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Johann Großrucks persönlicher Mosaikstein in der Zeitgeschichte der Stadt Grieskirchen

Sabrina Lang, 06.03.2018 17:46

GRIESKIRCHEN. Mit seiner Publikation „Grieskirchen – Kreisstadt in Oberdonau“ hat Johann Großruck sein persönliches zeitgeschichtliches Grieskirchen-Mosaik geschaffen und die sensible Zeit zwischen 1938 und 1945 beleuchtet. Am 12. März wird sein Werk erstmals öffentlich präsentiert. Tips hat mit dem Autor über sein Buch, seine Motivation und darüber gesprochen, warum er sein Buch als historisches „Facebook“ sieht.

  1 / 7   Die Eltern des Autors vor dem historischen Weißgerberhaus am Roßmarkt 13 bei ihrer Kriegshochzeit („Zivil-Ehe“ mit kirchlicher Trauung am 18. September 1944. Foto: Hubert Leeb

Tips: Was war Ihre persönliche Motivation ein zeitgeschichtliches Werk über Grieskirchen zu schreiben?

Johann Großruck: Der Grieskirchner Lyriker Otto Prechtler hat einmal gesagt: „Wer schweigt, dem tönt kein Echo hier auf Erden“. In diesem Sinne wollte ich als „nachgeborener“ 1945er mit meiner Dokumentation einen Echo-Effekt erzielen. Ich hätte es schade gefunden, diese so sensible Passage der Grieskirchner Stadt- und Pfarrgeschichte in Schweigen gehüllt zu lassen.

Tips: Was wollen Sie mit Ihrer Publikation erreichen?

Ich bemühte mich um eine weitgehend authentische Schilderung der Zeitumstände, unter deren krausen Vorzeichen meine Heimatstadt von 1938 bis 1945 Kreisstadt im ostmärkischen Reichsgau Oberdonau des Großdeutschen Reiches war. Ich möchte ohne investigative Ansprüche mit meiner Publikation das zeitgeschichtliche „Gesicht“ der Stadt und Pfarre Grieskirchen erhellen. Ich verstehe mein reich illustriertes Buch im buchstäblichen Sinne als ein historisches „Facebook“ (“Gesichtsbuch“) von Grieskirchen. Dass ich dieses analoge „Facebook“ der ganz anderen Art am symbolträchtigen 80. Jahrestag des „Anschlusses“ am 12. März 1938 präsentieren kann, freut mich besonders.

Tips: Was dürfen die Leser vom Buch erwarten?

Dem Buchtitel entsprechend versuche ich, den entrückten Alltag der „Kreisstadt“ Grieskirchen im „Dritten Reich“ in die Gegenwart zu zoomen. Die Leser dürfen sich eine spannende Zeitreise erwarten, auf der sie mein Buch mit seinen 540 Seiten begleitet. Weil ich viel Herzblut in dieses Vorhaben investiert habe, ergibt sich daraus mein ganz persönliches zeitgeschichtliches „Grieskirchen-Mosaik“.

Tips: Welche Herausforderung sind mit dem Schreiben eines zeitgeschichtlichen Werkes verbunden?

Ich empfand es als emotionale Herausforderung, die Balance zwischen der Erfüllung wissenschaftlicher Kriterien und meinen persönlichen Empfindungen zu finden. Immerhin bin ich ab 1945 von Kindesbeinen an genau dort aufgewachsen, wo sich ein Großteil der im Buch behandelten „Schauplätze“ befanden und wo viele Erinnerungen haften blieben. Mein Elternhaus stand als „Sandwich“ zwischen NSDAP-Kreisleitung, der Privat-Mädchen-Hauptschule und Stadtpfarrkirche, also genau dort, wo auch die Schaltstellen des kommunalen und pfarrlichen Alltags waren.

Tips: Was finden Sie persönlich an diesem Thema so spannend?

Aus biologischen Gründen kommt die Zeit, in der es für die Unzeit des Nationalsozialismus keine Zeitzeugen mehr gibt, keine real „schuldigen“ oder „mitschuldigen“ Untäter, keine überlebenden Opfer oder Leidtragenden. Drum finde ich es spannend und wichtig, sich mit der Vergangenheit so sensibel zu befassen, dass sie keine belastende Hypothek für die kommende Generation bleibt. Schmutzkübel aus einer fehlinterpretierten Vergangenheit heute zu verschütten, hilft wenig zur Bewältigung gegenwärtiger Gesellschaftsprobleme und künftiger Herausforderungen. Was Menschen jetzt und künftig Menschen antun und antun werden, ist schrecklich genug und braucht nicht zu denjenigen vergangenen Gräueln addiert werden, die von Menschen jemals Menschen angetan worden sind. Das Heute kann nicht ewig gestrig bleiben: Es war gestern Morgen und ist morgen schon wieder Gestern und somit unwiederholbar vergangen.

Buchpräsentation

am Montag, 12. März, 19 Uhr

Landschloss Parz, Grieskirchen


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