Müll und ungebetene Gäste in der Traun und im Traunsee
GMUNDEN. Von Gartenmöbeln bis zum Einkaufswagen: Bei einer gemeinsamen Reinigungsaktion von Tauchern und Fischerverein Traunsee im Traunausfluss bei Gmunden kam einiges zutage, das in einem Fluss nichts zu suchen hat. Der auffällige Muschelteppich auf den Fundstücken stammt von der Wandermuschel, die vor Jahrzehnten an den Traunsee gekommen ist. Nun gibt es mit der Quagga-Muschel einen zweiten Zuwanderer.

Tauchsport Traunsee und Adventure Diving unterstützten mit acht Tauchern die Reinigungsaktion des Fischervereins Traunsee. Drei Stunden lang holten sie zwischen dem Gmundner Stadtplatz und der Marienbrücke all das aus dem Wasser, was dort von anderen gedankenlos entsorgt wurde: Einkaufswagen, Reifen, Schiebetruhen und verschiedenste Werbetafeln wurden vom Gewässergrund geholt, mit Zillen ans Ufer gebracht und anschließend von Mitarbeitern der Stadtgemeinde Gmunden entsorgt.
Zuerst kam die Wandermuschel
Fast alle Fundstücke waren von einem dichten Muschelteppich überzogen. Dabei handelt es sich um die Wandermuschel (Dreissena polymorpha), die seit Jahrzehnten am Traunsee zu finden ist, erklärt Martin Leeb vom Fischerverein Traunsee. Die scharfkantige Muschel stammt ursprünglich aus den Zuflüssen des Schwarzen Meeres und kommt in bis zu 20 Metern Tiefe vor. Für Probleme sorgt sie etwa bei Kanufahrern, die am Steilufer zwischen Ebensee und Traunkirchen an Land klettern wollen: Die Muschel hat das Ufer dort weitgehend in Besitz genommen, es kann zu Schnittverletzungen kommen. Auch die Fischer klagen über negative Auswirkungen: Dass die Muschel dem Wasser Algen entzieht, von denen sich die Planktontiere ernähren, reduziert die Nahrungsgrundlage für die Planktonfresser unter den Fischen, erklärt Martin Leeb: „Betroffen sind beispielsweise die Reinanke und der am Traunsee fast einzigartige Riedling.“
Neue Muschelart im Vorjahr erstmals festgestellt
Während sich das Ökosystem mit der Wandermuschel bereits arrangiert hat – einige Tiere haben sie beispielsweise als Nahrungsquelle entdeckt –, ist eine weitere Muschelart neu in der Region: Die ebenfalls aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) wurde im Vorjahr erstmals in einigen oberösterreichischen Gewässern nachgewiesen, darunter auch im Traunsee. Sie könnte für das Ökosystem eine größere Herausforderung sein, erklärt Daniela Achleitner, Leiterin des Instituts für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft: „Beide Muscheln sehen sich zwar sehr ähnlich, die Quagga-Muschel hat gegenüber der Wander- oder Zebramuschel aber ein paar Vorteile: Sie kann bis in Tiefen von 250 Metern vorkommen und wächst – anders als die Wandermuschel – nicht nur auf steinigem, sondern auch auf Sand- oder Schlammuntergrund. Und sie kann sich schneller vermehren“, erklärt Achleitner. Die Fischer sind durch die hohe Vermehrungsrate des Neulings beunruhigt, bestätigt Martin Leeb.
„Entwicklung beobachten, Panik ist jedoch fehl am Platz“
Dennoch: Wie sich die neu zugewanderte Art im Traunsee entwickeln und auswirken wird, muss man erst beobachten, betont man seitens der Gewässeraufsicht. Jede neu dazugekommene Art verursache Veränderungen, Panik sei aber fehl am Platz. So könne die Muschel etwa Fischen, Vögeln oder Krebsen als Nahrung dienen.
Bei technischen Einrichtungen wie Rohren der Wasserversorgung sei es allerdings an anderen Seen bereits zu Problemen gekommen, weil diese durch die Muscheln regelrecht zuwachsen können. Am Bodensee, wo die Quagga-Muschel seit 2016 nachgewiesen ist, mussten hier bereits Maßnahmen gesetzt werden.
Ausbreitung in andere Seen verhindern
Möglichkeiten, die Ausbreitung der Muschel im Traunsee zu verhindern, gibt es jedenfalls nicht. Umso wichtiger sei es, die Verbreitung in andere Salzkammergutseen zu verhindern. Daher sollten Bootsrümpfe, Wassersport- oder Fischereiausrüstung beim Wechsel an andere Seen gründlich auf Rückstände von Schlamm, Pflanzenmaterial oder Tieren kontrolliert und gründlich mit sauberem Wasser gereinigt werden – am besten mit über 45 Grad heißem Wasser und einem Hochdruckreiniger. Danach Boot und Ausrüstung vollständig für mindestens vier Tage trocknen lassen, raten die Experten.


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