Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BAD ISCHL. Im Kurpark von Bad Ischl gibt es vor dem Musikpavillon ab sofort einen Theresia-Pesendorfer-Platz. Dieser Ort inmitten des mit Blumen geschmückten Parks erinnert an die Zivilcourage und den Mut einer ganz besonderen Ischlerin während der Nazizeit.

Theresia Pesendorfer (Foto: Peter Kammerstätter/ZME)
Theresia Pesendorfer (Foto: Peter Kammerstätter/ZME)

Theresia Pesendorfer wurde am 21. Juni 1902 als Theresia Laimer in Bad Ischl geboren. Ihre Mutter starb früh und schon in jungen Jahren musste Pesendorfer mit Hilfsarbeiten ihren Lebensunterhalt alleine bestreiten. Einen Sinn für Gerechtigkeit besaß Resi, wie sie genannt wurde, schon immer. Daher schloss sie sich 1926 der Arbeiterbewegung an und wurde Sozialdemokratin. Sie litt an Tuberkulose und war gesundheitlich ständig angeschlagen. In der Zwischenkriegszeit war das Salzkammergut ein Notstandsgebiet. Es gab überall Hungerproteste, Streiks und Arbeitslosigkeit. 1935 wurde Pesendorfer Kommunistin und gründete 1937 eine eigene Frauenorganisation mit 15 Mitgliedern. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie mehrmals zur Fluchthelferin und versteckte politisch Verfolgte in der Villa, in der sie als Putzfrau arbeitete. Es war auch Pesendorfer, die den Kontakt zwischen den Gründungsmitgliedern der Widerstandsgruppe „Willy“ beziehungsweise „Fred“ herstellte.

Den Nazis entkommen

Trotz ihres schlechten Gesundheitszustandes machte Pesendorfer nächtelange Botenfahrten mit dem Fahrrad und schmuggelt 1944 sogar elf Kilogramm Sprengstoff nach Bad Ischl. Die Nazis konnten sie nie inhaftieren. 1983 zog Theresia Pesendorfer nach Ebensee. Dort verstarb sie am 31. Oktober 1989. Mit Entschluss vom 4. Oktober 1977 wurde Theresia Pesendorfer das Ehrenzeichen für die Verdienste um die Befreiung Österreichs verliehen. In einem Interview sagte Pesendorfer einmal: „Wenn etwas zu tun ist, muss man das auch tun, solange es geht, muss man helfen.“

Theresia-Pesendorfer-Platz

„In Bad Ischl gibt es 273 Straßen, Gassen und Wege und weniger als eine Hand voll sind nach Frauen benannt,“ sagt Mario Friedwagner, ehemaliger Leiter des Freien Radios Salzkammergut und heute im Bereich der Kulturentwicklung und Erwachsenenbildung tätig. Er ist der Organisator des Projekts, im Zuge dessen nun ein Platz im Ischler Kurpark nach Pesendorfer benannt wurde. „Es ist wichtig, die Sichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum zu erhöhen. Es soll Gleichberechtigung herrschen. Ich bin eigentlich Feminist, denn dann geht es mir auch als Mann besser“, erklärt Friedwagner seine Beweggründe.

Ursprünglich abgelehnt

Das Projekt, ursprünglich von der Kulturhauptstadt abgelehnt, wurde am „Markt der Ideen“ von Bürgermeisterin Ines Schiller aufgegriffen und von der Stadtgemeinde Bad Ischl umgesetzt. Die Kulturhauptstadt finanziert nun lediglich den eigentlichen Festakt. „Frauen haben in Bad Ischl, wie in anderen Städten auch, auf vielfältige Weise zur Entwicklung unserer Gemeinschaft beigetragen. Sie waren Unternehmerinnen, Kulturschaffende, Mütter, Freundinnen und vieles mehr. Dennoch wurden ihre Beiträge im Vergleich zu Männern häufig übersehen oder herabgesetzt. Diesen Frauen, die in vielerlei Hinsicht Opfer von Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt wurden, müssen wir ebenso gerecht werden“ so Ines Schiller.

Der Theresia-Pesendorfer-Platz ist nur der Anfang. Zumindest acht weiter Frauen werden in nächster Zeit auf Bad Ischls Straßen und Plätzen sichtbar gemacht werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Wildenstoana Perchtenausstellung in Bad Ischl

Wildenstoana Perchtenausstellung in Bad Ischl

BAD ISCHL. Heuer findet die bereits 14. Perchtenausstellung der Wildenstoana von Freitag, 23. Oktober, bis Sonntag, 25. Oktober, in der ASKÖ ...

Tips - total regionalBarbara Gröstlinger
Drechseltage: 1.600 Besucher erleben Holzkunst in Bad Goisern

Drechseltage: 1.600 Besucher erleben Holzkunst in Bad Goisern

BAD GOISERN. Von alten Werkzeugen bis zu moderner Holzkunst: Die Salzkammergut Drechseltage lockten rund 1.600 Gäste an. Auch internationale ...

Tips - total regionalThomas Leitner
Zweisprachige GeschichtenZeit in der Stadtbücherei Gmunden

Zweisprachige GeschichtenZeit in der Stadtbücherei Gmunden

GMUNDEN. Unter dem Motto „Hello & Hallo!“ findet am Freitag, 23. Oktober, von 15 bis 16 Uhr eine zweisprachige Geschichtenzeit in der ...

Tips - total regionalBarbara Gröstlinger
Miba investiert 13 Millionen Euro in neues Ausbildungszentrum

Miba investiert 13 Millionen Euro in neues Ausbildungszentrum

LAAKIRCHEN. 120 Lehrlinge bildet Miba derzeit aus. In Laakirchen besucht Minister Hattmannsdorfer die Base27, in die das Unternehmen 13 Millionen ...

Tips - total regionalThomas Leitner
Salzkammergut Advent 2026: Das sind die schönsten Highlights

Salzkammergut Advent 2026: Das sind die schönsten Highlights

SALZKAMMERGUT. Funkelnde Lichter, romantische Schifffahrten und neue Attraktionen. Der Salzkammergut Advent 2026 verspricht besondere Erlebnisse ...

Tips - total regionalThomas Leitner
Kostenloser Hörtest in Obertraun stieß auf großes Interesse

Kostenloser Hörtest in Obertraun stieß auf großes Interesse

OBERTRAUN. Der von der Gesunden Gemeinde Obertraun organisierte kostenlose Hörtest wurde von der Bevölkerung gut angenommen.

Tips - total regionalBarbara Gröstlinger
Weitere Beiträge