Internationaler Frauentag: Wahlrecht als Schlüssel zur Gleichberechtigung
BEZIRK HORN. Seit 1921 wird der internationale Frauentag am 8. März begangen. Er entstand im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 2018 ist ein Jahr mit Symbolkraft in Österreich: 100 Jahre Frauenwahlrecht und das Frauenvolksbegehren 2.0 stehen auf der Agenda.

Die politische Beteiligung von Frauen war nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Bis sie im Jahr 1918 ihr Recht auf politische Mitbestimmung erlangten, mussten die Frauen einen langen, harten Weg gehen. Der Kampf um dieses Wahlrecht hat viele frauenpolitische Errungenschaften auf den Weg gebracht. Es war eine wesentliche Grundlage für die Anerkennung von gesellschaftlichen und politischen Rechten für Frauen. Das allgemeine Wahlrecht ist demnach ein Meilenstein im Ringen um Chancengleichheit. Es ist der Schlüssel zur Gleichberechtigung – um teilhaben, um mitgestalten und um mitentscheiden zu können, in welcher Gesellschaft wir leben möchten.
Frauenvolksbegehren 2018 - Jetzt erst Recht
Das „Unabhängige Frauenforum“ (UFF) stellte 1997 ein Frauenvolksbegehren auf die Beine, das vor allem auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Bürgerinnen zielte: gleiche Chancen am Arbeitsmarkt, gerechte Einkommensverteilung, Armutsbekämpfung und ausreichende Pensionen – das sind Inhalte, die heute nach wie vor relevant sind. Rund 645.000 Personen unterschrieben – drei Viertel davon Frauen – und brachten das Frauenvolksbegehren damit auf die politische Agenda des Parlaments. Unter dem Slogan „Es ist Zeit!“ versucht der Verein Frauenvolksbegehren 2.0 im Jahr 2017 diesen Forderungen, die nach wie vor nicht erfüllt sind, Nachdruck zu verleihen.
Frauenpolitik heute
Die ersten beiden Wellen der Frauenbewegungen hatten klare, konkrete Ziele: Zunächst galt es, den gleichen Zugang zu Bildung und politischer Teilhabe zu erlangen. Die Feministinnen der 1970er Jahre traten für sexuelle Freiheit, Schutz vor Gewalt und finanzielle Unabhängigkeit ein. Diese Themen sind auch heute noch von Bedeutung: So etwa die #MeToo Debatte. Der Hashtag mobilisiert Betroffene im Zuge des Weinstein-Skandals in sozialen Netzwerken und zeigt das Ausmaß sexueller Übergriffe.
Zwar haben sich rechtliche Rahmenbedingungen zugunsten von Frauen verändert, Ungleichheit, gerade in ökonomischen Belangen, besteht jedoch weiterhin. Frauen sind in politischen Spitzenpositionen weiterhin unterrepräsentiert. Niederösterreich ist zurzeit das einzige österreichische Bundesland, das sich einer Landeshauptfrau rühmen darf. Seit April 2017 lenkt hier Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die Geschicke.
Tips hat sich im Bezirk Horn umgehört, was sich starke Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, für die Zukunft der weiblichen Bevölkerung noch wünschen würden:
» Ich möchte, dass meine Tochter dieselben Chancen im Leben hat wie mein Sohn. Ich wünsche mir, dass endlich die gleichen Rechte für Frauen und Männer gelten: gleicher Lohn bei gleicher Arbeit und Qualifikation, optimale Vereinbarkeitslösungen von Beruf und Familie und dass keine eigenen Volksbegehren mehr nötig sind, weil dies alles selbstverständlich ist!«
Mag. Martina Surböck-Noé, Geschäftsführerin des Wirtschaftsforum Waldviertel aus Horn
» Wir haben unsere Aufgaben bis jetzt immer aufgrund unserer persönlichen Überzeugung von einer Sache erfüllt und uns nicht durch Debatten rund um das Geschlecht verunsichern lassen. Wir wünschen uns für die Frauen, dass sie mit dieser gleichen Unvoreingenommenheit und Überzeugung an eine Sache, von der sie wirklich überzeugt sind und an die sie glauben, herangehen und ihre Ziele verfolgen können.«
Elisabeth Allram (VP-Bgm.) und Mag. Petra Zach (VP-Vbgm.) einziges weibliches Ortschef-Duo im Bezirk (Brunn/Wild)
» Frauen sollen an ihre Fähigkeiten glauben und selbstbewusst veraltete Rollenbilder aufbrechen - so würde ich mir bei der Berufswahl mehr Frauen in technischen Zukunftsberufen wünschen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll verbessert werden- dafür ist der Ausbau eines flexiblen und qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungsangebotes notwendig.«
Mag. Sabina Müller, Wirtschaftskammer Bezirkstellenleiterin Horn aus Raabs/Thaya
» Ich wünsche mir, dass Zeilen wie diese in Zukunft nicht mehr notwendig sind, da Gleichbehandlung, Quotenregeln, Metoo usw. keine Diskussions- und Sensibilisierungsthemen mehr sind, sondern gelebte Themen. Weiters wünsche ich mir, dass Frauen in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen für Männer gleichgestellte Partner sind. Geachtet, respektiert und geschätzt.«
Margarete Jarmer, Unternehmerin, Bezirksvertreterin „Frau in der Wirtschaft“ aus Eggenburg
Und hier ein ausführliches Statement von
Birgit Schrottmeyer, SPÖ-Stadträtin in Eggenburg und ÖGB-Mitglied
„Was ich mir für die Zukunft der Frauen - in Mitteleuropa - wünsche … (in anderen Teilen der Welt haben andere Frauenanliegen Priorität)
… dass Kinder nach ihren Begabungen und Interessen gefördert und in ihrem Können bestärkt werden, denn egal welches Geschlecht – Begabungen gehören gefördert und verstärkt – und da hinkt unser Schulsystem noch hinterher.
… dass jungen Menschen in der Ausbildung und am Arbeitsmarkt alle Türen offen stehen - ohne Vorurteile wegen ihres Geschlechts.
… dass sich speziell (junge) Frauen nicht mehr von einem gesellschaftlichen/kulturellen/religiösen/werbe- oder modebedingten Frauenbild unter Druck setzen lassen, dass sie dadurch Raubbau an ihrem Körper betreiben oder psychische Hilfe benötigen.
… dass Frauen nicht mehr über Äußerlichkeiten definiert werden – stellen Sie sich vor: eine Frau hätte die Frisur und Figur von Donald Trump – und würde dann auch noch diese Art von Politik machen!
… dass Frauen das Wort „NEIN!“ selbstbewusst, ohne zu zögern jederzeit und bereits von Kindheit an nicht nur sagen, sondern auch praktizieren und leben. Ein „Nein“ beinhaltet Selbstschutz, nicht nur bei sexueller Belästigung, sondern auch bei Überbelastung durch Arbeit, Kinder, Partnerschaft, Haushalt, Pflege und Betreuung von Kranken und älteren Angehörigen.
... dass es nicht als selbstverständlich gilt, dass sich Frauen grundsätzlich alleine um die Kindererziehung und Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen kümmern.
… dass es gleichen Lohn für gleiche Arbeit gibt.
…dass sich unser Gesellschaftsbild dahingehend verändert, dass Kompetenz mehr zählt als das Geschlecht und die Quotenregelung nicht mehr notwendig ist.
… dass es möglich ist, Kinder und Beruf zu vereinen, da die Kinderbetreuung im selben Ausmaß flexibel wird, wie die Unternehmerseite es von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern fordert, denn derzeit ist sie es nicht – und dies wird oft zum täglichen Spießrutenlauf für viele Eltern.
Viele Frauen empfinden das Wort „Emanzipation“ noch immer als Schimpfwort und wollen damit nichts zu tun haben. Jahrhundertelange persönliche, finanzielle und gesellschaftliche Unterdrückung zeigen noch heute ihre Auswirkungen.
Bei der Erziehung meiner Tochter ist es mir gelungen, dass die sich Männern gegenüber gleichberechtigt sieht. Dass sich innerhalb ihres Lebens auch noch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dahingehend ändern, dafür erhebe ich immer wieder meine Stimme. Denn kommen wir auch als Mann oder Frau zur Welt – egal – Menschen sind wir alle!“
Pedition hier unterschreiben:
www.frauenvolksbegehren.at


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