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HARDEGG. Die Naturraumforschung im Nationalpark Thayatal konnte in den vergangenen Jahren bereits mehrere schöne Erfolge verzeichnen, nun gibt es wieder eine Neuentdeckung für Österreich: die Botanikerin Gabriele Bassler von der Universität für Bodenkultur hat auf einer Wiese im Thayatal eine neue Pflanzenart für Österreich entdeckt. Dabei handelt es sich nicht um ein Moos oder um ein unscheinbares Gras sondern um die Wegerich-Grasnelke (Armeria arenaria), eine Wiesenpflanze mit schöner Blüte. Nationalparkdirektor Ludwig Schleritzko ist erfreut: „Neben dem Hohen Perlgras, dem Weichhaarigen Federgras und der Dickfuß-Segge ist dies eine weitere Art, deren einziges Vorkommen in Österreich sich im Nationalpark Thayatal befindet!“

Österreichs Flora ist um eine Blütenpflanze reicher Fotos: NP_Thayatal, coopnatura
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Die Botanikerin Gabriele Bassler wollte es im April 2013 genauer wissen. Sie war auf der Suche nach Beständen der Sand-Grasnelke (Armeria elongata) und entdeckte dabei Blatt-Rosetten einer Grasnelke, deren Blätter jedoch anders gestaltet waren. Ihre Untersuchung mit Bestimmungs­literatur aus Österreich, Deutschland und der Schweiz führten schließlich zu der Erkenntnis, dass die gefundenen Individuen zu keiner der aus Österreich bekannten Arten gehören, sondern vielmehr als Wegerich-Grasnelke eine Neuentdeckung für Österreich darstellt. Zur Absicherung wurden Botaniker in Madrid und Erlangen konsultiert, die das Ergebnis bestätigten. Die offizielle Bekanntmachung des Fundes bildete die Veröffentlichung in der botanischen Publikationsreihe Neilreichia 7/2015.

Die Entdeckung der rosa blühenden Wegerich-Grasnelke hat bei Botanikern Erstaunen ausgelöst. Das Vorkommen der Grasnelke auf der Wiese im Thayatal war zwar in der Fachwelt bekannt, allerdings wurde sie bisher bei mehreren Erhebungen für die Sand-Grasnelke (Armeria elongata) gehalten. Diese ist relativ häufig auf den Trockenrasen im Thayatal und bei Retz zu finden und hat etwas schmälere Blätter ohne Hautrand. Die Population der Wegerich-Grasnelke im Thayatal ist relativ klein, sie umfasst nur ungefähr 650 Individuen. Außerdem ist sie sehr isoliert. Die nächsten Vorkommen befinden sich 580 km weit entfernt in Norditalien oder 650 km entfernt in der Schweiz. Es gab auch ein etwas näheres Vorkommen bei Mainz in Deutschland, dieses ist jedoch erloschen.

Rätselhaft ist, wie die Pflanze hier ins Thayatal gekommen ist. Unwahrscheinlich erscheint eine gezielte Aussaat durch die Landwirte, da diese auf den Thayatalwiesen keine Tradition hat und ein Bezug von Saatgut mit enthaltener Wegerich-Grasnelke de facto nicht möglich war. Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine sehr lang zurückliegende Einschleppung und erfolgreiche Etablierung im Thayatal.

Da das Vorkommen der Wegerich-Grasnelke klein und isoliert ist, ist die neuentdeckte Art als „vom Aussterben bedroht“ einzustufen. Nationalpark-Biologe Christian Übl: „Die Nationalparkverwaltung achtet bei ihren Management­maßnahmen darauf, dass die Lebensraumbedingungen stabil bleiben. Vorteilhaft sind zum Beispiel ein später Mahdtermin und der Verzicht auf Dünger jeglicher Art.“


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