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BEZIRK HORN. Wenn die Tage immer kürzer werden, wird die Liste der Wild-Unfälle im Straßenverkehr länger. In der immer früher einsetzenden Dämmerung treffen die Hauptverkehrszeiten von Mensch und Wild aufeinander. Dagegen hilft im Grunde nur eine den Umständen angepasste Fahrweise. Tips holte bei Bezirksjägermeister Karl Ruttenstock Infos zum Thema ein.

Das scheue Wild zeigt sich vor allem in der Dämmerung. Fotomontage: Denise/pixelio.de
Das scheue Wild zeigt sich vor allem in der Dämmerung. Fotomontage: Denise/pixelio.de

„Allein in Niederösterreich kollidierten im Jahr 2013 27.507 diverse Wildtiere mit motorisierten Verkehrsteilnehmern“, zieht der Generalsekretär des Niederösterreichischen Landesjagdverbandes Peter Lebersorger Bilanz.

Hotspot Niederösterreich

Das sind 40,6 Prozent aller in Österreich registrierten 67.644 KFZ-Unfälle mit Wildtieren. Die Dunkelziffer allerdings, schätzt Lebersorger, liegt beim Doppelten, da gerade Unfälle bei denen lediglich Sachschaden entstanden sei oft nicht gemeldet werden, „Verletzte gibt es häufig, manchmal leider auch Todesopfer“. Zu den Opfern auf Seiten der Wildtiere zählen überwiegend die Rehe. Aber auch Hasen, Füchse, Marder, verschiedene Greifvögel und sogar Fischotter sterben auf der Straße.

750 Wildtiere im Bezirk Horn

Bezirksjägermeister Karl Ruttenstock kennt die Zahlen für den Bezirk: „Im Jahr 2014 kam es zu insgesamt 750 Stück Fallwild aufgrund von KFZ-Unfällen. Davon nimmt den Großteil Rehwild –mit 672 Stück – ein, gefolgt von 33 Stück Schwarzwild. Den Rest bilden Kollisionen mit Niederwild und einigen Vertretern aus dem Dammwild.“

Der Jägermeister warnt besonders vor den Gefahrenstellen zwischen Wald und Feld: „Die dämmerungsaktiven Wildtiere wechseln in der Dämmerung zu ihren Äsungsflächen, aber auch von Deckungsflächen wie Mais- oder Sonnenblumenfeldern. Besonders stark frequentierte Stellen oder Regionen sind zumeist mit Wildwarntafeln gekennzeichnet. Die Warntafeln ,Vorsicht Wildwechsel“ werden meiner Meinung nach aber nicht immer ernst genommen.“

Bei Sichtung eines Wildtieres am Straßenrand oder Feld rät der Experte dazu, sofort die Geschwindigkeit zu verringern, um eventuelle Schäden oder sogar Verletzungen der Verkehrsteilnehmer zu vermeiden.

Laut Auswertung liegt der Bezirk Horn bei der Quote der Wildunfälle mit einem Durchschnitt von 1300 und 2100 Unfällen im statistischen Mittelfeld. Die Zahlen beziehen sich hierbei auf die Gesamtzahlen des Durchschnittswertes von 2009 bis 2014.

Winterzeit

Die früher einsetzende Dämmerung lockt das Wild entsprechend früher auf die Äsungsflächen. Besonders in den Abend- und Nachtstunden aber auch am frühen Morgen sind die Tiere dann unterwegs. Die Kollisionsgefahr steigt besonders mit der Umstellung auf die Winterzeit in der Nacht auf den 25. Oktober.

Wenn das Wildschwein zwei Tonnen wiegt

Die gewaltigen Kräfte, die frei werden, wenn Mensch und Tier zusammenkrachen, werden meist massiv unterschätzt. „Das Aufprallgewicht eines Wildschweins mit 80 Kilogramm auf ein 50 Kilometer pro Stunde schnell fahrendes Auto beträgt zwei Tonnen“, warnt der Generalsekretär. Dementsprechend gewaltig können Sachschäden aber auch Personenschäden bei Unfällen mit Wildtieren ausfallen.

Riskante Ausweichmanöver

Um Unfälle mit Wildtieren zu vermeiden, sollte man im Bereich von Wildwechsel-Warnschildern besonders aufmerksam fahren und den Abstand zum Vorderfahrzeug möglichst groß halten. Besondere Vorsicht ist auch bei Gebüschen am Straßenrand geboten. Entscheidend ist nicht nur die Sicht nach vorne, sondern auch die Sicht seitlich neben dem Fahrzeug.

Die Folgen bei einem Frontalzusammenstoß mit einem anderen Auto oder mit einem Baum fallen unverhältnismäßig schwerwiegender aus als mit einem Tier. Analysen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) zeigen, dass Wildunfälle durchaus ein schwerwiegendes Problem der Verkehrssicherheit sind. „Ein Unfall kann unabhängig von Erfahrung und Fahrkönnen jeden Kraftfahrer treffen“, so Othmar Thann, Direktor des KFV.

Ist ein Unfall passiert, muss die Gefahrenstelle so schnell wie möglich abgesichert und anschließend die Exekutive verständigt werden. „Noch ein wichtiger Tipp, der viel Ärger und Kosten ersparen kann: Getötetes oder verletztes Wild darf auf keinen Fall vom Fahrer mitgenommen werden, auch nicht zum Tierarzt. Auch das kann als Wild-Diebstahl gewertet und empfindlich bestraft werden“, so Lebersorger abschließend.

Zur Vermeidung

• Wildwechsel-Warnschilder beachten, bremsbereit sein

• Bei Sichtkontakt mit Wild abblenden, hupen und bremsen

• Damit rechnen, dass einem Tier weitere nachfolgen 

• Nie das Fahrzeug verreißen

Im Fall des Falles

• Unfallstelle absichern

• Erste Hilfe leisten und Hilfe holen

• Unverzügliche Meldepflicht für Wildunfälle mit Personen- und/oder Sachschäden

• Möglichst exakte Beschreibung des Unfallortes: Die Exekutive kann so das Jagdaufsichtsorgan verständigen, damit das verletzte Tier von seinen Schmerzen erlöst wird.

• Das Mitnehmen von toten oder verletzten Tieren – auch zum Tierarzt – ist strafbar.


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