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GRIESKIRCHEN. Die Frauenstiegenkapelle wird immer wieder Ziel von Beschmierungen und Verunstaltungen. Auch als lauschiges Plätzchen für Liebespaare soll die Kapelle schon des Öfteren gedient haben. Damit soll nun Schluss sein. Die Kapelle wurde vermietet und soll nun restauriert werden.

Die Frauenstiegen-Kapelle in der Stadt Grieskirchen wird immer Ziel von Vandalenakten.
  1 / 7   Die Frauenstiegen-Kapelle in der Stadt Grieskirchen wird immer Ziel von Vandalenakten.

„Offensichtlich haben sich hier pubertäre Blödiane der Sonderklasse durch Schmierereien in einer Weise ausgetobt, die nicht nur inakzeptabel ist, sondern der Sozialhygiene unserer Gesellschaft ein trostloses Zeugnis ausstellt“, schreibt Johann Großruck in einem offenen Brief, in dem er sich enttäuscht über den Zustand der Marienkapelle an der Frauenstiege nahe dem Stadtzentrum äußert. Laut Aussagen von Großruck offenbare sich hier eine „beispiellose Subkultur“, die jeder Beschreibung spotte. „Abgesehen von sexistischen Ergüssen jeglicher Abart ist die Kapelle mit dem grenzwertigen Code der Ultra-Szene A.C.A.B. für die Message „All Cops are Bastards“ verziert“, schreibt Großruck. Zudem hätte er über dem Portal der Kapelle den dominanten Schriftzug „Çarsi“ entdeckt. „So nennen sich die Hardcore-Fans des türkischen Vereins Besiktas Istanbul“, meint der gebürtige Grieskirchner.

In dieses „Mosaik der Grauslichkeiten“, wie Johann Großruck die Schmierereien auf der verunstalten Kapelle beschreibt, füge sich nahtlos ein Nazigruß ein.Wahrlich entspricht der Anblick der Glaubensstätte nicht ihrer Bestimmung. Seit den 1990er Jahren werde die Kappelle laut Pfarrer Johann Gmeiner immer wieder beschmiert und verunstaltet. „Einige Male haben wir diese Kapelle schon restaurieren lassen, immer wieder wurde sie „verunziert“, verwüstet. Viel Geld haben wir schon hineingesteckt“, erklärt Gmeiner. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies junge Leute machen, die am Sonntag in die Kirche gehen. Wenn das Glaubensverständnis gesamtgesellschaftlich abnimmt dann fadisieren sich die jungen Leute, lassen sich Blödheiten einfallen“, so Gmeiner weiter.

Der Pfarrer zeigt sich enttäuscht über diese Taten, die, wie er sagt, mit dem Schwinden einer positiven Weltanschauung zu tun haben. „Die Sozialhygiene steht in Zusammenhang mit einer positiven Weltanschauung, wenn die schwindet, senkt sich der Grundwasserspiegel immer mehr. Das spiegelt den Zustand der Gesellschaft wider“. Der Pfarrer meint zudem: „Wenn offenbar auch muslimische Burschen die Kapelle verunstaltet haben, ist das erst recht schlimm“.

 

Kapelle gemietet

Jemand, der den Anblick aus nächster Nähe erleiden muss ist Laurenz Pöttinger, der in der Nachbarschaft der Kapelle wohnt. Er war es auch, der der Pfarre ein Angebot machte, um die Gebetsstätte wieder in ihrem ursprünglichen Zustand erstrahlen zu lassen. „Nachdem sich die Kapelle in unmittelbarer Nachbarschaft zu meiner Wohnadresse befindet, habe ich natürlich auch eine emotionale Bindung“, erklärt Pöttinger.

Die Verunstaltungen und Zerstörungen seien sehr oft von Jugendlichen unter Alkoholeinfluss geschehen, was an den weggeworfenen Flaschen ersichtlich sei, sagt Pöttinger. Auf 80 Jahre wurde die Kapelle nun an Laurenz Pöttinger vermietet, der die Kapelle restaurieren wird. Mit Ende 2017 soll dieses Vorhaben abgeschlossen sein.

„Der Zugang wird nur mehr für Personen die sich zum Gebet einfinden möglich sein. Zaunfelder und eine versperrbare Gittertüre samt Schild werden in Zukunft die Grenze zwischen Öffentlich und Privat für jedermann erkenntlich machen“, erklärt Pöttinger sein Vorhaben mit der Kapelle und ergänzt: „Somit hoffe ich, dass der Vandalismus ein Ende hat“.

 

Vandalenakte vermeiden sei möglich

Zum Thema wie sich Vandalenakte an der Frauenstiegenkapelle in Zukunft vermeiden ließen, meint Johann Großruck auf Tips-Nachfrage: „Die Gesellschaft kann die Vandalenakt nicht vermeiden, sondern sie nur verhindern. Das geht aber auch nicht einfach schulmeisterlich etwa durch den erhobenen Zeigefinger einer Anlassgesetzgebung. Die Gesetze gäbe es ja ohnehin schon, die derartige Untaten unter Strafe stellen. Aber sie zu exekutieren ist nicht so einfach zu handhaben, wie der Einsatz von Radarpistolen zur Überwachung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit. Außerdem bringt die Ertappung von Verkehrssünder Geldmittel in den öffentlichen Säckel, während das Überwachen und Dingfestmachen von Schmieranten kaum lukrativ ist und im besten Falle die Sanierungskosten auftreiben kann. Vandalenakte sind ein gesellschaftspoltisches Problem und deren Verhinderung eine gesellschaftspolitische Herausforderung, die zwar nicht von heute auf morgen erfolgreich sein wird, aber ad hoc angegangen werden könnte“.

Der gebürtige Grieskirchner hat auch eine Idealvorstellung wie in Zukunft der respektvolle Umgang mit öffentlichen Kulturgütern wieder hergestellt werden könnte. Es brauche „eine konzertante sozialhygienische Offensive, die alle positiven Kräfte im kommunalen Bereich bündelt und auch die Zivilcourage auf den Plan ruft. Was spricht zum Beispiel dagegen, dass Schulkinder (ob ohne oder mit Migrationshintergrund) etwa im Rahmen einer Stadtexkursion im Verein mit sozialhygienischen Workshops dafür sensibilisiert werden, dass „Grieskirchen, die Stadt zum Leben“ kein leerer Slogan des Stadtmarketings bleibt.“

Laut der Meinung von Großruck sei die Kapelle oft Ziel von Vandalismus, da das  Areal ist nur wenige Schritte vom Kirchenplatz entfernt ist und dennoch dem Blick der Öffentlichkeit entzogen ist. „Ein Jahrhundert lang war das auch so und die Kapelle ist dennoch verschont geblieben, obwohl sich hier in der „Schatzl-Trattn“ die meisten Grieskirchner Kinder und Jugendlichen insbesondere zum Wintersport getroffen haben. Dabei wären sie aber nie auf die Idee gekommen, die im Blickfeld befindliche Kapelle in irgendeiner Art als Reibebaum für unbewältigte Alltagsprobleme zu missbrauchen. Nun aber scheint es hier subkulturelle Abarten einer „Es-ist-mir-alles-scheiß-egal-Jugendszene“ zu geben, deren angefaulte „Früchtchen“ sich unter dem Motto „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ bei der Frauenstiege treffen und hier eine gründlich missverstandene YOLO-Mentalität ausleben wollen“.

Information

Neu erbaut wurde die Frauenstiegenkapelle um 1900. Die Namen Frauenstiege und Fraunhölzl stammen von den früheren Besitzern dieses Gebietes – dem Zisterzienserinnenkloster Schlierbach, dem heutigen Männerkloster.


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