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BEZIRK HORN/LIEPAJA. Nach 25 Jahren karitativer Arbeit für die Lettlandhilfe zieht Oberschulrätin Ingeborg Lentschig wehmütig einen Schlussstrich unter dieses Kapitel. Mit Anfang Dezember wurde der letzte Hilfsgütertransport durch die langjährigen fleißigen Helfer verpackt und verschickt. Nichtsdestotrotz soll es für die zahlreichen sozial engagierten Unterstützer auch weiterhin eine Möglichkeit geben, den Hilfsbedürftigen in Lettland ein besseres Leben zu ermöglichen: das Projekt „Martinshaus“.

  1 / 5   Das „Martinshaus“ steht Müttern zur Seite, um Kindern ein Leben in solcher Armut und Umgebung zu ersparen. Fotos: : Bonifatiuswerk / Markus Nowak

Dieses Krisenzentrum bietet alleinerziehenden, arbeitslosen Müttern samt ihren Kindern Zuflucht und wird lediglich durch Spenden finanziert.

Leben an der Armutsgrenze

Die Arbeitslosenzahl in Lettland beträgt etwa 16 Prozent und das monatliche Brutto-Einkommen kaum 200 Euro. Auch wenn sich die Situation nach dem Verfall der Sowjetunion entscheidend verbessert hat, gilt Lettland innerhalb der Europäischen Union als ein sehr armes Land. Unter den Ländern innerhalb der Europäischen Union ist die Situation nur in Rumänien, Griechenland und Ungarn noch schlimmer.Eine Umgebung, die es gerade jungen, alleinerziehenden Müttern und ihrem Nachwuchs nicht einfach macht, zu überleben. Das „Martinsmaja“, wie das Haus auf Lettisch heißt, wurde vor 18 Jahren von Dominikanern gegründet. Im Haus ist ein kleiner Raum eingerichtet, der dem Heiligen Martin gewidmet ist – daher der Name.

Stand zunächst die Versorgung von Straßenkindern im Fokus, so kümmert sich der Verein Bonifatiuswerk als langjähriger Unterstützer seit 2004 verstärkt um Frauen und Kinder in Not. In zahlreichen Arbeitsstunden renovierten freiwillige Helfer vom Internationalen Bauorden das desolate Gebäude, um den Hilfsbedürftigen eine Zufluchtsstätte bieten zu können.

Durch das soziale Netz gerutscht

Von der Decke löst sich der Putz, unter der abgeblätterten Tapete wuchert der Schimmel und ein richtiges Badezimmer gibt es nicht. Die elfjährige Aivita und ihre drei jüngeren Schwestern leben in ärmsten Verhältnissen, seitdem der Vater sie verlassen hat. Und Alimente will er für seine Töchter nicht zahlen. Marita und ihre Töchter sind nur ein Beispiel für die großartige Arbeit, die das Martinshaus im lettischen Liepaja für Frauen in Notsituationen leistet. Als Anlaufstelle für alle Alleingelassenen bietet es Schutz und materielle sowie immaterielle Unterstützung für alle, die kommen.

Hilfe für Mütter am Rande der Gesellschaft

Die 43-jährige Marita versucht stets, eine gute Mutter für ihre vier Töchter zu sein. Ihren Job musste sie aufgeben, das Kindergeld in Lettland ist aber so niedrig, dass es oft nicht für Lebensmittel reicht. Das soziale Netz in der Baltenrepublik ist sehr grobmaschig. Die Alleinerziehende und ihre vier Töchter sind durchgefallen. „Ohne das Martinshaus hätte ich es nicht geschafft“, gesteht Marita. Die alleinerziehende Marita brauchte in der schwierigen Situation aber auch nichtmaterielle Unterstützung: Gespräche, Ratschläge, jemanden der zuhörte. „Langsam habe ich wieder Kraft geschöpft“, so Marita.

Berichte aus erster Hand

Mit der Leiterin des Martinshauses, Iveta Jansone, steht Ingeborg Lentschig in regem Kontakt. Sie folgte sogar einer Einladung nach Horn. In Worten voller Dankbarkeit erzählte sie dort von den persönlichen Eindrücken und den Erfolgen, die sie für die kleinen Familien mit Hilfe der Spendengelder erreichen konnten. Häufig seien die Frauen auch Opfer von Gewalt gewesen und sind traumatisiert, berichtete Jansone, nicht selten brauche es Monate, bis sich die Hilfesuchenden den Mitarbeitern des Martinshauses öffnen können. Bei ihnen finden die Frauen gelebten Glauben, Nächstenliebe und Freundschaft.

„Das Martinshaus hilft nicht nur mit Lebensmitteln und Windeln aus. Die Frauen bekommen auch Beratung. In Seminaren wird ihnen eine neue Perspektive eröffnet. Das Ziel: Ein eigenständiges Leben jenseits von Armut und Not“, so Jansone, „Frauen, die Gewalt und Missbrauch erfahren haben, können auf medizinische Hilfe sowie auf psychologische und juristische Beratung zählen. Mit Schulsachen und Kleidung wird Kindern eine Chance auf eine bessere Zukunft gegeben.“

SPENDENKONTO

AT48 2022 1000 0001 2427 (Benediktinerstift Altenburg)

Vermerk „für Martinshaus“

Nähere Infos zum Projekt: www.bonifatiuswerk.de

 

 


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