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BEZIRK HORN. Die 37. und letzte Rallye Waldviertel hielt, was sie versprochen hatte: hochklassiger Motorsport und Dramatik pur im Kampf um den Tagessieg und den Titel in der österreichischen Rallyemeisterschaft. Mit einem lachenden „Weltrekordler“ am Ende, Raimund Baumschlager jubelte über seinen 14. (!) nationalen Meistertitel – eine Marke, die noch kein anderer auf der ganzen Welt geschafft hat.
 

  1 / 3   „Weltrekordler“ Raimund Baumschlager auf dem Weg zu seinem 14. Staatsmeister-Titel. Foto: Harald Illmer

Ein Trio hatte vor dem Start in Horn noch die Chance auf den Titel. Titelverteidiger Hermann Neubauer (Ford Fiesta RS WRC), Baumschlager (VW Polo R WRC) und der Steirer Niki Mayr-Melnhof (Citroen DS 3 WRC) matchten sich schon die gesamte Saison. Im Waldviertel knallte zwar Mayr-Melnhof die erste Bestzeit auf die Piste zwischen Altenburg und Fuglau, doch die restlichen 119 Sonderprüfungskilometer im Großraum Horn standen ganz im Bann von Baumschlager und Neubauer. Acht Mal wechselte zwischen den beiden die Führung, der größte Zeitunterschied betrug 4,7 Sekunden, vor der allerletzten, vier Kilometer langen Sonderprüfung in der MJP-Racing-Arena in Fuglau (vormals Nordring) lag Neubauer 0,8 Sekunden vor Baumschlager! Doch ausgerechnet im entscheidenden Abschnitt brach am Ford die Antriebswelle, der 29-jährige Lungauer verlor 6,2 Sekunden auf Baumschlager, den Waldviertel-Sieg und den Staatsmeistertitel.

Dementsprechend sauer stand Neubauer im Ziel: „Die Rallye habe ich nicht draußen auf der Straße verloren, sondern hier in diesem Sch. . .-Fahrtechnikzentrum. Da verliere ich jedes Mal zwei Sekunden. Ich verstehe ja nicht, warum man bei 125 SP-Kilometern sechs Mal hier drinnen im Kreis fahren muss, aber bitte, wahrscheinlich kann ich“s halt nicht. Und am Schluss ist auch noch die Antriebswelle gebrochen …“ Baumschlager hingegen glücklich: „14 Rallye-Staatsmeistertitel hat wohl keiner auf der ganzen Welt. Darauf bin ich schon ein bissel stolz. Es war die volle Nervenbelastung. Hermann und Niki haben sich gewehrt bis zum Schluss, aber ich hab“ es irgendwie drüber gebracht. Die Meisterschaft war alles andere als leicht, der Druck schon mächtig groß. Es hat auch viele Leute gegeben, die gemeint haben, dass man das mit 58 Jahren nicht mehr tun kann.“

Baumschlager gewann die Rallye Waldviertel mit 5,4 Sekunden Vorsprung auf Neubauer und 37 auf Mayr-Melnhof, die österreichische Rallyemeisterschaft mit 121 Punkten vor Neubauer (117) und Mayr-Melnhof (98).

Hinter den „großen Drei“ fuhr Lokalmatador Christian Schuberth-Mrlik ein einsames Rennen auf Platz 4. Gegen die WRC-Piloten mit seinem Skoda Fabia R5 ohne Chance (2:16,2 min hinter dem Sieger), die ungarischen Kontrahenten hinter ihm jederzeit im Griff. „Mit meinen Zeiten kann ich sehr zufrieden sein, mehr als der 4. Platz war diesmal nicht drin.“, so Schuberth-Mrlk. Der 42-jährige Unternehmer aus St. Leonhard am Hornerwald, der heuer seine 20. Rallyesaison bestritt, kann noch immer nicht glauben, dass dies die allerletzte große Waldviertel-Rallye war.

Doch Organisationschef Helmut Schöpf bleibt trotz der 40.000 Zuschauer an den beiden Tagen dabei: „Es war für alle Beteiligten ein emotionaler Abschluss. Aber es ist Zeit, mich von dieser Rallye zu verabschieden. Die Gründe wurden im Vorfeld hinreichend erörtert, die Unterstützung vor allem der Sponsoren, aber auch in der Region, ist leider nicht mehr gegeben, zumindest nicht in dem Maße, wie sie benötigt würde.“ Der Böheimkirchner steckte seit 2002 all seine Energie in die Veranstaltung: „Es war eine anstrengende Zeit, aber ich möchte keinen Tag missen.“ Ein Hintertürchen ließ Schöpf offen: Den heuer erstmals im Juni gefahrenen Waldviertel-Sprint könnte es auch 2018 geben, vielleicht sogar einen zweiten an einem anderen Termin.


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