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BEZIRK HORN. Gehetzt auf dem Weg von einem Termin zum anderen kontrolliert die „moderne, dynamische Frau von heute“ kurz die Uhrzeit um zu checken, wie groß die Zeitspanne ist, in der sie den Spross von der Betreuungseinrichtung zum Babysitter bugsieren kann.

Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen erweist sich häufig als Gratwanderung. Foto: Vowe
  1 / 2   Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen erweist sich häufig als Gratwanderung. Foto: Vowe

Solche und ähnliche Szenen gehören gerade für berufstätige Frauen vielerorts bereits zum Alltag.

Vor allem die Sommerzeit zählt zu den „Großbaustellen“. Nicht jede Familie hat das Glück, mit hilfsbereiten, zeitlich flexiblen Großeltern gesegnet zu sein. Doch was tun mit dem Nachwuchs, wenn der Kindergarten im Sommer statt um 17 Uhr bereits um 16 Uhr und am Freitag gar um 14 Uhr schließt? Und wie soll die Zeit überbrückt werden, in der die Betreuungseinrichtung in den Ferien dann geschlossen hat? Viele Kindergärten im Bezirk bieten generell lediglich die Betreuung am Vormittag an und schließen in den Ferien komplett. Berufstätige Eltern, oder gar Alleinerzieher stehen damit vor einer enormen logistischen Herausforderung.

Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (Vif)

Eine Bewertung im Auftrag der Arbeiterkammer über die Einrichtungen nach Kriterien zur Vereinbarkeit mit einer Vollzeiterwerbstätigkeit der Eltern auf Bezirksebene zeigt große regionale Unterschiede auf: Das breiteste Betreuungsangebot ist immer noch im Industrieviertel gegeben. Das Weinviertel schneidet – gefolgt vom Zentralraum – noch vergleichsweise gut ab. Im Most- und Waldviertel werden die Vereinbarkeitskriterien am häufigsten verfehlt.

Als einziger Bezirk des Waldviertels befinden sich in Horn zumindest 50 Prozent der betreuten Kinder in Einrichtungen der Kategorie A, B oder C. Bei allen anderen Bezirken sind dies deutlich weniger Kinder- ergibt folgernd eine wesentlich schlechtere Betreuungssituation.

Die Vif-Kriterien erfüllt eine Kinderbetreuung

* durch qualifiziertes Personal,

* an mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr,

* im Umfang von mindestens 45 Stunden wöchentlich,

* werktags von Montag bis Freitag,

* an vier Tagen wöchentlich mindestens 9,5 Stunden und

* mit Angebot von Mittagessen

 

Kategorie

A Alle VIF-Kriterien werden erfüllt

B Ein VIF-Kriterium wird nicht erfüllt

C Zwei VIF-Kriterien werden nicht erfüllt

D Drei oder mehr VIF-Kriterien werden nicht erfüllt

(Quelle: AKNÖ, Stand: 2014)

Finanzspritze

Ferdinand Schopp, Leiter der AMS-Bezirksstelle Horn klärt über die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung auf: „Sollte für eine neue Beschäftigungsaufnahme die Kinderbetreuung (entgeltliche Unterbringung bei angestellten Tagesmüttern/-vätern, privaten Kinderbetreuungseinrichtungen) neu geregelt werden müssen, gewährt das AMS eine Kinderbetreuungsbeihilfe. Dies gilt im Fall eines Weg- oder Ausfalls der Betreuungsvorsorge beziehungsweise Änderung der Arbeits- oder Betreuungszeiten für AMS-Personen, die grundsätzlich die Kinderbetreuung geregelt haben und arbeitslos sind, unter Einbeziehung der wirtschaftlichen Lage der betroffenen Personen. Diese Art der Förderung haben im Jahr 2015 bisher 33 Personen in Anspruch genommen.“

Klinikum macht sich autark

Auch das Horner Landesklinikum hat auf den Betreuungs-Engpass bereits reagiert. Um dem langjährigen Wunsch der Mitarbeiter gerecht zu werden, wurde eine betriebliche Kinderbetreuungseinrichtung ins Leben gerufen.

Unterstützt durch Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP), die Führung des Landesklinikums und des Betriebsrates wurde mit Anfang August die Einrichtung in der Spitalgasse 14 in Betrieb genommen. Eine Gruppe mit 15 Kindern im Alter zwischen einem und sechs Jahren wird durch eine pädagogische Leiterin und zwei Betreuerinnen ganztägig betreut.

Die Einrichtung für Mitarbeiter des Landesklinikums wurde mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding adaptiert und bedeutet auch eine wichtige Attraktivierung des Arbeitsplatzes Landesklinikum Horn.

Franz Huber, Kaufmännischer Direktor: „Die Medizin wird immer „weiblicher“, daher finden wir es unerlässlich, auch im Klinikum eine Kinderbetreuung anzubieten. Darüber hinaus ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein großes Anliegen des Landes und der Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding als einem der größten Arbeitgeber des Landes.“

Fazit

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, braucht es allerdings nicht nur die entsprechenden Angebote der Betriebe, sondern auch einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung und entsprechende Rahmenbedingungen, wie eine flächendeckende und zeitlich flexible Kinderbetreuung.

Ihre Meinung

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