PLEISSING/DARJEELING. Beim „Himalayan 100 Mile Stage Race“ sind am Fuße des Himalayas in fünf Tagen über 160 Kilometer und insgesamt etwa 8100 Höhenmeter zu bewältigen. Und das in dünner Luft auf einer Seehöhe von bis zu 3700 Meter. Neben 34 anderen Teilnehmern aus allen fünf Kontinenten wagte auch Dieter Preiß aus Pleissing dieses Abenteuer.

Das landschaftlich besonders reizvolle Rennen verläuft direkt an der indisch-nepalesischen Grenze im Singalila Nationalpark unweit von Darjeeling, einem der bekanntesten Teeanbaugebiete der Erde. Das Besondere am Himalayan Race: Die Läufer haben auf einem Großteil der Strecke die einmalige Gelegenheit, gleichzeitig vier der fünf höchsten Berge der Welt zu sehen: Everest, Kanchenjunga, Lhotse und Makalu.
Sinneseindrücke von Land und Leuten
Vor Start des Rennens verbrachten viele Läufer ein bis zwei Tage im Hochland von Darjeeling. „Zwecks Akklimatisation, aber auch um ein wenig Einblick in die indische Kultur zu gewinnen und die Inder und ihren Alltag kennenzulernen“, berichtet Dieter Preiß und beschreibt anschaulich: „Ich durfte vielfältige und beeindruckende Eindrücke sammeln: „Mönche beim Morgengebet im buddhistischen Kloster, geschminkte Inderinnen bei ihrer Arbeit auf den Teeplantagen, der wohltuende Duft in der Teefabrik, der gefährdete Kleine Panda und der Bengalische Tiger im Himalaya Zoo, die Originalausrüstung der Everest-Erstbesteiger Tenzing Norgay und Edmund Hillary im Everest Museum oder eine Fahrt mit der schmalspurigen Gebirgsbahn Toy Train, einem UNESCO Weltkulturerbe. Gelaufen wurde fast durchwegs auf unebenen, teilweise mit behauenen Steinen unregelmäßig gepflasterten Bergwegen oder auf erdigen, wurzeldurchsetzten Waldpfaden.“
Gleichzeitig bleibt beim Besuch einer Stadt wie Darjeeling aber leider auch der Geräuschpegel und das in Indien allgegenwärtige Problem mit Müll und Luftverschmutzung in Erinnerung, gibt der Weltenbummler zu bedenken: „Speziell in Neu Delhi und anderen indischen Großstätten, die einige Teilnehmer nach dem Rennen noch besucht haben, ist dieses Problem eklatant und für einen Europäer kaum nachvollziehbar. Ein Umweltbewusstsein ist in den Köpfen der Inder derzeit noch so gut wie nicht existent.“
Ein Marathon in drei Etappen
Im Anschluss an diese kurze Akklimatisation im Darjeeling-Gebiet fiel der Startschuss auf knapp 2000 Meter Seehöhe. Bereits die erste Tagesetappe war eine der schwierigsten. Die anstrengenden Anstiege haben den 36 Startern bereits alles abverlangt. An diesem Tag waren insgesamt fast 2900 Höhenmeter bergauf zu überwinden, um die darauffolgenden Tage in einer Seehöhe von etwa 3600 Meter zu laufen. Preiß schwärmt: „Hier war es den Läufern vergönnt, das Highlight der Veranstaltung zu genießen: den Blick auf den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest, eingebettet in die surreal wirkende Berglandschaft des Himalaya. Ein einzigartiges Panorama! In dieser Höhe ist allerdings der Sauerstoffpartialdruck um etwa ein Drittel geringer als auf Meeresniveau, eine bedeutende Zusatzbelastung für den Körper.“
Die Königsetappe wurde am dritten Lauftag von 25 Teilnehmern in Angriff genommen. Bei diesem „Mt. Everest Challenge Marathon“ musste die klassische Marathondistanz über 42,195 Kilometer absolviert werden, großteils steil bergab in sehr unwegsamem Gelände. Nachdem auch diese Herausforderung geschafft war und die Läufer bereits weit über 100 Wettkampf-Kilometer in den Beinen hatten, war ein kollektives Aufatmen zu verspüren.
Während der letzten beiden Tage, an denen noch etwa 20 beziehungsweise 30 Kilometer zurückgelegt werden mussten, waren die Gedanken der meisten Läufer schon auf das finale Ziel gerichtet.
Nach fünf Tagen höchster Anstrengung, kamen alle Teilnehmer gesund ins Ziel und konnten sich als Finisher über 100 Meilen (160 Kilometer) feiern lassen. Im Rahmen der höchst emotionalen Siegerehrung wurden nicht nur die Erstplatzierten, David Fontaine (Frankreich) und Anna Petrakos (Australien), sondern jeder einzelne Teilnehmer gebührend geehrt.
„Neben der dünnen Höhenluft und der Distanz, waren auch die langen, steilen Steigungen und die Streckenbeschaffenheit selbst sehr anspruchsvoll“, erklärt Dieter Preiß die sportlichen Anforderungen, „Gelaufen wurde fast durchwegs auf unebenen, teilweise mit behauenen Steinen unregelmäßig gepflasterten Bergwegen oder auf erdigen, wurzeldurchsetzten Waldpfaden. Das damit gesteigerte Verletzungsrisiko erforderte höchste Konzentration auch bei teilweise hohem Erschöpfungsgrad.“
Erschwerte Bedingungen
Eine zusätzliche Herausforderung der Reise stellten die Bedingungen abseits des Laufes dar: Nächte mit Temperaturen um die Gefriergrenze, kein fließendes Wasser geschweige denn Warm- oder Trinkwasser, keine Heizmöglichkeiten, massiv eingeschränkte medizinische Versorgung und Bergungsmöglichkeiten im Notfall, kein Strom, kein Handyempfang, logistische Herausforderungen betreffend Gepäck und etlichem mehr. „Aber all das sind unwichtige Nebensächlichkeiten im Vergleich zu den unvergesslichen Erfahrungen und Impressionen, die das „Himalayan 100 Mile Stage Race“ geboten hat. Die Herausforderungen und Anstrengungen wurden mehr als aufgewogen durch die wunderschönen landschaftlichen Eindrücke im Sandakphu Nationalpark, den Blick auf die höchsten Berge unserer Erde, die unvergleichliche Freundlichkeit der indischen Bevölkerung, die vorbildliche Organisation des Events samt logistischer Meisterleistungen und die vielen Freundschaften die sich unter den Läufern entwickelt haben“, resümiert der Sportler zufrieden.


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