Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

GMUNDEN/LAAKIRCHEN. Jedes dritte Kind in Österreich ist von Armut betroffen oder ausgrenzungsgefährdet. Darauf macht die Volkshilfe anlässlich des internationalen „Tag für die Beseitigung der Armut“ am 17. Oktober aufmerksam. Auch der Bezirk Gmunden ist betroffen.

Volkshilfe-Bezirksvorsitzender Fritz Feichtinger (r.) und Bezirkskoordinator Jürgen Pouget präsentieren die Plakataktion der Volkshilfe für den 17. Oktober.

Auch, wenn es für viele fast unglaublich klingt: „Österreichweit sind 350.000 Kinder und Jugendliche von Armut gefährdet, 220.000 wohnen in feuchten oder schimmligen Zimmern“, nennt Fritz Feichtinger, Volkshilfe-Vorsitzender des Bezirks Gmunden, bedrückende Zahlen. 

Viele holen sich keine Hilfe

Eine eigene Statistik für den Bezirk werde nicht geführt – aufgrund der unterschiedlichen helfenden Stellen von Gemeinden über Serviceclubs bis zu den Pfarren, aber auch, weil sehr viele Betroffene aus Scham gar keine Hilfe anfordern. 

Nur die „Spitze des Eisberges“ bekannt

Alleine in Laakirchen, wo Feichtinger auch Bürgermeister ist, unterstützt die Gemeinde jährlich knapp 50 Familien mit insgesamt 100 Kindern, etwa durch Heizkostenzuschüsse oder Essensbeitragsbefreiungen im Kindergarten. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisberges: „Bedenkt man, dass in Laakirchen knapp 2000 Minderjährige leben, gibt es hier sicher viele Betroffene, von denen wir nichts wissen“, so Feichtinger.

Alleinerzieher besonders betroffen

Was jedoch auffällt: Alleinerzieherinnen sind überdurchschnittlich oft betroffen, Kinder aus „Einelternfamilien“ machen in Laakirchen zwei Drittel der Fälle aus. Der Rest verteilt sich auf Kinder mit Behinderung und Familien mit Migrationshintergrund – also Asylwerber oder Zuwanderer.

Große Freude über 30 Euro-Gutschein

Wie notwendig die Unterstützung oft ist, zeigt das Beispiel zweier Familien, deren Delogierung verhindert wurde, wodurch die Kinder bei ihren Eltern bleiben konnten. Aber auch die große Dankbarkeit mancher Eltern über einen 30-Euro-Gutschein für Schulbedarf zu Schulbeginn zeige, wie knapp manche Familien kalkulieren müssen, erzählt Feichtinger.

Bedrückende Armut

Auch, wenn nicht in jedem Fall die Delogierung droht: Armut ist für Kinder bedrückend, betont Jürgen Pouget, Bezirkskoordinator der Volkshilfe. „Etwa, wenn keine Ausflüge möglich sind, Kinder nicht an Schulveranstaltungen teilnehmen oder keine Freunde einladen können.“ Belastend sei auch, wenn es einer Familie nie möglich ist, auf Urlaub zu fahren oder bereits eine unerwartete Ausgabe zu großen Problemen führt.

Weniger Bildungschancen für arme Kinder

Und auch die Ausgaben für den – eigentlich kostenlosen – Schulbesuch seien für viele Familien eine große Belastung: „Im Schnitt geben Eltern rund 855 Euro pro Schuljahr und Kind für die Schule aus, viele können sich das nicht leisten“, dies führe zu zu geringeren Bildungschancen und „vererbter“ Armut, erklärt Pouget.

Aktion am „Tag für die Beseitigung der Armut“

Am Internationalen Aktionstag will man daher von 8 bis 10 Uhr mit einer Plakataktion am Gmundner Wochenmarkt auf das Problem Kinderarmut aufmerksam machen – mit Plakaten wie „Ich will beim Einschlafen nicht frieren müssen“ und „Ich will in der Schule keinen Hunger haben“. Dabei werden auch Ermäßigungsgutscheine für Volkshilfeshops ausgegeben. 

Politik gefordert

Gefordert sei aber auch die Politik, betont Feichtinger: Mit der Einführung der ganztägig-verschränkten Schule könnten Unterschiede in der Herkunft ausgeglichen werden. Zudem fordert die Volkshilfe eine unabhängige Grundsicherung für Kinder und allgemein einen stärkeren Fokus auf das Thema Kinderarmut auch von Seiten der Politik.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden