Arbeiterkammer Horn hilft: Geburtstagsfeier kostete Facharbeiter seinen Job
BEZIRK HORN. 78.000 Arbeitnehmer hat die AK Niederösterreich in den ersten sechs Monaten des Jahres geholfen. „Wir haben für diese Mitglieder mehr als 24 Millionen Euro erkämpft“, sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. „Sehr häufig ging es um Leistungen, die die Arbeitnehmer erbracht haben, die aber nicht bezahlt wurden.“

Diese Bilanz zeigt, wie hoch der Druck in der Arbeitswelt ist: 78.000 Arbeitnehmern hat die AK Niederösterreich im ersten Halbjahr 2017 bei Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen geholfen. „Wir haben mehr als 24 Millionen Euro für sie erkämpft“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. Tausende Arbeitnehmer wandten sich heuer an die AK Niederösterreich, nachdem ihnen der Arbeitgeber zum Beispiel geleistete Überstunden nicht bezahlt hatte. In Extremfällen zahlten Arbeitgeber noch nicht mal den Grundlohn aus. 2.400 brauchten Unterstützung, nachdem ihre Firma in Insolvenz gegangen war. „Ohne unseren kostenlosen Rechtsschutz hätten viele Betroffene dieses Geld leider nicht bekommen“, sagt Wieser.
Geburtstagsfeier kostete ihm den Job
Dass ihn die Geburtstagsfeier seines Vaters den Job kosten könnte, damit hatte der Fleischfacharbeiter nun wahrlich nicht gerechnet. Und doch passierte genau das. Knapp ein Jahr hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits für den Betrieb gearbeitet. Als er sich zu Sommerbeginn eine Woche Urlaub gönnte, meldete sich plötzlich der Chef: Am Sonntag brauche er den Horner im Betrieb. Genau an jenem Tag, an dem die Geburtstagsfeier geplant war. Als der Mitarbeiter - wie auch schon Wochen im Vorfeld angekündigt – an seinem letzten Urlaubstag nicht wie vom Chef verlangt zur Arbeit erschien, war er prompt seinen Job los.
Hilfesuchend wandte er sich an die AK. „Nicht nur, dass der Beschäftigte ohne Kündigung und noch während seines Urlaubs einfach bei der Krankenkasse abgemeldet wurde. Im Zuge der Berechnungen zeigte sich auch, dass eine ganze Reihe offener Forderungen bestand“, erklärt AK-Bezirksstellenleiter Robert Fischer. So hatte sich der Arbeitgeber z. B. in der gesamten Zeit um die Zahlung der Zuschläge für Sonntagsdienste gedrückt. Auch das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld für beinahe sechs Monate war ihm der Chef schuldig geblieben. „Insgesamt stehen dem Beschäftigten noch Zahlungen in Höhe von mehr als 4.000 Euro brutto zu. Diese werden nun vor Gericht eingeklagt“, bestätigt Fischer.
Halbjahresbilanz 2017 – Bezirk Horn
Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit
Beratungen: 803
Interventionen beim Arbeitgeber: 30
Kostenloser Rechtsschutz: 5
Außergerichtlich eingebracht: 94.227 Euro
Gerichtlich eingebracht: 18.390 Euro
Insolvenzvertretung: 16.947 Euro
Gesamt: 129.564 Euro
Im ersten Halbjahr 2017 forderte die AK Horn für 30 ArbeitnehmerInnen ausstehende Löhne und Gehälter ein. „Leider haben es einige Arbeitgeber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen“, sagt Bezirksstellenleiter Robert Fischer. In fünf Fällen klagte die AK zugunsten der ArbeitnehmerInnen vor dem Arbeitsgericht. Außerdem vertrat die AK im Bezirk sieben Beschäftigte aus zwei insolventen Betrieben. Insgesamt bekamen die Betroffenen durch die Unterstützung der AK 129.564 Euro an ausstehenden Löhnen und Gehältern nachbezahlt, um die sie ohne AK wahrscheinlich umgefallen wären.


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