Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BEZIRK HORN. Planet Erde: Heimat und tragfähige Grundlage allen Lebens wie wir es kennen, aber auch leicht störbar und aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das verdeutlicht der „Earth Overshoot Day“, der uns vor Augen hält, wie viele Ressourcen die Menschheit verbraucht und wo die ökologischen Grenzen unseres Planeten liegen. Heuer fiel dieser Tag auf den 1. August. Welche Möglichkeiten jetzt noch bleiben und was schleunigst geändert gehört, hat Tips mit dem Horner Umweltgemeinderat Wolfgang Welser (ÖVP) diskutiert.

Die Botschaft lautet: Wir alle müssen behutsam und vorsichtig mit unserem Planeten umgehen. Symbolfoto: Wodicka

Mit 1. August dieses Jahres haben wir die natürlichen Ressourcen unseres Planeten überschritten beziehungsweise überschossen (overshoot). Die Menschheit hat dann soviel Natur verbraucht, wie die Erde in einem Jahr regenerieren kann.

Für Österreich war dieser Overshoot Day sogar noch deutlich früher: Bereits am 11. April dieses Jahres war unser fairer Anteil durch unseren ressourcen-verschwendenden, durchschnittlichen Lebensstil aufgebraucht. Seitdem leben wir zu Lasten der Natur und aller zukünftigen Generationen und natürlich auf Kosten der benachteiligten drei Viertel der Weltbevölkerung. Das Schwinden der Urwälder, die Plünderung der Meere, das Auslaugen der Böden und der Klimawandel sind bereits sichtbare Zeichen dieser Übernutzung.

Leben auf Kredit

Wir nutzen mehr an natürlichen Ressourcen durch Überfischung, Rodung und CO2-Ausstoß in die Atmosphäre als nachproduziert wird. Die Konsequenzen dieser „Über-Nutzung“ sind ein Rückgang an Biodiversität, leergefischte Meere, Erosion von fruchtbarem Boden und Klimawandel samt Folgeschäden.

Dramatische Verkürzung

War am ersten dokumentierten Earth Overshoot Day 1987 das Datum, an dem die Ressourcen der Erde aufgebraucht waren, der 19. Dezember, so rückte dieser Tag 1995 schon auf den 21. November. Die Abstände verkürzten sich rasant, denn 2008 fiel der Overshoot Day schon auf den 23. September. Seit 2012 befinden wir uns mit unserem übermäßigen Ressourcenverbrauch im August. Im Jahr 2015 fiel dieser Tag auf den 13. August. Letztes Jahr war es schon der 2. August. Den Rest des Jahres leben wir daher quasi auf Kredit. Bezahlen werden diese Rechnungen unsere Nachkommen mit Klimaveränderungen und den Folgen für Natur und Mensch.

Tips: Wie sehen Sie den derzeitigen Zustand? Gibt es noch Hoffnung für ein rechtzeitiges Umdenken und Umlenken innerhalb der Bevölkerung?

Wolfgang Welser: Als Umweltgemeinderat sehe ich diese Entwicklung als äußerst bedenklich. Eigenmächtiges, freiwilliges Umdenken findet anscheinend nicht mehr statt, es funktioniert nur noch mit Strafen und selbst das fruchtet nicht immer.

Tips: Woran scheitert ihrer Meinung nach der verantwortungsvolle Umgang mit Natur und Ressourcen derzeit noch? Was ist dringend notwendig und muss auf der Stelle geändert werden?

Wolfgang Welser: Eine wirkliche Möglichkeit dagegenzuwirken hat nur die Politik. Wir leben zu weit weg von Nachhaltigkeit, die Industrie gibt uns zu viele Vorgaben. Eine Reduktion des ökologischen Fußabdrucks auf ein global-faires Niveau als Staatsziel zu verankern wäre meiner Meinung nach eine Chance und einen Versuch wert.

Besorgniserregender Rohstoffverbrauch

Nach aktuellen Meldungen der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) hat sich der globale Rohstoffverbrauch in den letzten 40 Jahren mehr als verdreifacht. Die Weltbevölkerung hat sich aber nicht einmal verdoppelt. Auf die Industrieländer fällt dabei der höchste Konsum. Mit dem hohen Ressourcenverbrauch gehen neben Umweltverschmutzung auch Gesundheitsprobleme und Menschenrechtsverletzungen einher. Pro Kopf verbrauchen allein die Europäer mit 20 bis 30 Tonnen jährlich zehn Mal so viele Rohstoffe wie Menschen in Afrika oder Asien. Unsere Rohstoffe beziehen wir aber zu einem großen Teil aus eben jenen Weltregionen. Dadurch verschärfen wir Umweltprobleme wie Klimawandel, Entwaldung oder Wasserknappheit. Besonders abhängig sind wir bei fossilen Energieträgern und metallischen Rohstoffen. Um diesem Trend entgegenzusteuern, werden Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz oder Rohstoffwiederverwertung gesetzt. Recycling muss zukünftig eine noch viel wichtigere Rolle spielen. Ressourcenflüsse müssen transparent verlaufen, um Konsumenten zu informieren, welche Rohstoffe sie direkt oder indirekt verbrauchen.

Überlastungstage im Vergleich

Jedes Land der Erde hat seinen eigenen Overshoot-Day. Errechnet aus dem nationalen Ressourcenverbrauch ergeben sich folgende Tage für 2018: 9. Februar in Katar (Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf), 15. März in den USA, 2. Mai in Deutschland, 19. Juli in Brasilien, 14. Oktober in Albanien und 6. November in Ägypten.

Tips: Mit der Bürgerbeteiligung bei dem neuen Photovoltaik-Projekt setzt die Stadtgemeinde Horn nun einen weiteren Meilenstein zur nachhaltigen Energieversorgung. Wie sieht der derzeitige Stand der Dinge aus und gibt es bereits weitere Ideen?

Wolfgang Welser: Das Bürgerbeteiligungsmodell hat sensationell eingeschlagen, innerhalb von zwei Wochen waren alle Platten verkauft. Photovoltaik wird sicher weiter forciert werden. Es gibt schon eine neue Idee für die Nutzung des Bauhofdaches. Auch die Förderaktion der Sanierungsoffensive „Raus aus dem Öl“ ist ein gewichtiges Thema für die Gemeinde. Der Plan ist, selbst Wärme für gemeindeeigene Bauwerke zu erzeugen und e-Mobilität für den Bauhof aufzurüsten um wegzukommen vom Dieselfahrzeug.

Tips: Welche Tipps haben Sie für jeden einzelnen Leser zu Hause, um dem hohen Ressourcenverbrauch entgegen zu wirken?

Wolfgang Welser: Der einfachste und effektivste Tipp ist: Sparen! Stromsparen durch gezieltes Abschalten von Geräten (auch die Standby-Funktion), Auto-Kilometer verringern indem kurze Wege mit dem Rad zurückgelegt werden - das ist gleichzeitig gesund und spart Ressourcen. Weitere Möglichkeiten sind „carsharing“ (Fahrgemeinschaften) und die Errichtung von privaten Photovoltaikanlagen - dabei auf jeden Fall die Möglichkeit zu Förderungen und Beratungen ausnutzen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden