HORN. Unter dem Thema „Wiedereinstieg mit Zukunft“ findet derzeit ein spezieller Kurs für Frauen nach familienbedingter Berufsunterbrechung in Horn statt. Müttern soll damit der Einstieg in das Berufsleben nach der Karenz erleichtert werden. Initiiert vom Arbeitsmarktservice (AMS) Horn werden die Damen hier professionell von einer speziell geschulten Mitarbeiterin des Instituts ibis acam auf ihrem Weg unterstützt. Neben fachlicher Kompetenz vermittelt Sophie-Katharin von Bally den Damen durch ihre engagierte und einfühlende Art dabei auch ein besonderes Maß an Selbstwertgefühl und hält jederzeit ein offenes Ohr für sie bereit.

Herlinde Bentz, Abteilungsleiterin Beratungszone im AMS Horn, betreut gemeinsam mit der AMS-Beraterin Eveline Lenz und der Projektleiterin des Kurses Martina Reifschneider-Edlinger (ibis acam Waidhofen) diesen Wiedereinsteigerinnenkurs.
Laut AMS-Definition sind Wiedereinsteigerinnen Frauen, die seit dem letzten Kindergeldbezug in Summe nicht mehr als zwölf Monate im Inland gearbeitet haben. Bentz gibt weiter Auskunft: „In Horn haben wir zurzeit 78 Frauen vorgemerkt. Männer, die sich nach der Karenz melden, sind noch sehr selten, meistens wechseln sie von der Karenz direkt wieder in ein Dienstverhältnis. Ziel dieses Kurses ist es, den Frauen neue Berufsperspektiven aufzuzeigen und sie mit dem neuen Pensionssystem vertraut zu machen. Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sowie Tendenzen der Arbeitsmarktentwicklung und berufliche Chancen werden behandelt. Weitere Teile des Kurses behandeln das Berufspraktikum und ein entsprechendes Bewerbungstraining.“
Im Gespräch mit Tips gibt die Kursleiterin Sophie-Katharin von Bally einen Einblick in ihre Arbeit und die Welt der Wiedereinsteigerinnen.
Tips: Wo liegen die größten Schwierigkeiten bei einem beruflichen Wiedereinstieg?
Sophie-Katharin von Bally: Zu den größten Schwierigkeiten zählen die Gestaltung der Kinderbetreuung – zeitlich, aber auch finanziell. Nachmittagsbetreuung wird in den Kindergärten nur angeboten, wenn vier Kinder bleiben, was nicht immer der Fall ist – das ist sehr schwierig. Viele Frauen fühlen sich auf dem Arbeitsmarkt als Mütter irgendwie in eine Schublade gesteckt. Hinzu kommt der Stress der Bewältigung einer Doppelbelastung Familie/Beruf.
Tips: Wie groß sind die Chancen – vor allem hier im ländlichen Bereich – für einen positiven Wiedereinstieg?
Sophie-Katharin von Bally: Es ist nicht einfach. Natürlich liegt das an der Arbeitsmarktsituation: zu wenig Plätze für eine Menge Mitstreiter aber auch an einem manchmal zu geringem Selbstvertrauen, das es wieder zu stärken gilt. Wieder in Verbindung mit den eigenen Potentialen zu kommen, ist ein wichtiger Prozess. Auf jeden Fall kann ich einen Zusammenhang sehen: Wenn eine Dame positiv auf sich und die Zukunft blicken kann, erhöhen sich auf jeden Fall ihre Chancen. So stehen bereits zwei Teilnehmerinnen kurz vor einer Jobzusage.
Tips: Wovon profitieren die Wiedereinsteiger bei diesem Kurs an meisten?
Sophie-Katharin von Bally: Von der Regelmäßigkeit des Kurses – wieder rauskommen aus dem Haus nach zwei Jahren Auszeit, Struktur haben, merken, dass der Übergang zu managen ist sowie von den Themen, die im Kurs vermittelt werden. Selbstverständlich profitieren die Teilnehmerinnen auch vom Motivationstraining, den Bewerbungsstrategien und der allgemein angebotenen Hilfe. Am meisten freuen sich die Damen über die Gemeinschaft und den Austausch mit Betroffenen in ähnlicher Situation.
Tips: Gibt es auch Teilnehmer, die nicht den nötigen Ehrgeiz und Willen an den Tag legen – und wie gehen Sie als Trainerin damit um? Setzt das AMS auch „Sanktionen“ für Teilnehmerinnen, die nicht ausreichend mitarbeiten?
Sophie-Katharin von Bally: Ja, das gibt es, aber es müssen zwei Gruppen unterschieden werden: so gibt es Teilnehmer, die zwar den Willen haben zu arbeiten und aktiv auf Suche sind, die aber durch ihr Scheitern am Arbeitsmarkt und den arbeitsmarktpolitischen Druck sehr frustriert sind, dass sie sich schwer tun, sich erneut auf einen Kurs einzulassen. Wir haben in diesem Kurs drei oder vier Teilnehmer, die aufgrund mangelnder Vermittlung schon mehrmals in Kursen gewesen sind. Da geht es erst einmal darum, diesen Frust anzuschauen, wieder neue Hoffnung zu schöpfen, um mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen, was nicht immer einfach ist. Und dann gibt es noch die Teilnehmer, die tatsächlich weniger motiviert sind, Arbeit zu suchen oder sich weiter zu qualifizieren, die aber den Kurs nicht unbedingt ablehnen. Hier gilt es nach den Gründen zu suchen und den Dreh zu finden. Oft ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die zu einer Form von Antriebslosigkeit führen. Seitens des AMS gibt es klare Sanktionen: bei ungenügender Mitarbeit kann es zum Kursausschluss und/oder Streichen von Bezügen kommen, was in diesem Kurs jedoch nicht der Fall ist. Vor allem die Damen, die die Karenz erst ganz frisch beendet haben, sind positiv überrascht, dass man doch so viel im Kurs lernen kann. Sie freuen sich, wieder unter Menschen zu kommen.
Tips: Was sind die größten Sorgen und Ängste der Kursteilnehmer?
Sophie-Katharin von Bally: Ganz klar, keinen Job zu bekommen – was wiederum zu finanziellen Sorgen bis hin zu Existenzängsten führt. Auch sich unter ihrem Wert verkaufen zu müssen, weil es nicht anders geht.
Tips: Welche Wünsche haben die Teilnehmerinnen?
Sophie-Katharin von Bally: Klarer Wunsch ist ein Ausbau sowie ein zeitlich besser gegliedertes Kinderbetreuungsangebot. Ein weiteres Anliegen wäre ein Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel: wenn man kein Auto hat, ist es teilweise kaum zu schaffen, zeitlich alles unter einen Hut zu bringen. Vielfach geäußert wird auch ein breiteres, individuelleres Angebot an geförderten Kurs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Solidarität respektive Wertschätzung auch von unternehmenspolitischer und gesellschaftspolitischer Seite – eine Frau, die Kinder hat, hat einfach nicht so einen großen Spielraum an verfügbarer Zeit und kann in mancher Hinsicht nicht so flexibel sein, wie Arbeitnehmerinnen, die kinderlos sind. Ich als kinderlose Frau kann nur sagen, dass ich sehr großen Respekt habe vor Frauen, die dieser doppelten Verantwortung ausgesetzt sind, noch schwieriger, wenn alleinerziehend. Als Pädagogin und Familientherapeutin sehe ich in einer liebevollen und verantwortungsbewussten Kindererziehung eine unglaubliche Leistung, die in meinen Augen gesellschaftlich und politisch immer noch zu wenig anerkannt ist und auf die vor allem in wirtschaftspolitischer Hinsicht oftmals noch zu wenig Rücksicht genommen wird.


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