Von Bäumen, die bunte Kleidung tragen....
HORN. Appolonia, Agatha, Geneve, Sigmund, Theodor, Ursel, Theobald, Rosamunde und Brunhilde sind bereits vergeben. Otilia und Artur waren bis vor kurzem noch zu haben, sind nun aber auch in guten Händen. Von wem hier die Rede ist? Diese klangvollen Namen gehören den elf Bäumen in der Raabser Straße, die Hauptakteure eines Projektes sind. Eine innovative Idee von Susanne Rihs wird die ehemalige Tuchmachersiedlung (heutige Raabser Straße) mittels bunter Wollkunstwerke an Baumstämmen wieder beleben und zum farbenprächtigen Blickfang machen.

„Wir stricken und häkeln dafür, die ehemalige Tuchmachersiedlung aus dem 17. Jahrhundert lebendig und bunt werden zu lassen. Das heißt, die Baumstämme werden bestrickt und/oder behäkelt und in ein buntes Gewand gehüllt“, so die Initiatorin, die mit ihrem Geschäftslokal „Haus der Creationen“ direkt vor Ort an der Raabser Straße positioniert ist.
Straßenkunst aus Wolle
Dieser neue Trend aus Amerika, ist in immer mehr Großstädten zu sehen: „Urban Knitting, Yarn Bombing oder Guerrilla Knitting“. Hierbei handelt es sich um farbenfrohe gestrickte oder gehäkelte Kunstwerke, welche diverse Gegenstände, wie etwa Bäume, Treppengeländer, Regenrinnen, Zäune, Laternen, Straßenschilder bis hin zu Strommasten, Skulpturen, Telefonhäuschen und vieles mehr schmücken. Was würde hier näher liegen als die ehemalige Tuchmachersiedlung in Horn mit genau diesem neuen Trend wieder zu beleben, dachte die kreative lebenslustige Frau, die sich in ihrem „Haus der Creationen“ einen kleinen Zauberladen samt Alternativshop errichtet hat, in dem Kreativität Ausdruck findet.
„Es werden Wolle und Garne benutzt, um an das alte Handwerk der Tuchmacher zu erinnern und in einer modernen Ausdrucksform zu beleben“, setzt sie auch dem geschichtlichen Erbe der Stadt Horn einen Meilenstein.
„Der Kreativität und Phantasie soll absolut freier Lauf gelassen werden. Bunt, frech, kreativ, außergewöhnlich“, wünscht es sich Rihs und erläutert die soziale Komponente hinter dieser Aktion: „Das Projekt richtet sich an Menschen, die freiwillig und kostenlos an einem kreativen Projekt teilnehmen möchten. Es zielt darauf ab, den öffentlichen Raum zu beleben und soziale Synergien zwischen Menschen verschiedener Generationen, Ausbildung, Interessen, Geschlechtern und Kulturen zu schaffen, sowie Geschichte in ein buntes Licht zu tauchen.“
Der Kindergarten, die Sonderschule, das Altersheim und etliche kreative Frauen aus Horn und Umgebung sind an diesem Projekt bereits beteiligt. „Bedarf an Wollspenden ist nach wie vor vorhanden, da ein weiteres Projekt folgen wird“, stellt die Ideengeberin strahlend in Aussicht, „das nächste Projekt ist schon in Planung. Angedacht wäre, aus den Resten der Wolle kleine Kunstwerke herzustellen oder auch Kleidung und Accessoires wie Mützen, Socken, Taschen, Schals und ähnliches. Der Erlös durch einen Verkauf würde dann hilfsbedürftigen Menschen in der Region zukommen.“
Auch Bürgermeister Landtagsabgeordneter Jürgen Maier und Kulturgemeinderat Martin Seidl (beide ÖVP) zeigen sich von der Idee beeindruckt und machten sich vor Ort ein Bild von den ersten Wollkunstwerken. Gemeinsam mit Sonderschuldirektorin Karin Hauer und Pädagogin Karina Witzer verpackten zwei Schülerinnen einen ihrer „adoptierten“ Bäume mit den ersten Kreationen (siehe Bild links).
Für all jene, die noch Wolle spenden wollen: Behälter dafür stehen vor dem „Haus der Creationen“, Raabser Straße 21, und vor dem Gemeindeamt-Eingang, Rathausplatz 4, bereit.
Auf der toll aufbereiteten Homepage sind zusätzliche Infos und Aktuelles zum Projekt zu finden: www.surihs.wixsite.com/bunteshorn


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