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GUTAU. Richtig lebendig wird die Steinzeit, wenn man den Archäologen Josef Engelmann und Sayuri De Zilva begegnet. In Kursen geben sie ihr Wissen über jahrtausende alte Handwerkstechniken weiter. Tips hat sich angeschaut, wie die Menschen früher gelebt haben.

  1 / 2   Die Archäologen Josef Engelmann und Sayuri De Zilva zeigen die faszinierende Welt der Steinzeit. Fotos: Wiesinger

Man kann sich das Leben vor mehreren 100.000 Jahren bildlich vorstellen, wenn Josef Engelmann und seine Lebensgefährtin Sayuri de Zilva über ihre Leidenschaft sprechen. Während des Erzählens dreht Engelmann eine Schnur aus Faserhanf, eine Feuerstelle raucht vor sich hin und steinzeitliche Messer und altes Werkzeug liegen ausgebreitet auf einem kleinen Tischchen. „Wir wollen den Leuten vermitteln, dass die ersten Menschen alles andere als dumm waren. Es gab sogar schon vor 120.000 Jahren einen Steinzeitklebstoff! Es wurden Waffen hergestellt und Kleidung getragen“, erzählt der Gutauer. Bei ihren Kursen – der erste in Österreich, fand am Wochenende in Gutau statt – lassen sie die Teilnehmer selbst begreifen und erarbeiten, wie in der Steinzeit gebastelt wurde. „Durch das Beschäftigen mit der Hand kommt man gedanklich in diese Zeit rein. Man erfährt, wie sich die Steinzeitmenschen verhalten haben, wenn etwas nicht geklappt hat, weil man es ja selbst erlebt hat. Dadurch kann man dieses Gefühl und das Wissen besser weitergeben“, sagt De Zilva.

Techniken begreifen

Der Feuerstein kommt von der Ostsee, Klingen werden mit Echtgeweih-Schlägel herunter geschlagen, die Griffe werden mit dem Stein geschnitzt und beides mit Kleber aus Bienenwachs, Öl und Harz zusammen gesetzt. Beim Schleifen und bearbeiten kommt kein Schleifpapier zum Einsatz, die Schnüre werden aus Hanf oder Brennnessel selbst gedreht, der Feuerstein scharf geschliffen. „Wir wollen dadurch das Wissen, das wir im Studium erlernt haben, selbst begreifen. Wir wollen die Menschen dahinter sehen“, sagen die Archäologen. „Wenn wir heute einem Frühmenschen begegnen würden, würden wir in hellwache Augen schauen. Diese Menschen haben die Natur ganz anders wahrgenommen, waren aber ausgesprochen intelligent“, ist sich Engelmann sicher.

In der Vergangenheit graben

Mumien und Riesen-Statuen, wie zuletzt in Kairo werden vielleicht nicht allzu oft ausgegraben, trotzdem ist die Arbeit eines Prähistorikers hochinteressant. „Wir beschäftigen uns mit der Vergangenheit, dem Müll und den Kulturhinterlassenschaften sowie den Handwerkstechniken der Ur- und Frühgeschichte. Ungefähr vom Anfang der Menschheit bis zur Zeit Karl des Großen reicht unser Betätigungsfeld“, sagt die Goldschmiedin. „Im Studium finden sich aber schnell Schwerpunkte, meiner war die Kupferbearbeitung.“ Archäologen arbeiten in Museen, als Kulturvermittler und vielen anderen Bereichen. Engelmann und De Zilva wollten die Kulturvermittlung mit der Praxis verbinden. „Gerade für Kinder ist das ein besonderes Erlebnis, etwas Ursprüngliches. Wir beschränken uns bei den Kursen wirklich auf Techniken und Hilfsmittel, die es zu dieser Zeit schon gab. Zum Beispiel schneiden wir nicht mit Motorsägen oder schleifen mit Schmiergelpapier, das regt die Fantasie an und es ist total spannend, in diese frühen Zeiten abzutauchen“, sagen die Archäologen. „Wir wollen beweisen, dass man auch früher schon alles machen konnte, aber es dauert halt. Geduld spielt eine wichtige Rolle.“

Näheres auch hier: www.element-und-artefakt.com


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