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GRÜNAU. Im Rahmen des Biologicum Almtal, das heuer den Zusammenhängen von Biologie und Verstand nachspürte, diskutierten Vertreter von Buddhismus, Islam und Christentum darüber „wie Religionen denken“.

V. l.: Moderator Gerhard Pirner, Birgit Meiche, Afsaneh Gächter und Dominik Markl
V. l.: Moderator Gerhard Pirner, Birgit Meiche, Afsaneh Gächter und Dominik Markl

Für den Biologen Kurt Kotrschal, Leiter des Biologicums, ist der „Glaube an die Beseeltheit“ eines der Kennzeichen für den Beginn der Menschheitsentwicklung – etwas, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Die Frage, wie die Religionen das Denken beeinflussen, sahen die Diskutanten in Grünau differenziert: Während der Jesuit Dominik Markl, Professor für Exegese der Hebräischen Bibel in Rom, betonte, dass sich jeder etwas für sich aus der Religion holt, Religion aber kein „Denksystem“ an sich sei, sieht Birgit Meiche, eine in Scharnstein praktizierende Buddhistin, durch ihren Glauben im Lauf der Zeit Veränderungen in ihrem Denken. Der tibetanische Buddhismus sehe sich nicht nur als Religion sondern als „Wissenschaft des Geistes“ und wolle helfen, „die Realität wie sie ist“ zu erkennen. Das stabile Selbst sei in dieser Sichtweise „der Irrtum schlechthin“, so Meiche.

Nebeneinander mehrerer Identitäten

Ihr sei erst in Österreich bewusst geworden, wie Religion und Kultur das Denken beeinflussen, so Afsaneh Gächter. Die gebürtige Iranierin setzt sich wissenschaftlich mit geschichtlichen Zusammenhängen von Österreich und dem Iran auseinander. In Anlehnung an einen iranischen Philosophen sieht sie in einer „Verbindung von technologischem und spirituellem Denken“ eine Möglichkeit, eine gemeinsame Basis zu finden. Für den Iran konstatiert Gächter ein Nebeneinander mehrerer Identitäten: geprägt durch die alte, vorislamische persische Kultur ebenso wie durch die moslemische Religion und durch die moderne Welt.

Zur Frage, ob Religionen zu einer „Geistesverliebtheit“ und einer „Abspaltung von der Tierwelt“ führe, betonte Dominik Markl die hohe Sicht auf die Tiere in der Schöpfungsgeschichte. Auch die Umweltenzyklika von Papst Franziskus zeige die Verbundenheit von Mensch und Tier. Für Afsaneh Gächter liegen viele der Probleme in der Auseinanderentwicklung von Natur- und Geisteswissenschaften und Birgit Meiche verwies auf eine Aussage ihres Religionsgründers: „Der Buddha hat gesagt: Jedes Wesen sucht nach dem Glück. Das gilt für Menschen und Tiere.“

Biologicum Almtal

Das Biologicum Almtal versammelte heuer bereits zum zweiten Mal Wissenschafter und interessierte Laien aus den verschiedensten Fachbereichen in Grünau. Unter Leitung von Professor Kurt Kotrschal werden zentrale Themen der modernen Biologie behandelt – im kommenden Jahr steht „Fressen und gefressen werden“ auf dem Programm.


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