Franz Wohlmair ist die neue Spitze der Peuerbacher Landwirte
PEUERBACH. Es war wohl die größte Überraschung der heurigen Landwirtschaftskammer-Wahl: In Peuerbach erreichte der Unabhängige Bauernverband (UBV) mit 51 Prozent die absolute Mehrheit im sonst vom Bauernbund dominierten Ressort. Damit kann der UBV auch den Ortsbauernobmann stellen. Der 37-jährige Franz Wohlmair ist der neue Mann an der Spitze der Peuerbacher Landwirte. Im Tips-Interview spricht er über Reformen, „Suderei“ und Zukunftsvisionen.

Tips: Was sind Ihre Ziele als Ortsbauernobmann?
Franz Wohlmair: Neben Veranstaltungen, die die Kommunikation und Zusammengehörigkeit unter den Landwirten fördern, möchte ich auch die Möglichkeit zur Fortbildung bieten. Natürlich sehe ich mich auch als Bindeglied zwischen Landwirten und Bezirksbauernkammer und werde Informationen in beide Richtungen teilen. Nebenbei gibt es die Möglichkeit, über unsere Landwirtschaftskammerräte Vorschläge nach ganz oben zu tragen.
Welche Veränderungen, Reformen, Neuerungen sind in der Landwirtschaft Ihrer Meinung nach unbedingt erforderlich?
Das Wichtigste ist, dass die Bauern von ihrem Einkommen auch wieder richtig leben können. Den Einkommensverlust immer wieder durch Produktionsverdoppelung auszugleichen, ist nicht sinnvoll. Es kann nicht sein, dass die Bauern durch immer noch mehr Arbeitsstunden den Einkommensverlust ausgleichen müssen. Wie der offizielle grüne Bericht gezeigt hat, liegt der durchschnittliche Stundensatz in der Landwirtschaft bei fünf Euro. Auch die Landwirte haben wie andere Berufsgruppen das Recht auf gerechte Entschädigung für ihre Leistung und es ebenfalls verdient, ein paar Stunden für Freizeit und Familie zu haben.
Wie hat sich die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten verändert?
Die Landwirte müssen immer mehr mit dem internationalen Wettbewerb mithalten. Während einerseits die Qualitätsstandards und das Tierwohl erhöht werden, sollen andererseits die Produktionskosten auf ein Niveau von Billigstländern reduziert werden. Rohstoffe der Landwirtschaft wie Düngemittel, Diesel oder auch technische Geräte und Maschinen werden durch die Inflation jährlich teurer, nur die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden gegen die Inflation sogar noch immer billiger. Viele Bauern haben sich durch gezielte Betriebsausrichtung und Produktionsoptimierung auf die Situation eingestellt, aber auch hier sind Grenzen gesetzt. Um die Kosten gering zu halten, ist ein Landwirt heutzutage nebenbei auch noch Landmaschinenmechaniker, Baumeister, Elektriker, Installateur und vieles mehr - das gehört sicher auch zu den Herausforderungen im Strukturwandel.
Oft hört man große Unzufriedenheit unter den Landwirten - die berühmte „Bauern-Suderei“. Geht es den Landwirten wirklich so schlecht?
In unserem Berufsstand wird eventuell zu oft durch Jammern - sogenannte Suderei - die Unzufriedenheit nach außen getragen. Tatsache ist aber, dass seit EU-Beitritt mehr als die Hälfte der Landwirte das Handtuch geworfen und den Betrieb stillgelegt hat. Das machten sie nicht ohne Grund. Landwirt ist kaum ein Beruf, den man zur Berufsausbildung wählt und dann damit startet. Es ist vielmehr ein Beruf, in den man schon geboren wird, in dem man von klein auf zuhause mitarbeitet. Somit ergibt sich auch die große Verbundenheit zum Betrieb und das Streben, ihn keinesfalls aufgeben zu wollen. Die meisten stillgelegten Betriebe ergeben sich daher aus einer Aussichtslosigkeit der Einkommenssituation (was auch immer wieder Hofübernahmen in Frage stellt) und nicht daraus, dass die bäuerliche Arbeit an sich abgelehnt wird.
Was ist konkret in Peuerbach Ihrer Meinung nach möglich und machbar im Bereich der Landwirtschaft?
Eine Alleinstellung in Peuerbach ist zum Beispiel das 4722-Bodenständig Körberl. Hier haben Landwirte die Möglichkeit, in kleinem Rahmen in die Direktvermarktung einzusteigen, ohne gleich in einen eigenen Hofladen investieren zu müssen. Grundsätzlich liegt Peuerbach im Grenzgebiet zwischen Milchwirtschaft und der ackerbetonten Schweinehaltung - somit ist alles möglich und verschiedenste Ausrichtungen sinnvoll.
Wie sehen Sie die Zukunft der Landwirtschaft?
Das wird unter anderem von den Weichen abhängen, die in den nächsten Jahren gestellt werden. Wenn der Weg weiter in Richtung Freihandelsabkommen und Verlagerung zu günstigsten Produktionskosten geht, wird der Landwirtschaftliche Familienbetrieb der Vergangenheit angehören. Stattdessen würden nur mehr wenige Großbetriebe die Produktion umsatzorientiert übernehmen. Diese Variante ist aber sicher auch für den Konsumenten die schlechteste. Wenn wir es schaffen, den hohen österreichischen Standard auch mit fairen Preisen für die Erzeuger im Markt zu platzieren, können wir mit Sicherheit auf unsere Bauern zählen. Sie werden die Eigenversorgung im Land absichern und für kurze Transportwege sorgen. Diese Regionalität kommt nicht zuletzt dem Konsumenten zugute. Bis zu einem gewissen Ausmaß wird auch die Direktvermarktung als zweites Standbein die Möglichkeit bieten, ein Zusatzeinkommen zu erwirtschaften.


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