Bürgermeister im Interview: „Bin ein g‘rader Michl“
GROSSGÖTTFRITZ. Ruft man im Gemeindeamt Großgöttfritz an, ist es meist Bürgermeister Johann Hofbauer, der das Telefonat entgegennimmt. Schon seit 1990 ist er die erste Ansprechperson und damit der längst amtierende Bürgermeister im Bezirk. Tips hat mit ihm über berufliche Herausforderungen gesprochen und auch um einen privaten Einblick gebeten.

Tips:Was war Ihre Motivation, damals mit 30 Jahren, das Amt anzunehmen?
Hofbauer: Ich war bereits bei der Jungen ÖVP politisch interessiert und sehr engagiert, dann folgten fünf Jahre im Gemeinderat als Jugendvertreter und jetzt sind 27 Jahre Bürgermeister daraus geworden.
Tips:Wie hat sich das Amt des Bürgermeisters, Ihrer Erfahrung zufolge, entwickelt?
Hofbauer: Die Herausforderungen sind wesentlich größer geworden, heute ist alles komplizierter, es muss nach Punkt und Beistrich gehen – das war in den 90er Jahren noch nicht so extrem der Fall. Da war alles noch ein wenig gemütlicher und lockerer. Es ist längst nicht nur mehr Repräsentationsarbeit, man schlägt sich viele Stunden mit Gesetzestexten und Paragraphen herum, das heißt, man sollte auch juristisch bewandert sein. Damals hatte man eine Bauordnung vom Jahre 1976, heute haben wir eine Bauordnung von 2015 mit zig Novellen, die sich innerhalb kürzester Zeit wieder ändern. Der zeitliche Aufwand, die Verantwortung und die Komplexität sind nicht zu unterschätzen. Als Bürgermeister solltest du zudem ein halbwegs guter Rhetoriker sein und im besten Falle auch ein Psychologe und Manager.
Tips:Was sind die schönen Seiten in dem Beruf?
Hofbauer: Ich bin auf die sehr gute finanzielle Lage der Gemeinde sehr stolz. Wir befinden uns, was die Bonität betrifft, unter den zehn besten Kommunen Österreichs und zählen zu den Top drei in Niederösterreich. Es ist so wie in einer Familie, jeder Euro wird ein paar Mal umgedreht, auch wenn manche das vielleicht als knausrig bezeichnen mögen.
Tips: Wie würden Sie Ihre Gemeinde beschreiben?
Hofbauer: Es ist eine Gemeinde, wo noch alle an einem Strick ziehen, wo gute Vereinsarbeit geleistet wird und wo es noch viel freiwilliges Engagement von der Bevölkerung gibt. Zudem ist die elementare Infrastruktur noch gegeben, nicht zuletzt bin ich stolz auf unsere Leitbetriebe sowie auf eine Reihe von Mittel- und Kleinbetrieben.
Tips:Was bedeutet Ihnen Ihre Gemeinde?
Hofbauer: Die steht bei mir an oberster Stelle. Wenn es Probleme gibt, dann bin ich da. Meine Familie muss oft zurückstecken, sie braucht viel Verständnis für das Amt. Wenn man sich wirklich 100prozentig einbringt, darf man auf keine Uhr schauen, auch nicht am Samstag oder Sonntag. Es gibt schon Wochen, wo es keinen einzigen freien Abend gibt.
Tips: Wie würden Sie sich selber beschreiben?
Hofbauer: Ich glaube, dass ich ein sehr genauer Mensch bin, der bemüht ist, objektiv zu handeln. Handschlagqualität schätze ich über alles. Ich würde mich als „g“raden Michl“ bezeichnen, der aber nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen muss.


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