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Gars/Kamp. Dieses Jahr wird entscheidende Weichenstellungen für das Kamptal bringen: Trotz großer Widerstände seitens Umweltschützern und Anwohnern hält die EVN an ihren Plänen zum Abriss und Neubau des historischen Kampkraftwerks bei Rosenburg fest.

  1 / 3   Mit einer ungewöhnlichen Aktion forderte Riverwatch gemeinsam mit Kajakfahrern aus dem Kamptal den Abriss des Staudamms bei Rosenburg: sie formierten sich um den schwimmenden Slogan „Befreit den Kamp! KW Rosenburg - WegDammit!“ Foto: Andreas Zeiner

Grund genug für etwa 80 Personen, der Einladung der Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“ zu folgen, um gemeinsam über die Zukunft des Kamptals zu diskutieren. Anlass für die Veranstaltung bildete die bevorstehende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Abriss und Neubau des Kraftwerks Rosenburg im Europaschutzgebiet „Kamp- und Kremstal“.

Impulsreferate dazu kamen von dem bekannten Umweltschützer, Autor und Fotografen, Werner Gamerith, dem Leiter des Flüsse-Teams beim WWF Österreich, Gerhard Egger und Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch, einem Verein zum Schutz der Flüsse.

Das EVN-Projekt sieht eine höhere Staumauer, einen entsprechend vergrößerten Stauraum und die Ausbaggerung des Unterwassers auf einer Länge von mehr als einem Kilometer vor. Teile naturnaher Au- und Schluchtwälder würden überflutet oder müssten abgeholzt werden.

„Wir fordern vor allem die Prüfung der Abrissvariante. Deren Kosten und Folgen müssen erhoben und im Rahmen der UVP mit den Ausbauvarianten verglichen werden. Wir sind überzeugt, dass diese Variante sowohl ökologisch, als auch ökonomisch die beste ist“, so Ulrich Eichelmann.

„Die genauen Details des EVN-Einreichprojekts sind derzeit aber nicht öffentlich bekannt“, so die Vortragenden. „Naturschutzbund, Riverwatch und WWF haben wiederholt sowohl die EVN, als auch den Mehrheitseigentümer beziehungsweise die Genehmigungsbehörde Land Niederösterreich zu einem Dialog über wirtschaftlich und ökologisch verträglichere Alternativen aufgefordert, um unnötige Konflikte und teure Fehlinvestitionen zu vermeiden. Diese Appelle verhallten jedoch ungehört“, kritisierten die Aktivisten. Sie fordern die Ausarbeitung und Prüfung einer weiteren Variante: den Abriss des Stauwehres. „Damit könnten Kosten gespart, sowie dem Kamptal und seinen Bewohnern ein wertvolles Stück Natur zurückgegeben werden. Landesrat Pernkopf (ÖVP) sollte die EVN umgehend dazu verpflichten, die Kosten und Folgen der Abrissvariante zu erheben. Das gehört einfach in eine umfassende Prüfung der Möglichkeiten dazu“, verlangte Ulrich Eichelmann. „In vielen Ländern wie Frankreich, Spanien, Schweden und den USA werden längst bestehende Wasserkraftwerke abgerissen, einfach, weil eine Prüfung ergeben hat, dass ein solcher Abriss ökonomisch und ökologisch das Beste ist“. Werner Gamerith betonte: „Der Kamp oberhalb Rosenburg ist ein vom Fluss geprägter, dynamischer Lebensraum von seltener Ursprünglichkeit. Der beabsichtigte Neubau des Kraftwerks würde zwei Kilometer von diesem Wildfluss vernichten. Eine Stilllegung der historischen Anlage gäbe ihm hingegen vier Kilometer Fließstrecke zurück. „

„In Österreich gibt es mehr als 5200 Kraftwerke. Unsere Bäche und Flüsse sind bereits alle 600 Meter durch Wehre, Staumauern und Sohlschwellen unterbrochen“, informierte Gerhard Egger, „ein Neubau des Kraftwerks in Rosenburg zerstört Natur, kostet enorm viel und bringt nicht mal was für den Klimaschutz. Die Energiewende kann nur durch drastische Einsparungen und nicht durch den Ausbau der letzten unzerstörten Flussstrecken – wie dem Flussheiligtum am Kamp - gelingen.“

Kosten-Nutzen-Faktor

In einer energiewirtschaftlichen Studie, die im Jahr 2016 im Auftrag des WWF erstellt wurde, fiel das geplante Projekt auch wirtschaftlich in allen Fächern durch. Von 158 untersuchten österreichischen Kraftwerken landet das Kraftwerk Rosenburg an der viertletzten Stelle, weil die Kosten in keiner Relation zur möglichen Energiegewinnung stehen. Seitens der EVN wird dies auf Nachfrage von Tips dementiert. „Wir wollen das Kraftwerk Rosenburg auf den neuesten Stand der Technik bringen und die Menge an erzeugtem Öko-Strom dadurch fast verdoppeln. Nach der Modernisierung würde es 2300 Haushalte mit Naturstrom aus der Region versorgen. Investitionen in Wasserkraft sind nachhaltig und langfristig. Die präsentierte Studie geht hier von falschen Zahlen aus. Das Kraftwerk Rosenburg rechnet sich langfristig und ist ökologisch sinnvoll“, nimmt Stefan Zach dazu Stellung.

Der Neubau des Kraftwerks Rosenburg werde durch hohe Subventionen finanziert, die jeder Stromkunde der EVN über zusätzliche Abgaben auf seiner Stromrechnung bezahlt, so Ulrich Eichelmann. „Viele sinnvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel kosten natürlich Geld“, kontert Zach, „Unsere verhältnismäßig geringen Investitionen in das Kraftwerk Rosenburg wird kein Kunde auf seiner Stromrechnung spüren. Sie entsprechen den Kosten für zwei moderne Windräder.“

Nachhaltige, regionale Wirtschaftsentwicklung

Unisono plädieren die Vertreter der Naturschutzverbände dafür, das Natur- und Landschaftskapital des Kamptals auch für die Menschen in der Region zu erhalten, als Grundlage für eine nachhaltige, regionale Wirtschaftsentwicklung. Der Kraftwerksneubau würde nach der Bauphase so gut wie keine Arbeitsplätze schaffen, ein forcierter Naturtourismus hingegen schon. „Das Kamptal ist ein traditionsreiches Erholungsgebiet, Gars ist ein bekannter Luftkurort. Die wachsende Sehnsucht vieler Menschen nach unversehrter Natur bietet für das Kamptal vielversprechende Perspektiven, etwa im Bereich Naturtourismus. Doch dafür braucht es eine intakte, unverbaute Landschaft“, appelliert Margit Gross vom Naturschutzbund Niederösterreich.

EVN-Sprecher Stefan Zach gibt Einblick in die nächsten Schritte: „Die Behörde prüft derzeit, ob die eingereichten Unterlagen so ausreichend und vollständig sind, dass mit dem Verfahren gestartet werden kann. Der nächste Schritt wäre dann die öffentliche Auflage des Projektes, bei dem jeder Interessierte Einblick in alle Details der Einreichung nehmen kann.“

Seitens der Naturschutzverbände heißt es, man wolle die Interessen von Natur- und Landschaftserhaltung weiterhin konsequent vertreten, auf unabhängige Gutachter drängen, die Korrektheit der Prüfungen akribisch kontrollieren und für volle Transparenz sorgen.


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