Da muss ich was tun
HEIDENREICHSTEIN. Christa Binder hat vor zwei Jahren die „Initiative DonnerstagsTreff“ ins Leben gerufen. Jeden Donnerstag hilft sie mit Gleichgesinnten Asylwerbern beim Lernen der deutschen Sprache. Tips sprach mit der engagierten Pensionistin über das Projekt.
von ERICH SCHACHERL

Als im November 2014 in Heidenreichstein ein Informationsabend zum Thema Flüchtlinge und Asylwerber stattfand, war Christa Binder dabei. Sie erinnert sich noch sehr gut: „Es waren zirka 60 Personen dort. Nach einem Vortrag über die gesamte Problematik gab es eine Diskussion, bei der viele Ängste, Vorbehalte, falsche Ansichten und Skepsis zu Tage gekommen sind. Ich hab mir das angehört und mir ist ganz anders geworden. Und ich wusste, da muss ich etwas tun, sonst wird das nicht funktionieren.“
Kennen lernen
Was das sein sollte, war ihr sofort klar: „Ich hatte die Idee, die Leute aus Heidenreichstein mit den Flüchtlingen zusammenzubringen. Wenn Menschen einander kennen lernen, werden Vorurteile entkräftet. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen nett und dankbar sind, wenn man ihnen freundlich begegnet. Probleme gibt es dann, wenn man ihnen mit Ängsten und Vorbehalten kommt und um das abzubauen, habe ich mir gedacht, die sollen sich kennen lernen können“, erklärt sie.
Im Gespräch mit dem Betriebsseelsorger Karl Immervoll ergab sich die Idee, als Ort der Begegnung den Pfarrhof in der Stadt zu nutzen. So kam es dann auch. Noch im selben Monat fand der erste „DonnerstagsTreff“ statt. Sieben Personen waren dabei, vier Helfer und drei Flüchtlinge. Nicht viel und ein wenig ernüchternd. „Das war ein Anfang, aber ob das wirklich funktionieren wird, wusste ich damals nicht“, erzählt Christa Binder.
Deutsch lernen
Natürlich machte sie weiter. Flyer wurden verteilt, die Leute begannen zu reden und bald schon hatte sich die anfängliche Zurückhaltung gelegt. „Es kamen immer mehr Einheimische und auch mehr Asylwerber“, schildert sie. Mit Tee, Kaffee und Kleinigkeiten zum Essen schuf sie bei den Treffen eine etwas gemütlichere Atmosphäre, während sich die Anwesenden langsam näher kamen. Aus dieser Situation heraus entwickelte sich der nächste Schritt, den die Initiative setzte. „Mir wurde klar, dass viele Flüchtlinge Deutsch lernen wollen.“ Bereits zwei Monate nach dem ersten Treffen, startete der „Sprachkurs“.
Nicht einfach
Eine nicht einfache Angelegenheit. Mit zweisprachigen Büchern wird gearbeitet, manche sprechen etwas Englisch, das hilft dann auch, vor allem aber sind Improvisation und Geduld wichtig, sowie die Bereitschaft, sich wirklich aufeinander einzulassen. Christa Binder: „Jene Flüchtlinge, die von Anfang an mitgemacht haben, mit denen können wir schon reden, da sind wirklich Fortschritte bemerkbar.“
Es funktioniert
Im September 2016, also gerade einmal knappe zwei Jahre später besuchen regelmäßig zwischen 40 und 50 Personen die Treffen, zwischen zehn und 15 Einheimische und 30 bis 40 Asylwerber. Erwachsene und Kinder sind dabei. Die Kleinen werden mittlerweile auch schon seit über einem Jahr von der Psychologin Manuela Dumendzic und Helferinnen betreut (Tips berichtete). Eine optimale Aufteilung. „Für uns ist das gut, weil wir so in Ruhe mit den Erwachsenen wirklich lernen können“, meint Christa.
Unterschiedliches
Kennenlernen und Begegnung können und sollen von Anfang des Projektes an auch außerhalb des DonnerstagsTreffs stattfinden. Also organisiert sie zusätzlich noch andere Aktivitäten. Die Bühne Heidenreichstein beispielsweise lädt die Flüchtlinge zu den Generalproben neuer Stücke ein. Es gab bereits eine Führung durch die Burg, „das war sehr nett und hat allen sehr gut gefallen“, berichtet die Pensionistin. In Waidhofen besuchte sie mit der Gruppe musikalische Veranstaltungen im Igel. Im Kunstmuseum in Schrems waren sie auch schon.
Weitere Ideen
Ein großer Wunsch von Christa Binder ist es, im Zuge der Initiative DonnerstagsTreff einen Garten oder ein Feld gemeinsam zu bestellen. „Ich weiß, Garteln würde vielen Spaß machen“, ist sie überzeugt. Dann wünscht sie sich „Werkstätten“ zu verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten wie Tischlern oder Schneidern: „Da brauchen wir Leute, die das können und mit den Asylwerbern gemeinsam machen wollen.“ Denn einer Sache ist sie sich absolut sicher: „Wichtig ist, dass sich die Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können.“
Vereinsgründung
Es scheint auch notwendig zu werden, einen Verein zu gründen, denn „das wäre eine Möglichkeit, um Förderungen anzusuchen“. Bisher wird alles ehrenamtlich gemacht und die notwendigen Ausgaben aus eigener Tasche bezahlt. Geplant ist dieser Schritt noch im Herbst. Christopher Pürz, einer der engagierten Helfer, hat sehr treffend auf den Punkt gebracht, worum es geht: „Es ist immer besser, mit den Leuten zu reden, als über sie.“
Initiative DonnerstagsTreff, Christa Binder, 0664/3944811


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