Hoffisch in Pötting: 70 Tonnen Afrikanischer Raubwels
PÖTTING. Was 2016 als kleines Projekt am Bauernhof der Schwiegermutter begann, ist heute ein moderner Fischzuchtbetrieb mit regionalem Vertrieb: Gemeinsam mit seiner Frau Kathrin legte Christoph Rott den Grundstein für den Betrieb. Damals wurde die Anlage noch neben den Vollzeitberufen und dem Hausbau betrieben.

„Mit Beruf, Familie und Fischzucht war das auf Dauer einfach nicht mehr machbar“, erzählt Rott. Deshalb fiel schließlich die Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Er kündigte seine Stelle als Gärtner und gründete 2023 gemeinsam mit seinem Bruder Markus die Hoffisch GmbH. Da die Kapazitäten ausgeschöpft waren, wurde auf einem Eigengrund ein Neubau errichtet. Sein Bruder Markus, technischer Zeichner, war maßgeblich an der Planung und Umsetzung des Projekts beteiligt.
Weniger Sauerstoff
Gezüchtet wird ausschließlich Afrikanischer Raubwels (Clarias gariepinus) – eine Fischart, die sich besonders gut für Kreislaufanlagen eignet. Einer der größten Vorteile: Der Wels kann zusätzlich atmosphärische Luft aufnehmen und benötigt daher deutlich weniger technischen Sauerstoff als viele andere Speisefische.
Schlachtgewicht
Die Jungfische werden mit rund zehn Gramm Gewicht von österreichischen Züchtern bezogen. Bereits nach sechs bis sieben Monaten erreichen sie mit 1,3 bis 1,6 Kilogramm ihr Schlachtgewicht. Sie sind dann 60 bis 70 Zentimeter groß. Zum Vergleich: Eine Forelle benötigt bis zur Portionsgröße von rund 300 Gramm circa zwölf bis 14 Monate.
Die Anlage umfasst derzeit 20 Mastbecken sowie drei Becken für die Aufzucht der Jungfische. Ausgelegt ist der Betrieb auf eine Jahresproduktion von 50 bis 70 Tonnen Fisch.
Gefüttert werden die Welse mit speziell entwickeltem Fertigfutter. Verarbeitet werden sie direkt am Betrieb – vom Schlachten über das Häuten bis zum Filetieren.
Hofladen
Das enthäutete und entgrätete Welsfilet kostet im Hofladen unter 30 Euro pro Kilogramm. Ein Großteil der Produktion geht jedoch nicht an Privatkunden, sondern an Betriebs- und Gemeinschaftsküchen, darunter Krankenhäuser, Schulen, Altersheime und Betriebskantinen. Darüber hinaus ist der Fisch in mehreren regionalen Lebensmittelgeschäften, beispielsweise in Haag, Bad Schallerbach, Hofkirchen, Sankt Marienkirchen, Eferding und Hartkirchen, sowie auf den Bauernmärkten in Kallham, Pram und Taufkirchen erhältlich.
Neben der Fischzucht betreibt Hoffisch einen Hofladen mit Produkten wie Fleisch, Wurst, Milchprodukten, Säften und Wein von regionalen Erzeugern.
Jeden Freitag öffnet außerdem die hofeigene Gastronomie ihre Türen. Dort stehen vier bis fünf Fischgerichte auf der Speisekarte. Neben dem eigenen Wels werden je nach Angebot zum Beispiel auch Saibling, Muscheln oder österreichische Garnelen serviert. Christoph Rott steht dabei selbst am Herd.
Bei Hoffisch gibt es regelmäßig Führungen durch die Fischzucht mit anschließendem Essen, insbesondere für Vereine, Schulklassen oder landwirtschaftliche Fachgruppen.
Hoher Energiebedarf
Die Fischzucht in einer geschlossenen Kreislaufanlage bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich. Vor allem der Energiebedarf ist hoch. Die Becken müssen ganzjährig auf 26 bis 28 Grad Celsius beheizt werden. Die Wärme stammt aus einer Hackschnitzelheizung, den Strom bezieht der Betrieb über eine Energiegemeinschaft.
Der Betreiber beobachtet einen langsamen, aber stetigen Trend zu mehr Fischkonsum in Österreich. „Das sieht man auch in der Statistik Austria. Der Trend ist da, auch in Österreich, obwohl wir nicht die traditionellen Fischesser sind. Und es gibt regionale Unterschiede“, sagt Rott. Der Markt wird aber nach wie vor von Importware dominiert – allen voran Lachs.
Regionale Alternative
Mit dem afrikanischen Wels möchte Hoffisch eine regionale Alternative anbieten. Der Fisch überzeugt laut Rott durch seinen milden Geschmack, sein festes Fleisch und den großen Vorteil, dass die Filets praktisch grätenfrei sind. Er eignet sich gut zum Grillen oder für Fischwürfel in Pfannengerichten.
Herausforderung
Ein Wasserschaden stellte den Betrieb im Frühjahr vor große Herausforderungen. Ein gebrochenes Rohr beschädigte die Verarbeitungsräume, wodurch Böden und Wände saniert werden mussten. Die Fischzucht selbst blieb jedoch unversehrt.
Bereut hat Rott den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. Im Gegenteil: Auch wenn er heute wahrscheinlich manches anders machen würde, würde er sich jederzeit wieder für die Fischzucht entscheiden.


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