Autorin Sabine Scholl:" Ich bin jedem, dem ich begegne, ähnlich."
GRIESKIRCHEN. Die 61-jährige Grieskirchner Autorin Sabine Scholl erhielt 2019 des Kulturpreis der Landes Oberösterreich für ihr Lebenswerk. Tips hat mit ihr über die Corona-Situation, Reisen und ihr aktuelles Projekt geprochen.

Sabine Scholl wurde in Grieskirchen geboren, lebte einige Zeit in Berlin, Japan und ist kürzlich wieder nach Wien gezogen „Berlin hat sich verändert und nachdem die Kinder erwachsen geworden sind, war es mir möglich, wieder nach Österreich zurückzukehren.“ Doch kaum in Wien angekommen, sorgt die Corona-Situation für viele Einschränkungen in Scholls Leben. „Ich kann mich zurzeit nicht vernetzen und musste auch alle Lesungen zu meinem neuen Buch absagen.“ Ihr jüngstes Werk „O“ erschien im März und behandelt die Geschichte der Odyssee, aber aus einer weiblichen Perspektive. „Was wäre gewesen, wenn der griechische Sagenheld Odysseus eine Frau gewesen wäre?“ fragte sich Scholl und verband diese Idee mit ihren Gedanken zu Flucht und Asyl. „Das Buch handelt von Menschen, die nirgends ankommen“, meint sie.
Viele Zuhause
Sie selbst ist in ihrem Leben nicht nur herum- , sondern auch angekommen. Bei längeren Aufenthalten in Chicago, New York und Japan konnte sie sich stets vor Ort ein Zuhause schaffen. „Vor allem mit Kindern muss man sich ganz auf einen neuen Ort einlassen, und es ist so, als würde man sich für jedes Land ein passendes Kleid anziehen,“ erzählt Scholl. Ein Lieblingsland habe sie nicht: „Ich habe mir aus jedem Land etwas mitgenommen und damit für mich ein ideales Land erschaffen,“ erzählt sie.
Frauengeschichten
Ein wiederkehrendes Thema in Scholls Büchern sind Frauenporträts, wie schon im 2013 erschienenen Roman „Wir Früchte des Zorns“. In diesem stellt sie eine Familiengeschichte in den Mittelpunkt. Nach O, der weiblichen Odyseeus-Figur beschäftigt sich auch ihr nächstes Werk mit Frauen und ihren Geschichten. „Es wird sich um weibliche Verhaltensformen im Zweiten Weltkrieg drehen“ , verrät Scholl im Gespräch. Sie selbst habe sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte auseinandergesetzt und versuche diese im neuen Werk aufzuarbeiten.
Routiniert
Im Moment bestehe ihr Tag aus viel Recherche und Arbeit. Zu sehr mit den aktuellen Prognosen befassen will sie sich nicht, ein interessanter Aspekt ist ihr jedoch aufgefallen: „Ich bin jedem ähnlich. Auf der Staße, beim Einkauf, alle Menschen, denen ich begegne, haben ähnliche Probleme wie ich. Das war zuvor noch nie so.“


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