Die Dirndlweiber aus Großdietmanns
GROSSDIETMANNS. Eine Gruppe gleichgesinnter Frauen aus der Gemeinde hat für ein karitatives Projekt einen speziellen Kräutertee gemischt. Sie nennen sich die Dirndlweiber. Tips Redakteur Erich Schacherl hat eine der Damen besucht und nachgefragt.
Von ERICH SCHACHERL

„Angefangen hat die Geschichte mit der Dietmannser Tracht vor zirka dreieinhalb Jahren“, erzählt Silvia Friedl. Sie lebt in Hörmanns, einer Katastralgemeinde von Großdietmanns und ist eine aus einer Gruppe von etwa dreizehn Frauen, die sich selbst die Dirndlweiber der Marktgemeinde Großdietmanns nennen. Damals wurde in Zusammenarbeit mit der Volkskultur Niederösterreich eine eigene Tracht entworfen. Maßgeblich an den Näh- und Schneidereiarbeiten beteiligt waren die Mitglieder der „Dirndl-Näh-Gruppe“. „Wir sind kein Verein, sondern eine Gruppe gleichgesinnter Frauen“, erzählt Silvia Friedl.
Tracht
Auf der Website der Gemeinde erläutern die Damen ihre Absichten folgendermaßen: „Das Interesse an Tracht, die für Tradition und Gemeinschaft steht und Generationen verbindet, die Ausformung mit individueller Gestaltungsmöglichkeit innerhalb der vorgegebenen Richtlinien (keine Uniformierung), die individuelle Beteiligung bei der Fertigstellung des eigenen Kleidungsstückes, das gemeinschaftliche Arbeiten im Rahmen von Nähkursen und Nähtreffen und zukünftige gemeinsame Auftritte ist der ganzheitliche Ansatz, dem sich die Dirndl-Näh-Gruppe verbunden fühlt“.
Was Gutes tun
„Von Anfang an war im Hinterkopf immer die Idee, auch was Gutes zu tun“, erzählt Silvia Friedl weiter. Ein Fernsehbeitrag über eine Gruppe Vorarlbergerinnen, die für einen karitativen Zweck einen eigenen Kräutertee gemischt haben, blieb bei ihr im Gedächtnis hängen. „Ich hab` darüber einige Zeit nachgedacht, anschließend mit meiner besten Freundin gesprochen und auch ihr hat die Idee gefallen. Dann haben wir mit den anderen Frauen der Dirndl-Näh-Gruppe geredet“, erinnert sie sich.
Dirndlweiber
Der Name „Dirndlweiber“ ist übrigens erst vor etwa eineinhalb Jahren entstanden. Und das war nicht so einfach, wie sich Silvia erinnert: „Einige von uns haben damals festgestellt, dass uns die Bezeichnung „Dirndl-Näh-Gruppe“ nicht mehr wirklich gefällt. Wir sind auf die Idee gekommen, uns Dirndlweiber zu nennen. Davon waren dann einige andere aus der Gruppe nicht so begeistert. Die Bezeichnung „Weiber“ hat ja irgendwie einen negativen Beigeschmack, obwohl das früher ja nicht der Fall war. Schließlich hat der neue Name dann für alle gepasst, seither sind wir die Dirndlweiber“. Der Idee mit einem Kräutertee für einen guten Zweck konnten alle Frauen der Gruppe etwas abgewinnen. Fachliche Hilfe holte sich Silvia Friedl bei der Kräuterspezialistin Eunike Grahofer aus Waidhofen. Spezielle Teemischung“Ich habe Eunike von der Idee erzählt. Sie hat sofort zugesagt uns dabei zu unterstützen“, freut sich Silvia.
Kräuterspezialistin Eunike Grahofer
Das machte die Waidhofner Kräuterfrau einerseits durch die Teemischung, die sie zusammenstellte – es handelt sich dabei um eine spezielle Mischung mit Beifuß, Brombeerblättern, Frauenmantel, Melisse, Ringelblume, Schafgarbe, Erdbeerblätter, Lindenblüten, Löwenzahn, Kornblume, Rosenblüten und Rotklee - und durch die vielen Tipps, die sie den Frauen gab, was Anbau der Kräuterpflanzen, Trocknen, Ernte und so weiter betraf. Denn sämtliche Zutaten des Tees haben die Dirndlweiber selbst gesammelt, manche sogar eigens angebaut. „Die Kräuter des Tees stammen zum Teil aus unseren Gärten, Ringelblumen haben wir extra angebaut, der Frauenmantel wurde in den umliegenden Biowiesen gesammelt, die Brombeerblätter kommen aus dem Wald in der Nähe und so weiter“, erzählt Silvia.
Erfolgreiche Präsentation
Nach mehr als einem halben Jahr Arbeit wurde der Dirndlweibertee Ende August 2017 abgepackt, bereits einige Tage später im Rahmen einer Veranstaltung in der Waldschenke in Kurzschwarza der Öffentlichkeit vorgestellt. „Es war eine gelungene Präsentation“ erinnert sich Silvia mit Freude zurück. Fast die Hälfte der knapp 200 Teepackungen die insgesamt abgefüllt worden waren, wurden gegen freie Spenden abgegeben. Ein voller Erfolg.
Karitatives Projekt
Zwischenzeitlich sind fast alle Teepackungen weg. In einigen Wochen wird feststehen, wie viele Spenden gesammelt werden konnten und wem geholfen wird. „Es wird sicherlich eine in eine Notsituation geratene Familie oder Person aus der Region Oberes Waldviertel sein. Wer genau, weiß ich jetzt noch nicht“, erklärt Silvia Friedl. Auch wenn es keinen Tee mehr gibt, steht sie für Fragen betreffend die Dirndlweiber gerne zur Verfügung. „Bei uns kann jeder mitmachen, einzig die Begeisterung für Tracht gehört dazu“.
Weitere Informationen bei Silvia Friedl unter 0664/5592019


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