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GRIESKIRCHEN/ EFERDING. Das Thema ist kein Neues, derzeit sorgt ein Greenpeace-Video aber wieder für besonderes Aufsehen: zu sehen ist ein Müllberg mit Unmengen an von einem Supermarkt entsorgtem Fleisch. „Schockierend“, so etwa OÖ Landesbäuerin Johanna Haider. Aber: Lebensmittelverschwender Nr. 1 ist eindeutig der Konsument selbst. 

Lebensmittelabfälle entstehen vor allem in Privathaushalten. (Foto: Tips)
Lebensmittelabfälle entstehen vor allem in Privathaushalten. (Foto: Tips)

Das Fleisch hat ganz knapp das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen machen es nicht möglich, dass man die Lebensmittel dennoch verkauft. So landete das Fleisch auf den Müll, obwohl es eigentlich noch genießbar wäre. „Handelsproblem, kein Landwirtschaftsproblem“ Für Eferdings Bezirksbauernobmann Thomas Kraxberger ist es moralisch verwerflich, so mit Lebensmitteln umzugehen. Er sieht die Verantwortung beim Handel. „Schade, dass man so mit Lebensmitteln umgeht, aber das ist nicht mehr in der Hand der Landwirte“, so Kraxberger. Er selbst und viele seiner Kollegen mit Ab-Hof-Verkäufen sind dazu übergegangen, Waren erst nach der Bestellung zu verpacken, damit möglichst wenig weggeworfen werden muss. „Das ist ein Problem des Handels, nicht der Landwirtschaft“, so Kraxberger. Die Bezirksbauernschaft plant eine Ausstellung zum Wert der Lebensmittel, die bis Ende des Jahres in den Schulen im Bezirk ausgestellt werden soll. „Wir müssen schon bei den Kindern anfangen, klarzumachen, wie viel Arbeit und Ressourcen in der Lebensmittelproduktion stecken“, erklärt Kraxberger. Spiegelbild der Gesellschaft „Solche Bilder tun jedem Bauern weh“, meint auch Grieskirchens Bezirksbauernobmann Martin Dammayr: Lebensmitteln, die von den Landwirten nach strengsten Kriterien produziert wurden, werden einfach weggeworfen. Neben einer Geringachtung der Schöpfung sieht Dammayr auch hier ein gesellschaftliches Thema. „Welche Werte vertreten wir, wenn mit Produkten aus lebendigen Tieren so umgegangen wird?“, fragt Dammayr. Auch die Billigpreispolitik verstärke die Tendenz zum Lebensmittel-Wegwerfen. „Aus den Fugen geraten“ Landwirtschaftskammer OÖ-Präsident Franz Waldenberger zu den Tips: „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Das tut jedem Bauern im Herzen weh, wenn er hochwertige Produkte herstellt und sie dann weggeschmissen werden. Das ist ein Zeichen eines aus den Fugen geratenen Ernährungssystems.“„Es ist erschütternd zu sehen, was letztlich mit den hochqualitativen Erzeugnissen der heimischen Landwirtschaft passiert, wenn sie nicht im Supermarkt verkauft oder im Privathaushalt konsumiert werden“, erklärt Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger. Auch Landesbäuerin Johanna Haider findet hierzu deutliche Worte: „Es ist schockierend, dass unsere wertvollen Lebensmittel auf dem Müllberg liegen. Das ist keine Wertschätzung gegenüber den Produkten, die wir Bauern erzeugen.“ Vermeidbarer Lebensmittelabfall großteils im privaten Haushalt Auch wenn aktuell über die Verschwendung von Lebensmitteln in Supermärkten gesprochen wird: Rund 60 Prozent des vermeidbaren Lebensmittel-Abfalls in Österreich fallen im privaten Haushalt an, rund 20 Prozent im „Außer-Haus-Verzehr“ und nur neun Prozent im Supermarkt und Großhandel. Laut Initiative „Land schafft Leben“ liegt die Summe der vermeidbaren Lebensmittelabfälle (landwirtschaftliche Produktion ausgenommen) geschätzt bei rund 900.000 Tonnen jährlich in Österreich. Missverständnis mit Mindesthaltbarkeitsdatum Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger setzt auf regionale, hochwertige Produkte, wenn es darum geht, der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Ursachen für Lebensmittelverluste sind vor allem mangelnde Einkaufsplanung, falsche Lagerung und Haltbarmachung. Oft werden auch die Mindesthaltbarkeitsangaben nicht richtig aufgefasst.Anders als beim Verbrauchsdatum ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) kein „empfohlenes Wegwerfdatum“. „Der Konsument muss sich auch die Frage stellen, ob das Produkt tatsächlich weggeschmissen werden muss. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, schau ich mir das Produkt an. Ich mache es auf und rieche daran, oder koste es. Es ist ja nicht schlecht, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde“, so auch Landesbäuerin Johanna Haider. Tipps, wie Lebensmittelverschwendung verhindert werden kann Wie Lebensmittelabfälle vermieden werden können, wissen die Umweltprofis des OÖ. Landesabfallverbandes mit ihrer Initiative „Is nu guat“. Beim Einkaufen empfehlen die Profis, einen Einkaufszettel zu schreiben und die Vorräte im Vorhinein zu überprüfen. Außerdem soll man zu Großpackungen nur dann greifen, wenn man sie wirklich braucht und Angebote bzw. vermeintliche Schnäppchen immer hinterfragen. Nicht hungrig einkaufen gehen! Auch die richtige Lagerung der Lebensmittel zu Hause ist wichtig. Mehr dazu: www.isnuguat.at. In Eferding hat sich ein Ableger der Plattform „Foodsharing“ gegründet. Die Mitglieder retten Lebensmitteln und privaten Haushalten und Betrieben.<


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