Massiver Protest gegen Mobilfunkmast

Norbert St. Mottas Norbert St. Mottas, Tips Redaktion, 07.08.2019 16:14 Uhr

STADT HAAG. Ein Mobilfunkmast, den die ÖBB in Haag errichten will, sorgt für massiven Protest. Die Bürgerinitiative organisierte eine Demonstration nahe der Baustelle.

STADT HAAG. Vor einem Jahr wurde in Haag mehr durch Zufall bekannt, dass angrenzend zum Freizeitzentrum auf ÖBB Grund die Errichtung einer Mobilfunkanlage geplant ist. Schnell formierte sich der Widerstand und eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die gegen den Mast ankämpft und eine Unterschriftenkampagne startete. Innerhalb von zwei Wochen hatten 1200 Wahlberechtigte unterschrieben.

Strahlung

Ihre Bedenken gegen den Mobilfunktmasten, der drei österreichischen Funkanbieter mit neun Sendediensten bedient, beschreibt Petra Königshofer, die Sprecherin der Bürgerinitiative so: „Die technischen Grenzwerte, auf welche sich die Industrie beruft, geben ja ausschließlich Auskunft über die Erwärmung (Leistungsflussdichte in WATT) durch Mikrowellen. Mobilfunk-Mikrowellen sind hochfrequente, nicht natürliche Strahlungen, die den menschlichen Organismus bereits bei relativ geringer Stärke irritieren. Für diese künstliche Belastung hat der Mensch (die Lebewesen) keine angeborenen Warn-Sensoren, daher spürt er die Folgen oft erst dann, wenn bereits ein Schaden im Körper entstanden und sichtbar wird. Im Zusammenhang mit Mobilfunk darf nicht nur auf die Techniker gehört werden, sondern auch auf die Mediziner, welche mit ihrer Messtechnik Veränderungen im Hormonsystem, im Nervensystem, in der Zelle und der DNA feststellen können.“

Als Rückschlag sieht die Bürgerinitiative den § 90 Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Amstetten zwecks Aufstellung der Funkspinne. Als voraussichtlichem Termin der Aufstellung wurde der 6. August 2019 angegeben.

100 Personen und 1200 Fotos

Zu diesem Termin lud die Bürgerinitiative zu einer Demonstration bei der zirka 100 Personen physisch anwesend waren. Und 1200 Personen waren in Form von Fotos, die auf Fotobahnen montiert waren, anwesend.

Allerdings wurde der Mast an dem Tag nicht errichtet. Petra Königshofer „Warum die ÖBB ihren Aufstelltermin verschoben haben, wissen wir nicht. Dass die Thematik bei den Haagern aber nach wie vor ein brennendes Thema ist, bewies das große Interesse an der Demonstration.“ Königshofer erwähnte auch, dass gerade jetzt - im Hinblick auf den 5G Ausbau - die Errichtung dieses Mastens sehr bedenklich sei. „Denn die alte Bundesregierung hat beschlossen, dass die Mobilfunkanbieter für den 5G Ausbau alle öffentlichen Bauten und auch ÖBB-Bauten nutzen dürfen.“ Der aktuelle §90 Bescheid der BH hat die Bürgerinitiative und Anrainer zu einer Anzeige veranlasst. Ebenfalls wurden mehrere Anträge von betroffenen Haager an den anwesenden Bürgermeister Lukas Michlmayr (ÖVP) als Baubehörde I. Instanz übergeben.

ÖBB sieht keine Gefahr durch Mobilfunkstrahlung

Die ÖBB sieht die Causa anders gelagert: Die Verbesserung der Mobilfunkversorgung im Zug sei ein wichtiger Schritt für die Zukunft des Bahnverkehrs, denn durch das neue System werde höchste Sicherheit bei Notfällen garantiert und darüber hinaus auch die mobile Kommunikation für Fahrgäste verbessert, erklärt der ÖBB Sprecher Karl Leitner. „In diesem Zusammenhang realisiert die ÖBB-Infrastruktur AG 2018 in Haag im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen eine Funk- Anlage. Die Baumaßnahmen wurden durch das BMVIT als Eisenbahnanlage genehmigt und wurden mit der Naturschutzbehörde des Landes NÖ abgestimmt. Zur Umsetzung der Sendestationen wird vorrangig vorhandene Infrastruktur der ÖBB genutzt. Die Antennen werden nur entlang der Bahnstrecke ausgerichtet. Es werden bei dem Mast alle am heimischen Markt agierenden Mobilfunk-Netzbetreiber (T-Mobile, Drei, A1) vertreten sein. Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst und waren deshalb auch bereits mehrmals in Haag, um die Bürger aufzuklären. Ebenso wurden mehrere Anfragen dazu schriftlich beantwortet. Es handelt sich bei den Sorgen großteils um falsche Informationen, die im Zusammenhang mit Mobilfunk verbreitet werden. Diese haben wir versucht richtig zu stellen. Wir werden hier eine Anlage errichten, die genehmigt ist und bei der alle Grenzwerte eingehalten werden.“ Die Aufstellung des Masts wird im Herbst erfolgen.

Unmut kundtun

Köngishofer: „Wir sind chancenlos in einem Rechtsstreit mit der ÖBB. Doch unseren Unmut können trotzdem kundtun und nicht für uns behalten. So hoffen wir, dass sich die ÖBB ihre rücksichtslose “da fährt der Zug drüber„-Politik bald nicht mehr leisten kann. Denn auch ÖBB-Anrainer sind Zugfahrer. Der öffentliche Verkehr wertvoll und uns sehr wichtig, Anbieter wie die ÖBB dürfen aber keinen Freibrief für unmenschliches und unkorrektes Handeln haben.“

 

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Kommentare

  1. Ein Betroffener
    Ein Betroffener09.08.2019 18:12 Uhr

    Unwahrheit - Ich kenne diesen Fall sehr gut und muß feststellen, dass der Pressesprecher der ÖBB die Unwahrheit sagt. Es hat im September/Oktober 2018 eine mündliche Zusammenkunft mit ÖBB, Gemeinde und Bürgerinitiative gegeben. Dabei wurde uns die ganze Mobilfunkanlage als Rückfallebene für Notfälle bei Ausfall des internen Bahnfunks präsentiert. Auf die Frage: Auf welcher gesetzlicher Grundlage die ÖBB ermächtigt sind, so eine Anlage zu errichten? - Gab es nur die Antwort: Wir dürfen das. Darauf stellte die Bürgerinitiative an die ÖBB die schriftloiche Anfrage, um Bekanntgabe der gesetzlichen Grundlage dafür. - Bis heute keine Antwort! In Nettingsdorf (OÖ) solle auch so eine Funkanlage errichtet werden. Dort wurde an das BMVIT das Ersuchen um eine Bescheidausstellung getätigt - bis heute ebenfalls keine Antwort.

  2. Handy123
    Handy12307.08.2019 17:20 Uhr

    Funkmast Stadt Haag - Vielleicht sollte man der "ich bin gegen Alles" Fraktion amoi übungsweise de Gandys fir a poar Tage wegnehmen...zum Nachdenken

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