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BEZIRK ZWETTL. Rund 41 Elektro-Pkw sind derzeit im Bezirk Zwettl laut den neuesten Zahlen der Statistik Austria unterwegs (siehe Tabelle), österreichweit waren es mit Ende 2015 über 5000. Noch ist der Trend hin zur E-Mobilität in der Region überschaubar, auch wenn die Tendenz durchaus steigend ist. Daniela Schubert-Piringer hat sich jüngst einen solchen Flitzer angeschafft, ein lang gehegter Traum, der nun Wirklichkeit wurde.

Daniela konnte sich nun einen lang gehegten Traum erfüllen, ein eigenes e-car. Foto: KaPri
  1 / 6   Daniela konnte sich nun einen lang gehegten Traum erfüllen, ein eigenes e-car. Foto: KaPri

„Seitdem ich weiß, dass es E-Autos gibt, träume ich davon, eines zu fahren, vor einigen Jahren waren diese noch unerschwinglich für mich, nun ist die Zeit dafür gekommen“, freut sich Daniela Schubert-Piringer, die sich selbst schmunzelnd als „Alternative“ bezeichnet. Das hier abgebildete Modell, ein Renault Zoe, kostete sie im Endeffekt rund 13.000 Euro. In den Preis bereits miteinbezogen ist der Rücktausch ihres alten Autos, die Aktion des Autohauses sowie die Förderung vom Land Niederösterreich in der Höhe von 3000 Euro. 79 Euro kommen monatlich noch für die geleaste Batterie hinzu, diese wird kostenlos ausgetauscht, wenn sie unter 75 Prozent der Kapazität abfällt. Dieser Mietpreis ist für sie in Ordnung, immerhin brauche sie keinen Sprit zu zahlen. Und die Freude, elektrisch unterwegs zu sein, steht ihr sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben. Die verblüffend schnelle Beschleunigung mag ein e-car-Neuling ob der geringen PS-Anzahl wahrscheinlich nicht vermuten, dennoch ist ein kurzer Höhenflug gewiss.

Durch das e-car gezähmt

„Ich war ja immer eine Raserin, habe oft Strafe gezahlt, nun bin ich ständig am Schauen, dass ich nicht zu viel Strom verbrauche“, grinst Daniela. Sobald sie vom Gaspedal geht, wird die Motorbremsenergie genutzt und in den Akkus gespeichert. Ab sofort werden also Schwünge ausgenutzt, um mit „null“ zu fahren. „Es ist toll zu sehen, wie sich die Batterie wie von Zauberhand wieder auflädt.“ Tatsächlich zeigt der kleine Bildschirm im Inneren des Autos alle Details an, vom durchschnittlichen Stromverbrauch, dem Tempo, bis hin zur gesparten Energie. Ihre derzeitige Teststrecke ist der Fahrtweg in die Arbeit, vom Heimatort Grafenschlag nach Zwettl. 13 Kilometer, oftmals bergab. „Während ich auf der ersten Fahrt nach Zwettl einen Verbrauch hatte, der mit rund sieben Kilometern gleichzusetzen ist, bin ich nun schon auf plus zwei, das heißt, ich produziere von Grafenschlag nach Zwettl Strom. So hat sich mein Fahrverhalten geändert, die einstige Raserin wurde gezähmt“, lacht die 55-Jährige. „Vom Vorurteil der geringen Reichweite bei e-cars können wir uns schnell verabschieden“, meint Renate Brandner-Weiß von der Energieagentur der Regionen. „Die ,Stromer“ schaffen allesamt 100 bis 150 Kilometer, manche sogar bis 500.“ In naher Zukunft wird die Kapazität der Batterie um rund 50 Prozent ansteigen, schätzt Brandner-Weiß.

Die „Tankstelle“

Mehr Gedanken muss man sich allerdings um die nächste „Tankstelle“ machen, denn öffentliche Ladestationen sind in manchen Teilen des Waldviertels noch eher rar, wie Klima- und Energiemodellregionsmanager Gottfried Brandner bestätigt. Aber: „Aus eigener Erfahrung haben wir mit dem eigenen E-Auto in den letzten 18 Monaten 45.000 Kilometer zurückgelegt, ohne dass uns mal der Strom ausgegangen ist!“ Navi und Apps schaffen Abhilfe, auf www.goingelectric.at sind alle verfügbaren Stromtankstellen eingezeichnet, inklusive nützlicher Details zu den jeweiligen Ladestellen (siehe Abbildung). Vielfach ist die Stromladung (noch) kostenlos (zum Beispiel bei der Sparkassensäule Zwettl). Gottfried Brandner spricht im gegensätzlichen Fall von etwa vier Euro pro voller „Tankladung“ (rund 100 Kilometer), gezahlt wird bei den gängigen Modellen nach Zeiteinheiten. Hat man ein Schnellladenetz zur Verfügung, schafft man das in rund einer halben Stunde. Zuhause lädt Daniela Schubert-Piringer meistens nachts, schließlich dauert es mit ihrer speziell abgesicherten Lichtstromsteckdose dann doch länger – nämlich rund acht Stunden. „Aber es ist herrlich, denn die verbleibende Tankzeit wird mir angegeben, genauso wie die Kilometeranzahl, die ich mit meinem Strom noch fahren kann“, meint Daniela. Aber woher kommt eigentlich der Strom aus der Steckdose?Elektroautos sind dann insbesondere sinnvoll, wenn sie zu 100 Prozent aus Strom von erneuerbaren Energien betrieben werden, so die gängige Meinung von vielen Experten. „Zuhause kann ich mir sicher sein, da tanke ich Ökostrom, bei den öffentlichen Säulen wird es wahrscheinlich ein Energiemix sein“, meint Daniela. Laut Auskunft der EVN bezieht man bei ihren öffentlichen Ladestellen ausschließlich Naturstrom. Auch die ELLA-Ladestationen werden mittels Grünstrom (Sonne, Wind und Wasser) gespeist. Die Nutzer des E-Carsharing-Projekts in Zwettl beziehen an deren Ladestelle Strom aus knapp 87 Prozent erneuerbarer Energie (weiters Kohle, Erdgas, Erdöl).

Landesweite Zielsetzung

50.000 E-Mobile (oder rund fünf Prozent des Pkw-Gesamtfahrzeugbestands) werden bis 2020 angestrebt (250.000 österreichweit). Ein hoch gestecktes Ziel, für das laut Auskunft von klimaaktiv kein Ausbau der bestehenden Kraftwerkskapazitäten erforderlich wäre. „Würde man den kompletten Pkw-Bestand österreichweit umstellen, so käme man auf 15 Prozent mehr Stromverbrauch“, meint Gottfried Brandner. Das werde immer massiv überschätzt. Oder ein weiterer Vergleich: Rund 14 Quadratmeter Photovoltaik reichen aus, um jedes Jahr 10.000 Kilometer „elektrisch“ unterwegs zu sein. „Richtigerweise sollte man beim Auto nicht nur die Anschaffungskosten berücksichtigen, sondern auch die laufenden Betriebskosten und diese fallen bei e-cars deutlich geringer aus als bei herkömmlichen Fahrzeugen“, weiß KEM-Manager Brandner.

Best Practice

Ein Vorreiter in Sachen Elektromobilität im Bezirk war die Familie Wögenstein aus Allentsteig. Denn sie hatte Anfang der 90er den größten Mobil-Verleih Österreichs mit zehn (führerscheinfreien) Fahrzeugen. „Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt, weil uns klar war, dass sich die Mobilität im Laufe unserer Lebensspanne grundlegend verändern wird“, meinen die Wögensteins. Die Stadtgemeinde Zwettl, konkret das Team der Kläranlage Zwettl, darf heute ein e-car ihr Eigentum nennen, zudem wird seit Dezember 2014 erfolgreich das Projekt e-Carsharing betrieben, das zur gemeinsamen Nutzung einlädt. In der Marktgemeinde Ottenschlag fährt man mit „e-Otti“ und in der Kommune Schwarzenau gibt es bereits Überlegungen, was die gemeinsame Nutzung von E-Mobilen betrifft. Auch in der Zwettler Fahrschule Dolejschi ist man schon stolzer Besitzer eines e-cars. „Die Schüler absolvieren einen Teil der Fahrstunden mit dem rein elektrisch angetriebenen Fahrzeug, ich bin überzeugt, dass in der Elektromobilität eine Zukunft liegt“, so Werner Dolejschi. 84 „Stromer“ sind bezirksweit mit März 2016 gemeldet (siehe Tabelle), fünf davon wurden im ersten Quartal 2016 neu zugelassen, fast so viele wie 2015 zusammen. Dazu kommen noch etliche Hybrid-Autos.

Das Grafenschläger „Ufo“

Daniela Schubert-Piringer wird bald wieder mit ihren Enkelkindern eine Runde drehen, schließlich hat sie ihnen erzählt, sie habe ein Ufo gekauft. Und bei dem futuristischen Design sowie dem summenden „Wuwuwu“-Geräusch könnte man es beinahe glauben – zumindest wenn man die Augen schließt.


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