eher weit entfernt.“
„Dark Net“ im Drogenbereich relevant
Allgemein stelle man bei der Polizei aber keinen Rückgang beim Drogenmissbrauch fest, betont Slupetzky. Einen Grund dafür sieht er im „Dark Net“, einem versteckten Teil des Internets, über das unter anderem auch Drogen gehandelt werden. Dabei gerate man jedoch rasch in die schwere Kriminalität, warnt Slupetzky: „Wenn die Drogen über Grenzen transportiert werden, kann das bis hin zur Anstiftung zum Drogenschmuggel gehen, mit entsprechend hohen Strafen.“
Ikarus: Erste Anlaufstelle bei Problemen
Hilfe bei Drogenproblemen bieten die Ikarus-Beratungsstellen: Im Vorjahr wurden in den Bezirken Gmunden und Vöcklabruck 222 Personen betreut, etwa ein Viertel davon Angehörige. Die meisten sind zwischen 19 und 25 Jahre alt, es gibt aber auch Teenager mit ersten Drogenerfahrungen oder 70-Jährige mit einer Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln.
Viele Klienten kommen seit Jahren regelmäßig, etwa jene 110 Personen, die am Substitutionsprogramm teilnehmen, wie Stix erzählt: „Manche schaffen mit dieser medizinischen Behandlung ein ganz normales Leben. Bei anderen ist es wesentlich schwieriger.“ Oft würden Süchtige mehrere verschiedene Substanzen konsumieren, darunter Alkohol und Beruhigungsmittel. Bei jungen Menschen seien „Partydrogen“ oft nur eine Phase, allerdings könne dies auch überhandnehmen, warnt Stix.
Beratung: vertraulich, auf Wunsch auch anonym
Wer sich informieren möchte – egal, ob Betroffener oder Angehöriger – kann während der Öffnungszeiten einfach beim Ikarus-Journaldienst in Gmunden vorbeischauen, lädt Andreas Stix ein. Für Gespräche in Bad Ischl ist eine telefonische Vereinbarung empfehlenswert. Sozialarbeiter, Psychologen und Psychotherapeuten stehen für Beratungsgespräche und Psychotherapie zur Verfügung. „Jeder entscheidet selbst, was er in Anspruch nimmt“, betont Stix. Die Mitarbeiter unterliegen einer strengen Verschwiegenheit, auf Wunsch ist auch eine anonyme Beratung möglich.
„Gehen auch aktiv auf Jugend zu“
Ikarus geht aber auch direkt auf Jugendliche zu, etwa in Schulen oder bei Lehrlingsausbildungsprogrammen: „So lernen sie uns kennen und erfahren: Die sind in Ordnung, da können wir hingehen, wenn wir ein Problem haben“, erklärt Stix.
Kontakt:
07612/77066, ikarusgmunden@promenteooe.at
Ikarus Gmunden: Franz-Keim-Straße 1, Montag, 10 bis 12 Uhr
Ikarus Bad Ischl: Auböckplatz 13 (2. Stock)


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