Bergrettung: 1.492 Stunden im Einsatz
GÖSTLING. Die Bergrettung blickt auf eine Vielzahl von ehrenamtlichen Einsätzen und Bergungen, im Rahmen des Pistenrettungsdienstes am Hochkar, zurück. Insgesamt wurden 174 Manntage Dienst versehen, was in etwa 1492 Stunden entspricht. Tips sprach mit dem stellvertretenden Ortstellenleiter Matthias Hirner über die ehrenamliche Arbeit der Bergretter.

Tips: Wie verläuft die Ausbildung zum Bergretter?
Matthias Hirner:Die Ausbildung gehen von den Ortsstellen aus – in Niederösterreich gibt es rund 30 davon. Im Probejahr können sich Interessierte einen Überblick verschaffen, ob ihnen die Ausbildung zusagt. In diesem Jahr findet unter anderem ein Erste Hilfe Kurs statt, der im speziellen auf Erste Hilfe im alpinen Bereich ausgelegt ist. Darauf folgen weitere Kurse. Nachdem diese absolviert sind, wird man in den aktiven Dienst als Bergretter aufgenommen.
Tips: Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, um als Bergretter tätig zu werden?
Hirner:Man muss kein großer Alpinist sein um bei der Bergrettung tätig zu sein. Man sollte jedoch wissen, was einen im Gelände erwartet, schwindelfrei sein, Kenntnisse mit der Seiltechnik und Freude am Klettern, Wandern oder Bergsteigen haben. Klettererfahrungen sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Seit neuestem gibt es auch Eignungstest, die von der Landesleitung im Probejahr durchgeführt werden.
Tips: Wieviele Mitglieder sind bei der Bergrettung Göstling derzeit aktiv im Dienst?
Hirner:Derzeit sind es in etwa 40 aktive Bergretter, im Alter zwischen 22 und 60 Jahren, darunter zwei Hundeführer mit Such- und Lawinenhunden. Diese sind Privathunde von Bergrettern, die die Ausbildung zum Bergrettungshund absolviert haben.
Tips: In welchen Bereichen werden die Suchhunde eingesetzt?
Hirner: Suchhunde werden bei Lawinenabgängen eingesetzt. Im Sommer liegt der Schwerpunkt, neben dem Bergen von Verletzten, auf Sucheinsätzen. Hier werden die Hunde auch eingesetzt um verirrte Wanderer zu finden. Tips: Wie setzt sich die Rettungskett in Gang?Hirner: Nach dem abgesetzten Notruf, wird die Bergrettung vom Notruf 140 per SMS alarmiert. Natürlich setzt sich die Rettungskette nach Absetzung über eine andere Notrufnummer in Gang, das dauert dann etwas länger. Danach rücken wir zum Einsatz aus.
Tips: Wie macht man in einer Notsituation auf sich aufmerksam, wenn kein Handyempfang gegeben und somit kein Notruf absetzbar ist?
Hirner: Man kann beispielsweise Licht- und Tonsignale abgeben, aber auch in Vorbereitung der Tourenplanung nahestehende Menschen über den Zeitpunkt der Rückkunft informieren. Kehren Betroffene nicht zurück, können diese die Rettungskette in Gang setzten. Sind mehrere Menschen in einer Gruppe unterwegs, kann einer von ihnen Hilfe holen. Manchmal schlägt auch das Wetter um, und man verirrt sich im Nebel. Von diesem Standpunkt aus, ist es sicherlich auch ratsam, die Hüttenwirte über die ungefähre Ankunftszeit zu informieren, beziehungsweise auch im Gegenzug über einen Abbruch der Tour zu informieren.
Tips: Welche Standartausrüstungrägt ein Bergretter mit sich?
Hirner:Das variiert natürlich nach Sommer und Winter. Dabei sind Klettergurte und Sicherungen Standart. Zudem wird – individuell nach Einsatz – Material mitgenommen. Ist das Gelände felsig, werden zum Beispiel mehr Seile mitgenommen. Bei Paragleiterunfälle gibt es spezielle Rettungssets, wie auch im Winter für Lawineneinsätze. Das Material ist im Bergrettungshaus deponiert und wird vor dem Einsatz ausgegeben.
Tips: Wo liegt der Hauptbereich in der Arbeit bei der Bergrettung Göstling?
Hirner:Auf jeden Fall im Winterdienst am Hochkar. Jedes Wochenende machen zwei bis vier Bergretter vor Ort Wochenenddienst. Am Hochkar gibt es keinen seperaten Rettungsdienst, jedoch sind einige Mitarbeiter ausgebildet um Verletzte abtransportieren zu können. Diese werden dann in Zusammenarbeit mir dem Roten Kreuz weiterversorgt. Auch die Bergretter sind Ersthelfer und bringen die Verletzten Personen zum Roten kreuz. In schweren Fällen werden verletzte Personen mit Christopherus 15 abtransportiert.
Tips: Gibt es einen Einsatz, der Ihnen besonders im Gedächtnis blieb?
Hirner: Große Einsätze bleiben in Erinnerung, wie zum Beispiel der große Lawinenabgang am Hochkar im Jahr 2015. An diesem Einsatz waren mehrere Ortsstellen beteiligt. Dabei waren Personen teilverschüttet und hatten Brüche.
Tips: Wie sinnvoll ist das Tragen eines Lawinenverschüttungssuchgerätes (LVS)?
Hirner: Wenn man sich abseits der Piste aufhält, ist das Tragen eines LVS auf jeden Fall empfehlenswert. Auf der Piste besteht kaum Gefahr von einer Lawine verschüttet zu werden. Jedoch gab es auch einen Fall, wo die Lawine zwar abseits der Piste abging, aber in weiterer Folge auch einen Schiweg erreichte.
Tips: Was sind die häufigsten Gründe für das Bergen von Menschen aus Notsituationen.
Hirner:Die Freizeitgestaltung am Berg wird immer mehr, die Personen werden älter. Oft überschätzen sich Betroffene selbst oder unterschätzen das Gelände und die Luft und Temperatur am Berg. Im Vorfeld der Tour sollte immer die eigene Kondition und die Länge der Tour bedacht werden. Manche Verletzungen rühren auch oft daher, dass die Kraft nicht mehr ausreichte. Mangelhafte Ausrüstung spielt in den seltensten Fällen eine Rolle. Im Sommer halten sich die Bergung von Verletzten und Verirrten die Wage. Im Winter betreffen die meisten Einsätze die Bergung von Verletzten, wobei auch in den vergangenen Jahren Lawineneinsätze darunter waren.


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