Appell: Lasst die Nahversorger nicht "aussterben"
BEZIRK HORN. Um regionale Versorgung und Wertschöpfung zu sichern, ist Einkaufen beim Nahversorger heutzutage wichtiger denn je. Derzeit gibt es in Niederösterreich 1.341 Betriebe, die im Lebensmittelgewerbe tätig sind. Das sind 335 Bäcker, 302 Fleischer, 263 Konditoren, 65 Müller und Futtermittelerzeuger sowie 376 Betriebe des Nahrungs- und Genussmittelgewerbe. Zusammen beschäftigt die Branche 11.635 Mitarbeiter, wovon 387 in Ausbildung stehende Lehrlinge sind. 187 lernen Bäcker, 136 Konditor, 46 Fleischverarbeiter, 13 Fleischverkauf, vier Verfahrenstechnik für Getreidewirtschaft sowie einer Molkereifachmann. Um diesen Stand halten zu können, sei es notwendig, sagt der Garser Bäckermeister Johann Ehrenberger, Landesinnungsmeister des Lebensmittelgewerbes in der Niederösterreichischen Wirtschaftskammer, dass an den lokalen Standorten vor der eigenen Haustür mehr eingekauft wird.

“Mir ist schon klar, dass es bequemer ist, alles in einem Geschäft zu kaufen. Aber gerade im ländlichen Raum zeigen sich alle betroffen und bestürzt, wenn wieder ein Nahversorger seinen Laden für immer schließt“, stellt Johann Ehrenberger fest. Nur vorher ist kaum einer dort hineingegangen und hat etwas gekauft“, so Ehrenberger. „Hier muss auf jeden Fall ein Umdenken stattfinden, wenn wir das Nahversorger-Sterben stoppen wollen. „Außerdem,“ sagt Ehrenberger, „ist kaum mehr Zeitaufwand notwendig, wenn man seine Besorgungen beim Bäcker und Fleischer erledigt“. An der Supermarktkassa müsse man sich ja ebenfalls anstellen. Und: Beim Nahversorger werden die persönliche Beratung und Betreuung groß geschrieben. „Welcher Diskonter kann das bitte bieten?“
Zur tödlichen Umklammerung durch die Bürokratie sagt Ehrenberger: „Wir haben im Lebensmittelgewerbe Betriebe, die jede Woche mehr als 30 Stunden alleine für die administrativen Tätigkeiten, die durch zusätzliche Verordnungs-und Gesetzesänderungen anfallen, aufwenden müssen. Das ist doch nicht mehr normal!“ Hier müsse endlich eine Vereinfachung eintreten. Es gebe nämlich Klein- und Mittelbetriebe, die durch diese Vorgangsweise an die Grenze ihrer zeitlichen und finanziellen Kapazitäten stoßen und zusperren beziehungsweise keinen Nachfolger mehr finden.
„Wer tut sich denn das bitte schön freiwillig an, wenn er ohnehin schon eine Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden hat?“


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